Die Geschichte der Kronen Zeitung ist eine Geschichte des Krieges. Eine Geschichte der Eroberung, der Unterwerfung und Übernahme, der Kriegslist und meist sehr grober Klingen – wenn nicht gerade Keulen geschwungen wurden. Vieler Kriege nach außen. Und unaufhörlicher Kriege im Inneren. Die Geschichte der Krone ist auch eine Geschichte des erbitterten Streits ihrer Eigentümer. Unter den Nationalsozialisten hieß die Krone übrigens Kleine Wiener Kriegszeitung. Bevor es in die vielen Konfliktzonen in der Geschichte des Kleinformats geht – ein grober Überblick zur Geschichte der Zeitung und seiner Auseinandersetzungen. Er wird noch ergänzt, und eine ausführliche Darstellung der Konfliktgeschichte folgt.

Der Reihe nach: eine Chronologie

2. Jänner 1900
Gustav Davis, ehemaliger Offizier und Herausgeber der Tageszeitung Reichswehr, gründet die Illustrierte Kronen Zeitung am 2. Jänner 1900. Ein Kleinformat, das seinen kleinen monatlichen Preis – eine Krone – im Titel trug. Wenige Jahre zuvor war in der Donaumonarchie eine Sondersteuer auf Zeitungen abgeschafft worden, was den günstigen Tarif erleichterte. Furore machte das Blatt mit seiner – ihrem Titel gemäß stets reich illustrierten – Berichterstattung, etwa über den „Königsmord von Belgrad“ 1903 mit einem eigenen Reporterteam vor Ort. Gewinnspiele halfen auch im ersten Leben der Krone – sogenannte „Schatzsuche“-Gewinnspiele. Sie wurde zum auflagenstärksten Blatt der Donaumonarchie. Der junge Steirer Hans Dichand, Jahrgang 1921, will sich schon bei Davis beworben haben, der ihm zur Schriftsetzerlehre riet.
17. März 1938
Fürs deutsche Volk!“ Vier Tage nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Nazideutschland bekommt das Krone-Logo den Zusatz „Fürs deutsche Volk!“. Das vorerst letzte Exemplar der Krone erscheint am 31. August 1944.
1. September 1944
Aus der Krone wird die Kleine Wiener Kriegszeitung – zusammengelegt mit – Das Kleine Blatt, Das Kleine Volksblatt und Kleine Volks-Zeitung. Diese Kriegszeitung erscheint zum letzten Mal am 7. April 1944.
11. April 1959
Neustart Die Illustrierte Kronen Zeitung erscheint wieder. Chefredakteur: Hans Dichand, der zuvor schon mit Erfolg die Kleine Zeitung und danach den Kurier führte. Geschäftsführer: Kurt Falk, zuvor unter anderem Marketingmanager bei Persil. Die beiden halten laut Firmenbuch 50 Prozent, die andere Hälfte ein Geschäftsmann in Frankfurt. Die Startfinanzierung ermöglichte Franz Olah, Chef der roten Gewerkschaft Bau-Holz beziehungsweise des Gewerkschaftsbundes ÖGB und spätere Innenminister – je nach Quelle mit Gewerkschaftsgeld oder der Besicherung durch Kredite – mehr dazu in Krone: Geschichte des Streits (LINK).
1962
Sonntagsverkauf Als die Trafikanten (Zigaretten- und Zeitungsgeschäfte) 1962 den Sonntagsverkauf einstellten, begann die Krone, ihre Sonntagsausgabe über Selbstbedienungstische praktisch zu verschenken – man könnte von einem Vorläufer der Gratistageszeitungen sprechen. Die Krone war damit sonntags vorerst alleine an jeder Ecke auf dem Markt. Also griffen auch Bürger mangels Alternative zum „Hausmeister- und Revolverblatt“ und bauten so Standesdünkel gegen das Kleinformat ab. Erst in Kombination mit Gewinnspielen zog die Auflage an Wochentagen der hohen Sonntagsauflage nach.
2. Oktober 1962
Kleinformat, nun Alleinformat Die Krone ist nicht das einzige Kleinformat in Ostösterreich – die ÖVP-Parteizeitung Das kleine Volksblatt erscheint ebenso handlich und mit einigem Erfolg. Krone-Macher Kurt Falk überzeugt die Mitbewerber, doch gemeinsam auf ein größeres Format umzustellen und bei der Gelegenheit auch gleich den Verkaufspreis anzuheben. Falk hielt sich nicht an den vereinbarten Termin 2. Oktober 1962 – angeblich wollte die dafür gekaufte Druckmaschine nicht. Die Krone blieb klein und billig. Falk: „Der nicht ausgeführte Gedanke der Formatumstellung brachte etwa 50.000 neue Käufer und den Wechsel vom Verlust zum Gewinn.“
23. Februar 1966
Die Krone wird per einstweiliger Verfügung einem öffentlichen Verwalter unterstellt, Dichand und Falk müssen die Redaktion verlassen. „Der wahre Eigentümer und Herausgeber sei jedoch Franz Olah mit einer Beteiligung von 90 Prozent“, heißt es in dem Gerichtsentscheid. Nach 46 Stunden scheitert dieser Gewerkschaftscoup bei der Krone: Aufgrund eines falschen Firmennamens war ein nicht zuständiger Richter mit der Causa befasst. Dichand und Falk kehren zurück und schlagzeilen: „Das Recht hat gesiegt!“
22. Oktober 1967
Neuer Titel Das Kleinformat nennt sich nun nicht mehr Illustrierte Kronen-Zeitung sondern Unabhängige Kronen-Zeitung.
1967
Sieben-Tage-Woche Die Krone, bis dahin mit sechs Ausgaben von Dienstag bis Sonntag auf dem Markt, startet eine Montagsausgabe (weil Konkurrent Express mit einer seinem Auflagenschwund begegnen will.
1968
Vor dem KurierDie Krone-Auflage liegt laut Falk im Frühjahr 1968 erstmals über jener des Kurier.
16. Mai 1968
Erste Regionalausgabe: OberösterreichMit eigener Regionalredaktion und Falkschem Vertriebs- und Marketingfeuerwerk schafft die Krone in Oberösterreich schon in der Media-Analyse 1969 mehr Leser als das Landeshauptblatt Oberösterreichische Nachrichten (und alle anderen Titel im Land). Die großformatigeren Nachrichten verzichten etwa auf eine kostspielige Sonntagsausgabe.
1968 – 1972
Feindlicher Übernahmeversuch Eine Gruppe Bürgerlicher versucht, Kontrolle über die Krone zu erlangen: der ÖVP-nahe Ludwig Piatnik (aus der Spielkartendynastie), Verleger Fritz Molden, später Piatniks ebenso kreativer wie hartnäckiger Anwalt Ewald Weninger (später unter anderem für Dichand und für die Fellner tätig), und schließlich Leopold Helbich, seit Ende der 1950er-Jahre stiller Gesellschafter des Kurier. Das große Kaufen und Klagen endet am 22. Dezember mit einem Vergleich – mehr kommt dazu noch unter Krone: Geschichte des Streits – Kriminalfall Krone.
30. Jänner 1969
Der große Olah-Prozess beginnt. Der ÖGB hat ihn wegen Untreue angezeigt. Er habe (unter anderem) Gewerkschaftsgelder widerrechtlich zur Besicherung des Krone-Kredits von 1959 verwendet. Olah erklärte vor Gericht, er sei nie Eigentümer der Krone gewesen; Dichand, Falk und Strohmann Karpik bestätigten das. Olah wurde zwar zu einem Jahr Haft verurteilt, aber nicht in Sachen Krone. Das Urteil stellte in dem Punkt fest, er habe keine Gewerkschaftsgelder für deren Gründung veruntreut – den Kredit habe die Zentralsparkasse 1959 nur aufgrund Olahs Fürsprache und seines politischen Gewichts zugestanden.
29. April 1971
Konkurrent Express eingestellt Am 1. Dezember 1970 hat die SPÖ der Krone ihr von Kurt Falk sturmreif geschossenes Boulevardblatt Express verkauft. Hans Dichand und Kolumnist/Feuilletonchef Ernst Trost hätten die Zeitung gerne weitergeführt. Doch Falk stellt sie im Frühjahr 1971 ein. Ihren Namen gibt es ab 29. April nur noch kurz als Logo-Zusatz „Express vereinigt mit Kronen Zeitung“.
1. Oktober 1972
Eroberungsziel: SteiermarkDie zweite große Regionalausgabe der Krone greift die Kleine Zeitung der Styria in ihrem Kernmarkt Steiermark an. Die freilich verteidigt ihren Reichweiten-Platz im Land – bis auf wenige Jahre in den 1980ern – erfolgreich.
1. September 1974
Nächstes Angriffsziel: Salzburg Die Krone nimmt sich Salzburg mit einer eigenen Ausgabe vor und überholt dort die Salzburger Nachrichten-Reichweiten dreimal ab den 1990ern vorübergehend. Inzwischen sind die Nachrichten wieder auf Platz 1.
22. November 1974
Die Redaktion streikt, Falk geht Die beiden längst zerstrittenen Krone-Eigentümer Dichand und Falk vereinbaren 1974, dass Falk (dessen Worte:) „die Hintertreppengeschäftsführung“ aufgibt und sich per Notariatsakt operativ nicht mehr einmischt, solange Auflage und Gewinne nicht markant sinken. Tun sie nicht, im Gegenteil.
6. November 1983
Eroberungsziel: Kärnten In Kärnten beginnt die Krone einen „Blitzkrieg“ (der damalige Krone-Geschäftsführer Peter Merkl) gegen die Kärntner Ausgabe der Kleinen Zeitung, damals gemanaged vom späteren Styria-Vorstandschef Horst Pirker (heute: News-Gruppe). Die Krone hat die Kleine-Reichweiten dort nie überholt.
5. November 1987
WAZ an Bord Krone-Hälfteeigentümer Hans Dichand und die Funke-Gruppe (damals noch WAZ-Gruppe) unterschreiben den Einstieg der Deutschen – die zunächst offiziell 45 Prozent übernehmen und erst 1993 die vollen 50 Prozent an der Krone. Die damals vereinbarten Vorrechte der Familie Dichand und die Gewinngarantien für sie werden das Verhältnis der beiden Gesellschafter über die nächsten Jahrzehnte belasten.
24. März 1988
Funke-Gruppe steigt auch bei Konkurrent Kurier ein Der deutsche Verlagskonzern übernimmt 45 Prozent am Kurier, wichtigster Konkurrent der Krone und damals zweitgrößte Zeitung im Land.
Mai/Juni 1988
Krone und Kurier gründen den gemeinsamen Verlag Mediaprint Die beiden größten Tageszeitungen des Landes legen ihre Verlage, also Druck, Vertrieb, Anzeigen, Verwaltung, in der Mediaprint zusammen. Die Medienpolitik lässt die Megafusion geschehen, ein taugliches Kartellrecht gibt es (noch) nicht.
13. September 1992
Eroberungsziel: Tirol Salzburg als zusätzlicher Druckstandort seit 1991 (mit den Salzburger Nachrichten) ermöglicht die Regionaloffensive nach Tirol. Gegen die Moser Holding und ihre Tiroler Tageszeitung, die sich mit Billig- und Gratiszeitungen gegen den Eindringling wehrt, auch mit durchaus gefährlichen Kartellklagen.
2001
Der große Streit Funke vs. Dichand beginnt Es geht um die Nachfolgeregelung für Hans Dichand und die Eignung seines Sohnes Christoph Dichand dafür, um die Vorrechte der Dichands und Gleichberechtigung der Gesellschafter. Auf vielen Ebenen wird der Kampf ausgetragen – bis hin zu Vorwürfen von Dichands ältestem Sohn Michael über angeblich gesetzwidrige Aktivitäten der Funke-Gruppe auf dem Balkan und eines ihrer Manager. Der Streit wird sich, mit wenigen Kampfpausen, zumindest bis 2017 ziehen.
17. Juni 2010
Hans Dichand stirbt mit 89 Der Krone-Wiedergründer und langjährige Herausgeber stirbt. Er hat seinen als Chefredakteur installierten Sohn Christoph Dichand noch zum Herausgeber bestimmt. Die hunderte Millionen schwere Verlassenschaft – neben 50 Prozent an der Krone eine gewaltige Kunstsammlung, teils nicht in Österreich gelagert, und Immobilien – wird noch über viele Jahre nicht geregelt sein. Die Erben: Frau Helga und die drei Kinder Michael, Johanna und Christoph.
6. März 2017
Schiedsgericht lässt Funke-Gruppe gegen Dichands abblitzen Die deutsche Mediengruppe versuchte, die Gesellschafts- und Syndikatsverträge mit den Dichands aufzukündigen, die den Dichands millionenschwere Mindestgewinne pro Jahr auf Lebenszeit der drei Kinder von Hans Dichand garantieren. Sie binden zudem die zwei Funke-Vertreter, mit den österreichischen Krone-Gesellschaftern im Gesellschafterausschuss der Mediaprint (GAS) zu stimmen. Und die österreichischen Eigentümer bestimmen in der Redaktion – sie müssen etwa auch von der Funke-Gruppe bestimmte Co-Chefredakteure bestätigen.
1. Juli 2017
Erste Kündigungsmöglichkeit der Krone-Verträge Am 1. Juli 2017 können Gesellschafter der Krone erstmals die Gesellschafterverträge beim Kleinformat aufkündigen. Die Funke-Gruppe dürfte das tun. Womit das nächste Schiedsgericht eine Aufgabe hat.