Alexander Wrabetz hat schon dreistellige Millionenverluste und tiefe Quoteneinbrüche überstanden, EU-Wettbewerbsverfahren gegen die GIS-Gebühren und öffentliche Demontagen. Der Sozialdemokrat wurde gegen die Kanzlerpartei ÖVP ORF-Generaldirektor und blieb Chef des weitaus größten österreichischen Medienkonzerns gegen die Kanzlerpartei SPÖ. Gut möglich, dass Wrabetz auch das nächste ORF-Gesetz von ÖVP und FPÖ 2019 in der ORF-Führung aussitzt. 20 Jahre ist er dort 2018 schon, als bisher einziger mehr als 12 Jahre am Stück Generaldirektor, und als einziger wurde er schon zweimal wiedergewählt, einmal mit der höchsten Zustimmung aller Zeiten. Höchste Zeit für eine DIEMEDIEN.bio über den Marathon-Mann des ORF, den Meister der Selbstverteidigung.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Corona-Krise: Österreichs Medienbranche in Kurzarbeit
Mit 1. April 2020 (oder bald danach) geht eine Vielzahl österreichischer Medienunternehmen in Kurzarbeit, in Teilbereichen oder gleich als ganzer Verlag oder ganzes Medienunternehmen – etwa der Standard, die Kleine Zeitung (ab 15. April) der Styria (in allen ihren österreichischen Unternehmen ist Kurzarbeit Thema), der Kurier, die Salzburger Nachrichten, die Moser Holding, die Oberösterreichischen Nachrichten/Wimmer Holding, Vorarlberger Nachrichten/Russmedia, die VGN (früher Verlagsgruppe News), die Mediengruppe Österreich, auch in der Mediaprint und bei der Krone war Kurzarbeit Thema. Auch der ORF meldet rückwirkend mit 1. April 2020 Kurzarbeit an, die Information sei ausgenommen. Er rechnet 2020 mit 50 Millionen Euro geringeren Einnahmen aus Werbung und wegen mehr Gebührenbefreiungen. Auch kleinere Verlage wie Ahead Media (Home, Flair) planen in diesem Frühjahr Kurzarbeit, Die Kurzarbeit, bei der das AMS einen Teil der Gehälter übernimmt, unter besonderen Corona-Bedingungen ist auf drei Monate angelegt, weitere drei Monate Verlängerung können Unternehmen beantragen. Einknickende Werbeeinnahmen lassen Verleger, Medienmanager und -eigentümer im März 2020 darüber hinaus bei der Bundesregierung um Akutbeihilfen etwa für Druck und Vertrieb vorstellig werden.

ProSiebenSat1 trennt sich mit sofortiger Wirkung von Vorstandschef Max Conze
Nach langem, schwerem Schlingern und auf einem Zehnjahrestiefpunkt an der Börse beschließt der Aufsichtsrat von ProSieben am 26. März 2020 den sofortigen Abgang des früheren Dyson-Managers Max Conze als Vorstandschef des deutschen Entertainmentkonzerns, der Mutter von Österreichs größtem Fernsehkonzern ProSiebenSat1Puls4. Conze kam keine zwei Jahre zuvor, mit Juni 2018, zu ProSiebenSat1. Der Konzern soll sich nun laut Aufsichtsrat "wieder stärker auf den Entertainment-Sektor inder DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) ausrichten" und über die Jahre zusammengekaufte Startups wieder sukzessive abstoßen. Finanzvorstand Rainer Beaujean wird fürs Erste zusätzlichVorstandssprecher. In den Vorstand rücken Wolfgang Link (Entertainment) und Christine Scheffler (Personal) auf.

Olympische Sommerspiele Corona-bedingt auf 2021 vertagt – nach Fußball-EM und, und, und…
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und Japan sagen am 24. März 2020 die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 definitiv ab und verschieben das globale Sport- und vor allem Fernsehgroßereignis um ein Jahr auf 2021 – wie zuvor etwa schon die Fußball-Europameisterschaft 2020 in Frankreich wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde und viele kleinere und größere medienrelevanten Ereignisse 2020 aufgeschoben oder abgesagt wurden, von Song Contest bis Dancing Stars bis Romy-Gala des Kurier. Fußball-WM und -EM sowie Olympische Spiele heben die ORF-Quoten üblicherweise in geraden Jahren um den einen oder anderen Prozentpunkt. Zugleich treiben sie die Rechte- und Produktionskosten des ORF-Fernsehsports in diesen geraden Jahren um rund 20 Millionen Euro Richtung 100 Millionen.

Armin Wolf, Tarek Leitner, Nadja Bernhard ziehen für zwei Wochen als „Zeit im Bild“-WG in Isolationsbereich auf den Küniglberg
Der ORF richtet im März 2020 Isolationsbereiche ein, um insbesondere seine Information vor Corona-Ausfällen abzusichern. Am 24. März 2020 ziehen zunächst die Moderatoren Armin Wolf, Tarek Leitner, Nadja Bernhard und Margit Laufer samt Team für zwei Wochen auf den Küniglberg. Die Infomannschaft von Ö1 lehnt einen Isolationsbereich ab – was für einigen Konfliktstoff mit der ORF-Führung, insbesondere dem Sicherheitschef Pius Strobl sorgt. Fällt die Ö1-Info virusbedingt aus, soll daraufhin Ö3 auch die Ö1-Journale übernehmen, lässt die ORF-Führung daraufhin verlauten.

ÖVP-nahe Mehrheit im ORF-Stiftungsrat – Türkis bestimmt nächste ORF-Führung
Die Regierung von ÖVP und Grünen beschickt am 11. März 2020 die 9 Regierungsmandate und 6 Parteimandate (auf Vorschlag der Parlamentsparteien) im Stiftungsrat neu. Ergebnis: eine türkise Mehrheit im obersten ORF-Gremium, die nötigenfalls auch alleine die nächste ORF-Führung bestimmen kann. Die ÖVP-Fraktion ("Freundeskreis") kommt auf 16 Mandate im Stiftungsrat, vier weitere Unabhängige im Stiftungsrat (entsandt von Regierung, Betriebsrat) stehen der ÖVP näher als anderen Parteien oder können zumindest als bürgerlich eingestuft werden. Für die Bestellung der ORF-Führung - regulär im Sommer 2021 mit 2022 - braucht es 18 Mandate aus insgesamt 35. Enthaltungen senken das nötige Quorum. Die SPÖ hat nun 5 Mandate, die FPÖ 4, die Grünen 3 und die Neos 1, dazu kommt eine Handvoll deklariert Unabhängiger. Die 2020 Neuen im Stiftungsrat:
  • Jürgen Beilein (Ex-ÖVP-Ministersprecher) auf ÖVP-Regierungsmandat
  • Ruth Strondl (Kunsthistorisches Museum, davor ÖVP-Ministerien) auf als unabhängig definiertem Regierungsmandat
  • Bernhard Tschrepitsch (CV-nahe Akademikerhilfe) auf als unabhängig definiertem Regierungsmandat
  • Marianne Schüttner (Betriebsrat, ORF-Finanzdirektion, Unabhängige-Listenkollegin von Radiobetriebsrätin Gudrun Stindl) auf einem Mandat des neu besetzten ORF-Zentralbetriebsrats
  • Andrea Danmayr (Uni für angewandte Kunst) auf Grünem Regierungsmandat
  • Lothar Lockl (Strategieberater, früher Manager und Kampagnenmanager der Grünen und 2016 von Alexander Van der Bellen) auf Grünem Regierungsmandat
  • Sigrid Pilz (Wiener Patientenanwältin) auf Grünem Parteimandat

Corona: ORF schaltet „Zeit im Bild“ um 19.30 auf alle Kanäle durch
Der ORF positioniert sich in der Corona-Ausnahmesituation im Frühjahr 2020 – ohnehin in steter Verteidigungshaltung für seine Gebührenfinanzierung und vor dem nächsten Generalswahljahr 2021 – als staatstragende Zentralanstalt für Information, Service und Motivation. Am 13. März fährt die Regierung das öffentliche Leben im Land drastisch zurück, der ORF ist da längst und der Situation entsprechend in den großen Sondersendungsmodus gewechselt. Und ab 15. März 2020 nimmt der ORF eine Rede von Kanzler Sebastian Kurz in der Zeit im Bild -Sendezeit zum Anlass, die Hauptnachrichten um 19.30 Uhr gleich auf alle vier ORF-Kanäle durchzuschalten. Diese Zeit im Bild hat (ohne spätere Abrufe) die meisten Zuschauer, seit der ORF 1991 die elektronische Quotenmessung begann: 2,77 Millionen im Sendungsschnitt, bei der Kanzlerrede waren es 2,92 Millionen. 67 beziehungsweise 68 Prozent Marktanteil. ORF-Chef Alexander Wrabetz ließ ohnehin erst in den Wochen zuvor wieder prüfen, ob die von ihm 2007 mit der (leider nur angekündigt) "größten Programmreform aller Zeiten" beendete Durchschaltung der Zeit im Bild auf ORF 1 und ORF 2 nicht doch wiederkehren soll. Die Arbeitsgruppe sagte nein, Corona bietet einen mehr als angemessenen Anlass, sie trotzdem auszuprobieren. Am 15. März sehen die ZiB auf ORF 2 2,24 Millionen, in ORF 1immerhin 442.000. Am 16. März sind 254.000 in ORF 1 dabei, insgesamt verfolgten 2,53 Millionen diese ORF-Hauptnachrichten auf allen Kanälen zusammen. Der ORF bleibt fürs erste dabei: Zunächst für eine Woche geplant steht die Zeit im Bild auch am 31. März noch um 19.30 Uhr im Programm von ORF 2 ebenso wie jenem von ORF 1.

FPÖ setzt wieder einmal auf Thema GIS-Abschaffung
In der Koalition mit der ÖVP kam Heinz-Christian Straches Ibiza-Video der versprochenen Abschaffung der GIS-Gebühren zuvor. Auf das emotionsgeladene Thema wollen die Freiheitlichen naturgemäß auch unter Norbert Hofer nicht verzichten. Am 24. Februar 2020 starten sie eine "Infokampagne", wie sich die Rundfunkgebühren vermeiden lassen, und eine Onlinepetition unter www.wegmitgis.at zur Abschaffung, ein späteres Volksbegehren sei "möglich". Bei der Gelegenheit entdeckten die Freiheitlichen: Die URL www.weg-mit-der-gis.at hat sich schon 2016 hat sich die ÖVP Neusiedl schon 2016 gesichert. Für den ORF wollen sie ein Abomodell, wie es der britische Brexit-Premier Boris Johnson gerade für die BBC in Aussicht stellt, dazu Förderungen für Inhalte von öffentlichem Interesse auf allen Sendern. Bisher erhält der ORF rund 640 Millionen Euro aus Programmentgelten, die Privatsenderförderung beträgt seit 2019 20 Millionen Euro. Die Kampagne entschlummert im März vorerst ob Coronavirus und krisenbedingt gewaltigem Zuschauerinteresse für insbesondere die Infosendungen im ORF.

ORF-Doku über Sebastian Kurz passt auch auf Youtube-Channel des ÖVP-Chefs
Gerhard Jelineks Doku Wer ist Sebastian Kurz? für den Hauptabend von ORF 1 am 2. Jänner, gleich nach der Koalitionseinigung von ÖVP und Grünen, gefiel der ÖVP offenbar so gut, dass sie die 50 Minuten ORF-Programm sehr prompt auf den Youtube-Channel ihres Parteichefs Sebastian Kurz stellt. Der ORF erklärt sich grundsätzlich mit der "nicht kommerziellen" Nutzung einverstanden.

Telenovela-Untertitel für Angelobung der ÖVP-Grünen-Regierung
"Wie würdest du dieses Küken nennen?" Untertitel wie diese schmückten am 7. Jänner den Livestream von der Angelobung der neuen Bundesregierung unter Sebastian Kurz und Werner Kogler in der TVthek des ORF. Sie stammen aus der Telenovela Alisa - Folge deinem Herzen, die üblicherweise um die Zeit im ORF läuft. Der ORF entschuldigt sich für die Panne und sorgte für internationale Erheiterung. Ausschnitte gibt es etwa hier auf Youtube.

Koalition ÖVP/Grüne: Kanzler Kurz als Medienminister, Message Controller Fleischmann als Medienpolitik-Beauftragter
Am 7. Jänner 2020 wird die erste Regierungskoalition von ÖVP und Grünen unter Kanzler Sebastian Kurz mit Vize Werner Kogler angelobt. Ihr Regierungsprogramm verspricht  
  • im Gegensatz zu ÖVP/FPÖ Medienfreiheit und Unabhängigkeit zu als medienpolitische Leitprinzipien,
  • einen "unabhängig finanzierten ORF", gesetzlich zur Zusammenarbeit mit Privaten verpflichtet und mit für die Öffentlichkeit zugänglichem Archiv,
  • einklagbares Recht auf "Informationsfreiheit" statt Amtsgeheimnis und Amtsverschwiegenheit,
  • die "Marke" Wiener Zeitung ohne Pflichtveröffentlichungen in Papierform,
  • eine "Überprüfung" und Angleichung von Medienförderungen, einen Medienfonds und eine Startup-Initiative,
  • Maßnahmen gegen Hass und Desinformation im Netz,
  • höhere Strafen für Medien, die Identität und Privatsphäre von Opfern missachten
Bundeskanzler Sebastian Kurz übernimmt 2020 selbst das Medienressort (zuvor bei Kanzleramtsminister Gernot Blümel), und "Kanzlerbeauftragter" für Medienpolitik wird just Kurz' Kommunikator Gerald Fleischmann, die personifizierte "Message Control" der ÖVP/FPÖ-Regierung. Der bisherige Medienminister wird Finanzminister – Vorgänger Hartwig Löger war in dem Job der Biggest Spender bei öffentlichen Inseraten in der Regierung ÖVP/FPÖ. Medientransparenz

ORF-Budget für 2020 fixiert: Mehr GIS-Gebühren, weniger Werbung
Der ORF-Stiftungsrat genehmigte am 12. Dezember 2019 den Finanzplan des größten österreichischen Medienkonzerns für 2020. Der ORF plant mit
  • 977,6 Millionen Euro Umsatz (2019 geplant: 991,1 Millionen Euro). Dieser Wert bezieht sich auf den ORF als Einzelunternehmen ohne Töchter, als Konzern kommt der ORF auf ein Stück mehr als eine Milliarde Euro.
  • GIS-Gebühren sollen davon 647,1 Millionen Euro einspielen (2019 geplant: 638,6 Millionen; Stand Dezember für 2019 erwartet: 643 Millionen).
  • Werbung (TV, Radio, Online ohne Sonderwerbeformen) soll 2020 noch 210,8 Millionen Euro beitragen (2019 geplant: 226,7 Millionen, Stand Dezember für 2019 erwartet: 218 Millionen).
  • Sonstige Erlöse sollen 2020 119,6 Millionen ausmachen, 2019 waren noch 127,5 Millionen geplant. Das können etwa Sonderwerbeformen sein (2018 zum Beispiel 39,6 Millionen Euro, davon 27,2 Millionen im TV und 12,4 im Radio; Programmverwertung, Koproduktionen, Lizenzen, Smartcard-Einnahmen, Erlöse des RSO, für technische Dienstleistungen, aber auch Förderungen zu Produktionskostenzuschüsse und Verkaufserlöse.
  • Das operative Ergebnis soll 2020 bei 0,2 Millionen Euro zu liegen kommen, mit Sonderausschüttungen aus Tochergesellschaften und dem Verkaufserlös eines Wohnhauses des ORF in der Argentinierstraße (schräg gegenüber des Funkhauses, Elmar Oberhauser hattte bis zu seinem Abgang etwa dort eine Unterkunft, Dominic Heizl hatte dort sein Chili-Studio) beträgt das Ergebnis vor Steuern 2020 laut Plan 15,8 Millionen Euro. Die Mittel sollen ins Eigenkapital fließen, die Eigenkapitalquote auf 17,2 Prozent steigen. 2016 lag sie bei 12 Prozent, 2019 sollte sie auf 15,3 Prozent steigen.
  • Personal Der ORF plant 2020 nach ORF-Angaben mit einem weiter reduzierten Personalstand von 3195 Vollzeit-Kräften. Offenbar eine andere Kalkulation als mir zugängliche Werte im Finanzplan 2019 – dort standen 3057 Vollzeitkräfte im ORF sowie 869 in voll konsolidierten Tochterunternehemn.
 

ORF-Chef Wrabetz rührt in roten und türkisen Revieren um: ORF-1-Info, ORF-Technik, Sozialplan
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kommt vor dem ORF-Stiftungsrat am 12. Dezember 2019 organisatorisch in Fahrt, womöglich etwas genervt oder auch nur motiviert von unaufhörlichen Spar-Aufforderungen des bürgerlichen Fraktionsführers im Stiftungsrat, Thomas Zach, und für seine Verhältnisse recht überraschend.
  • Wrabetz kündigt in der Nacht auf 9. Dezember per Mail an, er werde einen wesentlichen Teil der gerade erst abgespaltenen ORF-1-Information von Lisa Totzauer wieder ORF 2 zuordnen (im Finanzausschuss am 9. Dezember präzisiert er: die Nachrichtensendungen, ORF 1 behalte seinen eigenen Chefredakteur Wolfgang Geier). Vielleicht auch eine Reaktion auf Totzauers Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten am 28. November 2019, in dem sie Kaufserien die Schuld an der Quotenentwicklung von ORF 1 zumaß. Diese Altlasten wie in der "Mitterndorfer Senke" zögen den Sender "wie eine Mure in die Tiefe".
  • Wrabetz unterstellt das wirtschaftliche Herzstück der roten ORF-Technik (auch) seinem Standort-Projektmanager, ORF-Multifunktionär und Vertrauten Pius Strobl, bis das Bauprojekt Küniglberg fertig ist. Bisher kooperierte die ORF-Technik bei dem Vielmillionenprojekt mit Technik-Investments in hoher zweistelliger Millionenhöhe nicht im erwarteten Tempo.
  • Der ORF bekommt seinen ersten Sozialplan, der eine zweistellige Zahl von Mitarbeitern im Radio und im Fernsehen um die 60 zusätzlich motivieren soll, sich Richtung Pension zu verabschieden. Die beiden Bereiche verfehlen sonst ihre Personalsparvorgaben.

Brunhofers ORF-Klage endet mit Vergleich
Im November 2019 endet ein recht spektakuläres Verfahren von Roland Brunhofer gegen den ORF – weil der ihm keinen aus seiner Sicht passenden Job geben will. Channel Manager von ORF 2 wurde er 2018 nicht, weil ORF-General Alexander Wrabetz unter ÖVP/FPÖ andere passender erschienen. Wrabetz motiviert Brunhofer, sich als TV-Unterhaltungschef zu bewerben – und vergibt den ausgeschriebnenen Job dann doch nicht. Die Medienbehörde KommAustria wies Brunhofers Beschwerde gegen parteipolitisch motivierte (Nicht-)Bestellung Anfang November 2019 ab. Der Vergleich Ende November 2019 räumt ihm die Leitung von "Regionalisierungs- und Innovationsprojekten" ein und garantiert ihm seinen ORF-Job bis Ende 2021 (das Ende der aktuellen Geschäftsführungsperiode). 2016 bewarb sich Brunhofer aus Protest gegen seine Ablöse als ORF-Landesdirektor in Salzburg (nach dem Wechsel des Landeshauptmanns von SPÖ zu ÖVP) gleich für alle Landes- und Zentraldirektorenposten.

ORF verlängert Skirechte für Auslandsbewerbe bis 2016
Im Oktober 2019 verlängert der ORF seine Verträge mit der Agentur Infront über die Auslands-Skirechte (alpin, nordisch, Snowboard) bis 2026 – ausgenommen die Bewerbe des Schweizer Skiverbands, mit dem der ORF einen gesonderten Vertrag hat. Und ausgenommen die ÖSV-Rechte für die (quotenstärksten) Bewerbe im Inland. Dieser Vertrag des ORF läuft noch bis Ende 2022. Die höchsten Ski-Quoten 2018/19: 1,8 Millionen Menschen sahen im Schnitt den Herren-Slalom in Schladming (2. Durchgang), 1,4 Millionen den Herren-Slalom in Kitzbühel (2. Durchgang), 1,26 Millionen den Super-G der Herren in Kitzbühel, 1,18 den Slalom in Wengen und 1,16 Millionen die Abfahrt in Kitzbühel.

Für Marcel Hirschers Rücktrittserklärung verschiebt der ORF seine Konfrontation zur Nationalratswahl
Ausnahme-Skistar Marcel Hirscher verkündet am 4. September 2019 zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr seinen Abschied vom aktiven Sportlerdasein – just an diesem Abend hat der ORF eine von drei Speed-Debating-Runden der Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl angesetzt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk entscheidet sich nach Quote und Politik: Damit die Parteichefs nicht gegen den Mann antreten müssen, der auf Skiern schon alle hinter sich gelassen hat, verschiebt der ORF die Konfrontationen um 50 Minuten auf 21.05 Uhr. Und handelt sich damit einige Kritik ein.

Gerhard Weis, ORF-General von 1998 bis 2001, ist tot
Der langjährige ORF-Manager und -Taktiker Gerhard Weis (* 1. Oktober 1938) stirbt am 26. Juli 2019 nach kurzer, schwerer Krankheit, wie die Familie verlauten ließ. Der bürgerliche Zeitungsjournalis Weis kam 1967 mit Gerd Bacher in den ORF. Kommunikationschef Weis geht für den ORF in jene Reformarbeitsgruppe von Kanzler Bruno Kreisky (SPÖ) für ein neues ORF-Gesetz, mit dem Kreisky Bacher 1974 von der ORF-Spitze entfernt; Weis wird Intendant von FS1. Bacher kehrt 1978 zurück, Weis wird wieder Öffentlichkeitsarbeiter und Unternehmensplaner, dann Chefredakteur in der ORF-Generalintendanz - da entstehen 3sat und Teletext. Ab 1992 macht ihn Bacher zum Wiener Landesintendanten, wo er Radio Wien auf die Privatfunkkonkurrenz vorbereiten soll. Sozialdemokrat Gerhard Zeiler wird 1994 ORF-Chef, und Weis Radio-Intendant und ab 1997 zudem ORF-Generalsekretär, eine Schlüsselfunktion im Beziehungsleben von ORF und Politik. Als sich Zeiler 1998 an die RTL-Spitze verabschiedet, wird Weis ORF-General - als Kandidat der SPÖ gegen den ÖVP-Kandidaten und bisherigen Finanzdirektor Peter Radel. Wolfgang Schüssel wird 2000 mit der FPÖ Kanzler und serviert Weis mit dem nächsten ORF-Gesetz von 2001 ab - das wiederum Monika Lindner an die Spitze des Rundfunks bringt. Weis macht 1998 einen roten ORF-Stiftungsrat (der ihn gewählt hat) zum Finanzdirektor, der Polittaktik nicht erst von Weis lernen muss, und der den ORF die nächsten zwei Jahrzehnte prägen wird: Alexander Wrabetz, längstdienender ORF-Chef aller Zeiten - zur DIEMEDIEN.bio über Wrabetz geht es unter diesem Link.

Ibizagate: Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition, Neuwahlen – und ein aufatmender ORF-General
Heinz-Christian Strache tritt am 18. Mai 2019 als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück und Kanzler Sebastian Kurz beendet die Koalition einen Tag nach Bekanntwerden des 2017 heimlich aufgenommenen Videos, in dem die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge für die Übernahme und FP-freundliche Ausrichtung der Krone in Aussicht stellen, und am besten dazu einen ORF-Sender. Die türkis-blaue Regierung zerbröselt. – Alexander Wrabetz bleibt also noch länger ORF-Generaldirektor. Mit der ÖVP-FPÖ-Regierung fällt auch der Plan für ein neues ORF-Gesetz noch 2019.

FPÖ-Manager Vilimsky droht Armin Wolf bei Liveinterview mit „Konsequenzen“
Armin Wolfs Interview mit FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky geht in die Geschichte blauer Attacken auf den ORF und seine Journalisten während der ersten türkisblauen ÖVP-FPÖ-Koalition 2017 bis 2019 ein. Wolf stellt im Gespräch eine Karikatur der steirischen Parteijugend einer antisemitischen Karikatur des NS-Organs Stürmer gegenüber, um stilistische Parallelen in der Darstellung von einerseits Muslimen, anderseits Juden aufzuzeigen. "Das ist etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann", erklärt Vilimsky am 23. April 2019 in der ZiB 2. Und löst damit wieder eine jener Debatten über die Regierung und den ORF aus, in denen die ÖVP ihren weit gediehenen Entwurf für ein neues ORF-Gesetz lieber noch ein bisschen in der Schublade lässt. Knapp ein Monat später veröffentlichen Spiegel und Süddeutsche Zeitung das Ibiza-Video  und Sebastian Kurz (ÖVP) kündigt die Koalition auf. ORF-General Alexander Wrabetz rechnete mit dem Entwurf zum ORF-Gesetz in der darauffolgenden Woche, wird er später erzählen. Am 11. Oktober wird sich Armin Wolf bei Harald Vilimsky bedanken, das Interview habe Konseqenzen gehabt: Den "Prix Europa" als "Europäischer Journalist des Jahres", den Wolf an diesem Abend in Potsdam entgegennimmt, eine Auszeichnung des Europäischen Kulturinstituts, der EU-Kommission und von 25 Rundfunkanstalten.

ZiB: Neuer zentraler Sendungschef für die ORF-Fernsehnachrichten
ORF-Chef Alexander Wrabetz installiert einen gemeinsamen Sendungsverantwortlichen für alle ZiBs in ORF 2 mit Ausnahme der ZiB 2. Die bisher 2 Sendungschefs (Tag und Zeit im Bild) wurden 2018 ins Channel Management von ORF 1 beziehungsweise ORF 2 versetzt. Der neue Chef der ORF-Nachrichten unter dem neuen Chefredakteur Matthias Schrom: Christian Braun-Staudinger, bisher einer der Chefs vom Dienst und Außenpolitikredakteur.

Richard Grasl in der Kurier-Chefredaktion
Richard Grasl, 2016 an Alexander Wrabetz gescheiterter, von ÖVP und FPÖ unterstützter Bewerber für den Job des ORF-Generals, wird, umständehalber doch etwas überraschend, im November als neues Mitglied der Kurier-Chefredaktion, Digital- und Onlinechef kommuniziert.

Saisonauftakt Bundesliga und Champions League bei Sky (und Dazn)
Der ORF wird 2018 unfreiwillig ein gutes Stück unsportlicher: Die Livespiele der österreichischen Fußballbundesliga gehen ab 2018/19 – bis auf vier pro Saison sowie Highlightshows – komplett und exklusiv für zumindest vier Jahre an Sky. Der ORF bekommt Highlightshows, auf Sky (3) und A1.TV (1) laufen die letzten 4 Livespiele im Free-TV. Und die Rechte an der Champions League holten sich Sky und Dazn.

ZiB 2 verliert Sendungschef an den Report
Wolfgang Wagner, seit gut einem Jahrzehnt Rückgrat der von der Politik meistkritisierten ORF-Infosendung, wird Sendungschef des Politikmagazins Report; die ZiB 2 damit zum nächsten Umbauobjekt. Doch sie bleibt, was sie ist, und bekommt den bisherigen ZiB-Wirtschaftschef Christoph Varga als neuen Redaktionsleiter.

Neue, passende Chefs und Chefredakteure fürs ORF-Fernsehen bestellt
ORF-General Alexander Wrabetz bestellt nach rund einem Jahrzehnt Debatte darüber die - seit Regierungsantritt im November 2017 - Fixstarter zu Channel Managern und Chefredakteuren: Lisa Totzauer und Wolfgang Geier für ORF 1, Alexander Hofer und Matthias Schrom-Kux für ORF 2. TV-Chefredakteur (und Sozialdemokrat) Fritz Dittlbacher hat mit der neuen Struktur keinen Job mehr.

Norbert Steger (FPÖ) wird gemäß Regierungsdeal Stiftungsratschef
Der frühere FPÖ-Chef, Vizekanzler und Rechtsanwalt Norbert Steger wird nach einer kleinen Abkühlphase öffentlicher Zurückhaltung Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats, des zentralen ORF-Entscheidungsgremiums. Nun 15 ÖVP-nahe, 8 FPÖ-nahe, ein unabhängiger Katholikenvertreter und der Stiftungsrat des rot-blauen Burgenland wählen ihn. Franz Medwenitsch (ÖVP) wird einstimmig zum Vize wiederbestellt.

ÖVP-FPÖ-Mehrheit im Stiftungsrat, erste Etappe
Die neue türkisblaue Regierung entsendet ihre neun Stiftungsräte in den ORF (4 ÖVP wie bisher, den bürgerlichen Kirchenmann Alfred Trendl plus 4 FPÖ), dazu sechs Parteienvertreter, davon nun zwei aus der ÖVP. Türkis-Blau hat damit die Mehrheit im wichtigsten ORF-Gremium. Bis Mai 2018 werden die Gremien komplett neu besetzt, dann wird daraus eine Zweidrittelmehrheit.

ORF-General Wrabetz fordert Bekenntnis der Regierung zu starkem ORF – und tauscht Personal
Ungewöhnlich bestimmt tritt ORF-Generaldirektor im APA-Interview auf. Er kritisiert scharf die freiheitlichen Angriffe und fordert ein Bekenntnis der Regierung zu einem starken ORF. Bei der Teilung der TV-Information auf zwei Chefredakteure bleibt er tags darauf in der Redakteursversammlung, die per Resolution vor "Erpressbarkeit" des Generals dadurch warnt.

ORF Tirol schneidet die FPÖ
Eine Landtags-Wahlkampfreportage des ORF Tirol zeigt am 9. Februar 2018 FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger, der andächtig nickend einem 86jährigen beim Schwadronieren über "stinkende Juden" und "Zucht und Ordnung in der HJ" zuhört. Dass Abwerzger dem Mann erklärt, das solle man nicht sagen, zeigt Tirol heute in dem Beitrag nicht. Und wieder ein Angriffspunkt. Die Chefredakteurin des Landesstudios geht bald danach.

FPÖ erklärt Ende der „Zwangsgebühren“ zum großen Ziel
Die ZiB erwähnte Verkehrsminister Norbert Hofer nicht in ihrem Bericht zu einem Münchner Transitgipfel. Hofer nimmt das zum Anlass, seine Ablehnung der GIS kundzutun. FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache erklärt ihre Abschaffung gleich zum "großen Ziel" seiner Regierungstätigkeit.

Erste Rücktrittsforderung der FPÖ an ORF-Chefredakteur
Hans Jörg Jenewein, nun Mediensprecher der FPÖ nach Herbert Kickl, beginnt, sich per OTS auf den ORF einzuschießen. Weil die ZiB am 21. Jänner eine überholte Meldung über die Anklage gegen einen FPÖ-Politiker brachte, solle TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher zurücktreten. Es werden noch viele Aussendungen folgen. Und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird Dittlbachers Job als TV-Chefredakteur wenige Monate später, mit Mai 2018, abschaffen - und ihn durch zwei Chefredakteure ersetzen. Auf den einen baut die ÖVP, auf den anderen die FPÖ: Wolfgang Geier (ORF 1) und Matthias Schrom-Kux (ORF 2).

ÖSV-Skirechte wieder beim ORF
ÖSV und ORF tun kund, dass die für den ORF spielentscheidenden Wintersport-Fernsehrechte "zumindest" weitere drei Saisonen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk liegen. ÖSV-Bewerbe in Ski alpin (wie zum Beispiel Sölden, Kitzbühel, Flachau und Schladming), Ski nordisch (etwa das Neujahrsspringen), Snowboard und Freestyle (etwa vom Kreischberg). Die Wintersportrechte sollen vier Pakete umfassen, ohne Auslandsrechte sollen dafür nach einer (üblicherweise verlässlichen, hier aber nicht ganz sicheren) Quelle rund 9 Millionen Euro pro Saison anfallen. Nach meinen Infos hat der ORF die Rechte an den Auslandsrennen bis 2021 und jene an Inlandsrennen bis 2022.

ORF-Vorabend macht mobil – und fährt die Marktanteile in der Graben
Damit sich Roland Brunhofers Entwicklung Guten Morgen Österreich mit ihrem mobilen Studio einfacher rechnen lässt, bekommt Brunhofer auch Heute Leben am Vorabend und verlegt auch die Sendung ins mobile Studios. Dieses Daheim in Österreich bleibt nicht nur unter den Erwartungen, sondern auch 4,  5 und mehr Marktanteilsprozentpunkte unter der Vorgängersendung. Und wird Ende 2018 auch schon wieder demobilisiert – und Anfang 2019 durch Studio 2 ersetzt.

GIS-Gebühr für den ORF steigt um 6,5 Prozent
Das Programmentgelt für den ORF steigt ab April um 6,5 Prozent, die erste Erhöhung seit fünf Jahren. Der ORF beantragte ursprünglich 7,7 Prozent mehr, musste es aber unter dem Druck von SPÖ und ÖVP etwas billiger geben. Die für die Prüfung zuständige Medienbehörde bezweifelt, ob die Erhöhung für fünf Jahre reicht. ORF-Chef Alexander Wrabetz verspricht, über die nächsten fünf Jahre 300 Millionen und 300 Jobs einzusparen.

Alexander Wrabetz‘ dritte Amtszeit als ORF-General beginnt
Mit dem 1. Jänner 2017 beginnt Alexander Wrabetz dritte Amtszeit als Generaldirektor des ORF – das hat vor ihm in Serie noch niemand geschafft. Für fünf Jahre bis Ende 2021 sind er und sein Führungsteam (Kathrin Zechner (Programm), Monika Eigensperger (Radio), Andreas Nadler (Finanzen), Michael Götzhaber (Technik) bestellt. Die ÖVP-FPÖ-Regierung ab Dezember und ihr geplantes ORF-Gesetz wollen die Funktionsperiode verkürzen – in der Erstauflage ihrer Koalition unter Sebastian Kurz schaffen sie das allerdings nicht bis "Ibizagate" am 17. Mai 2019.
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