ORF und Puls 4 und Servus TV, Krone und Kleine Zeitung, Standard, Oe24 und Willhaben, Ö3 und Ö1 und Kronehit, Netflix und Sky und Amazon Prime, Regierungswerbung und Medienförderungen, Journalismus und Propaganda, Kontrolle und Politeinfluss: Darum geht es in diesem Buch, einem Themenpaket über Österreichs Medienlandschaft. DIEMEDIEN.at Basics soll Basiswissen über diese kleine, eng verflochtene Medienszene eines mittelgroßen mitteleuropäischen Landes vermitteln - und vor allem auch erklären, warum es ist, wie es ist.

Zum Einstieg ein rascher Überblick, wie es ist, und warum es so ist in Österreichs kleiner Medienwelt.

Das Wichtigste über Österreichs Medienlandschaft in 12 Punkten:

Politische Größe. Eine Handvoll Medienhäuser beherrscht den Markt, national wie regional, und viele von ihnen verdanken ihre Position politischem Rückenwind. Dieser Rückenwind blies und bläst meist mehr aus machtstrategischem Kalkül denn aus (demokratie)politischer Überzeugung.

Öffentlicher Riese. Der öffentlich-rechtliche, größtenteils öffentlich finanzierte ORF ist mit einer Milliarde Euro Umsatz das weitaus größte Medienunternehmen im Land, größer als die größten Zeitungsverlage und größer als alle privaten Rundfunker in Österreich zusammen. Marktführer im TV (Gesamtpublikum), Marktbeherrscher im Radio, Marktführer unter östereichischen Info-Onlineangeboten. In der Hoffnung auf Einfluss im ORF ließ die jeweilige (Regierungs-)Politik so spät wie irgend möglich private Konkurrenz zu.

Verhinderungspolitik. Die Bewahrungspolitik verhinderte österreichisches Privatfernsehen, eröffnete aber einen perfekten Markt für Werbefenster deutscher Privatsender, die mit günstigen Österreich-Tarifen in (lange nur) deutschen Programmen günstige Werbeplätze als Alternative zum teuren ORF bieten. Private österreichische Kanäle müssen mit Werbegeld eigene Programme finanzieren – also brauchen sie höhere Preise als die Werbefenster. Das Ergebnis: Der ohnehin schon marktbeherrschende Werbefenster-Riese ProSiebenSat1 übernimmt 2017 – kartellrechtlich gewagt – auch noch den bis dahin unabhängigen größten österreichischen Privatsender ATV samt ATV 2, und auch das erleichtert politischer Rückenwind. Seither ist ProSiebenSat1Puls4 Marktführer in der Werbezielgruppe der 12- bis 49jährigen.

Boulevardblätter. Den nationalen Zeitungsmarkt (und lange den Wiener Hauptstadtmarkt sowie Ostösterreich) dominiert die Kronen Zeitung (Eigentümer: Familie Dichand, Funke/Benko). Ihre Größe verdankt sie nicht zuletzt dem Entgegenkommen und der Angst der Politik vor ihr und ihren Kampagnen. Ungehindert von Medienpolitik oder Kartellrecht konnte das Kleinformat seinen Verlag Ende der 1980er mit der nationalen Nummer zwei zum marktbeherrschenden Zeitungskonzern Mediaprint – dem Kurier – fusionieren. Ein späterer Bundeskanzler und SPÖ-Chef – Werner Faymann – erleichterte der Eigentümerfamilie Dichand, die Gratiszeitung Heute zu gründen, längst die reichweitenstärkste Zeitung in Wien. Heute gehört heute der Schweizer Tamedia, einer von Sozialdemokraten geführten Stiftung und (einer Stiftung von) Eva Dichand.

Öffentliche Inserate (2018/19: 177 Millionen Euro) von Regierung und Ländern, vor allem Wien, fördern abseits der formellen Presseförderung (rund 8,7 Millionen Euro, 2019) und der Privatrundfunkförderung (20 Millionen ab 2019) vor allem Boulevardmedien wie Krone, Heute und Konkurrent Österreich/0e24 der Familie Fellner.

Landesliga. Je ein regionales Medienhaus dominiert die meisten Bundesländermmärkte, viele davon in Familienbesitz, viele entstanden nach 1945 mit Zeitungslizenzen der alliierten Streitkräfte (USA, Frankreich, Großbritannien – die Sowjetunion hatte einen anderen Fokus), und meist auch mit Rückenwind der regionalen öffentlichen Stellen. In Vorarlberg Russmedia (Familie Russ) (Vorarlberger NachrichtenNeue Vorarlberger, vol.at), in Tirol die Moser Holding (Familie Moser) (Tiroler Tageszeitung), die Salzburger Nachrichten (Familie Dasch), die Oberösterreichischen Nachrichten (Wimmer Holding/Familie Cuturi). Kärnten und Steiermark dominiert die Styria (Kleine Zeitung, überregional Die Presse, Willhaben.at) in katholischem Stiftungsbesitz.

Qualität. Im recht gedrängten Markt der Qualitätszeitungen matchen sich Der Standard (Oscar Bronner, Bronner Familien-Privatstiftung), Die Presse (Styria), die Salzburger Nachrichten (Familie Dasch) und der – stets zwischen Anspruch und Masse mäandernde – Kurier (Raiffeisen, Funke/Benko). Dazu kommt eine internationale Seltenheit in der westlichen Welt: Eine Tageszeitung im Staatsbesitz – die Wiener Zeitung, lange finanziert vor allem aus Pflichtinseraten von Unternehmen.

Den Magazinmarkt dominiert die Verlagsgruppe News, gegründet und zur Marktführerschaft gepusht von Wolfgang Fellner und Familie (heute Österreich/0e24). Sie konnte, ungehindert vom inzwischen existierenden Kartellrecht, 2001 mit Fellnerschem Politdruck und Rechentricks die zweitgrößte Magazingruppe um Profil und Trend übernehmen. Deren Eigentümer Kurier, er war da schon Teil der zeitungsmarktbeherrschenden Mediaprint, konnte sich im Gegenzug an der News-Gruppe beteiligen. Horst Pirker (früher Styria, Red Bull Media House) übernimmt die Mehrheit an dem Magazinkonzern 2016 praktisch gratis von Bertelsmann/Gruner+Jahr; die deutschen Eigentümer sehen kaum noch Chancen für die Beteiligung in Österreich. Pirker und die an der News-Gruppe noch beteiligten Fellners drängen 2018 den Kurier (mit einer Option aus 2001) ebenfalls kostenlos von Bord; die nun VGN genannte Gruppe gehört ihnen jetzt zu 75:25 Prozent. Der Kurier kauft 2019 Profil für ein paar Millionen von der VGN zurück. Inhaltlich macht dem Profil die Wiener Wochenzeitung Falter (Thurnher, Schlager) Konkurrenz.

Medienmulti Mateschitz. Österreichs zweitgrößtes Medienhaus, gemessen am ausgewiesenen Umsatz von 2018 gut 448 Millionen Euro, ist das Red Bull Media House. Es soll jenes Lebensgefühl aus der Dose verbreiten, mit dem Gründer Dietrich Mateschitz den Energydrink vermarktet. Mit dem Streamingportal redbull.com (lange sollte daraus ein globale Fernsehsender werden), mit Red Bulletin und Carpe Diem. Mateschitz‘ persönlichem Lebensgefühl und seiner Vorstellung als Medienmacher entspringen Servus TV, das Magazin Servus in Stadt und Land, Terra Mater. Und die Rechercheplattform Addendum, die Mateschitz (über die Quo Vadis Veritas Privatstiftung) und Servus TV (über Produktionsaufträge) finanzieren.

Meins! Eigene Medien nach Gutdünken statt unter journalistischer Prüfung und Selektion finden naturgemäß politische Parteien und Bewegungen praktisch. Youtube, Facebook und andere mehr oder minder soziale Plattformen bieten dafür hervorragende Möglichkeiten, eigene Inhalte und Sichtweisen zu verbreiten und/oder Reichweite dafür zu generieren. Die FPÖ und Geistesverwandte haben ein verzweigtes Medien-Netzwerk aufgebaut – von unzensuriert.at, Wochenblick, Info Direkt und FPÖ-TV über Zur Zeit und die traditionelle Neue Freie Zeitung bis zum langjährigen Kernstück – der Facebookseite unter dem Namen des langjährigen Parteichefs Heinz-Christian Strache mit rund 800.000 Fans und Abonnenten. Unpraktisch nur, wenn HC im Mai 2019 über das #Ibiza-Gate-Video stürzt und die FPÖ die Seite im Streit mit Strache im Oktober 2019 erst einmal ganz stillegt. Auf direkte Kommunikation über Mail, Whatsapp und eine ebenfalls in lichte Höhen gepushte Facebook-Präsenz setzt längst auch ÖVP-Chef und On-Off-Kanzler Sebastian Kurz mit einigem Erfolg.

Sind klassische Medien digital nicht längst egal? Wen kümmert die kleine österreichische Zeitungs- und Rundfunkbranche, wen kümmert professioneller Journalismus, wen kümmert Medienkompetenz eigentlich noch in Zeiten von Youtube und Netflix und Spotify und Amazon Prime? In Zeiten des Informationsvermittlungsriesen Google, der zudem längst und mit gewaltigem Vorsprung den Weltwerbemarkt beherrscht? In Zeiten der gewaltigen, angeblich sozialen Vermittler wie Facebook, Nummer zwei im Weltwerbemarkt, und seinen Töchtern Instagram und Whatsapp? Sie kümmern hoffentlich jede Mediennutzerin und jeden Mediennutzer.

Sie entscheiden! Denn am Ende entscheiden Sie darüber, welche Inhalte ankommen und wie. Was Sie glauben und wo Sie lieber ein zweites Mal hinschauen, woher diese Inhalte kommen und wer sie mit welchem Ziel verbreitet. Wer diese Inhalte finanziert und wie. Viele dieser Inhalte können ihre nächste Wahlentscheidung beeinflussen – und damit die künftige Politik dieses Landes. Ja, auch die Medienpolitik.

Was kommt da noch? Ein Inhaltsverzeichnis mit Links zu den Kapiteln

Auf der nächsten Seite beginnt der Bezahlteil des DIEMEDIEN.at-Buchs über die Österreichs Medienlandschaft. Was erwartet Sie dort? Eine Art Buch mit vorgeschlagener Abfolge – jeweils am Textende finden Sie rote Links zur nächsten (Pfeil nach rechts) und zurück zur vorhergehenden Seite (Pfeil nach links). Und wenn Sie lieber direkt zu einzelnen Kapiteln klicken wollen: Hier eine Übersicht, eine Art kommentiertes Inhaltsverzeichnis mit Links am Ende jedes Hinweises.

Ich beginne das Basics-Buch mit ein paar Grundlagen zu Medien, und welche Medien ich da meine, über Journalismus, und warum ich ihn für eine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe halte, wie sich diese Medien und dieser Journalismus finanzieren, wie man sie und ihre Marktposition vermessen kann, und wie ihr Tun kontrolliert wird. Von diesen jeweils sehr knapp und überblicksartig gehaltenen Punkten führen Links zu ausführlicheren Lexikonstichwörtern zum jeweiligen Thema und zu anderen Materialien – falls Sie dazu mehr wissen wollen. Über diesen Link (oder einfach auf der nächsten Seite) geht’s zum Grundlagen-Buch.

Medien stehen heute vor einer Vielzahl von Herausforderungen – von A wie Adblocker und B wie Bezahlbereitschaft bis F wie Facebook und Fake, von G wie Google bis O wie Owned Media, S wie Streaming und V wie Vertrauen. Einen Überblick über diese (und noch viel mehr) Herausforderungen für Medien und Journalismus versuche ich im nächsten Abschnitt. Wiederum in kurzen Einheiten, von denen Links zu ausführlicheren Stichwörtern, Charts und Materialien führen. Über diesen Link kommen Sie zu den Herausforderungen.

Hier kommt eine Übersicht kurzer Aktualisierungen und Updates zur Medienbranche. Ich empfehle bei der Nutzung von DIEMEDIEN.at einen regelmäßigen Blick in die Übersicht – nicht alle Updates kann ich gleich in die längeren Texte einarbeiten. Die Update-Übersicht finden Sie auch an anderen Stellen auf DIEMEDIEN.at und die jeweils relevanten Einträge auch in den einzelnen Lexikonstichwörtern. Über diesen Link geht’s zur Update-Übersicht.

Dann folgt eine Übersicht von Östereichs größten Medienkonzernen mit Eckdaten, wieviel Geld sie im Jahr einnehmen sind, wem sie gehören, und was sie so treiben, betreiben und herausgeben, mit Links zu ausführlicheren Lexikonstichwörtern. Über diesen Link geht’s zu den größten Medienhäusern.

Dazu eine Übersicht der wichtigsten Player in der Branche – also die Eigentümer und wer sonst noch das Sagen hat in der Medienbranche. Noch im Projektstadium ist hier ein Überblick der 100, 200, vielleicht 300 Medienmacher und ‑Manager aus der Branche und drumherum, die man kennen sollte, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Über diesen Link geht es zu einer Übersicht, wer die Medienbranche wesentlich mitbestimmt.

Die digitale Welt löst die Grenzen einzelner Mediengattungen wie Zeitungen, Magazine, Fernsehen, Radio, Online auf. Dennoch gibt es diese Märkte noch, und mit einiger Relevanz für Medienwirtschaft und Wettbewerb. Ich arbeite  mich also für’s Erste weiterhin durch die Mediengattungen, die viele österreichische Medienhäuser noch immer prägen, beschreibe aber jeweils auch die digitalen Herausforderungen für diese Branche und ihre Player. Über diesen Link geht es zu den Branchen und Gattungen (mit einigen Seiten). Lassen Sie sich bitte nicht von den plötzlich auftauchenden Kapitelnummern irritieren – ich überarbeite und aktualisiere das Basics-Buch gerade, und an den Gattungskapiteln arbeite ich noch.

Das Basics-Lexikon. Noch im Projektstadium ist auch ein eigenes Lexikon für die Grundlagen der österreichischen Medienbranche, eine Art Destillat des großen DIEMEDIEN.at-Lexikons. Vorerst darf ich Sie auf dieses Lexikon verweisen, das auch noch lange nicht komplett ist und wohl nie sein kann, sich aber schon jetzt da und dort an kleinen Details erfreut, die über diese Grundlagen ein Stück hinausgehen.

Hier geht es weiter in Österreichs Medienwelt, und was man über sie wissen sollte.