Streit ist bei Österreichs weitaus größte Tageszeitung der Normalzustand, ein grundlegendes Bauelement, ein Wesenszug. Die Eigentümer der Krone streiten seit Jahrzehnten erbittert, auch gegen jene, die das werden wollen. Und das Kleinformat kämpft mit Konkurrenten wie Partnern.

Das Wichtigste: „Krone“-Konflikte im Überblick

  • Die Eigentümer der Kronen Zeitung – die Gründerfamilie Dichand und die deutsche Funke-Gruppe, seit Ende 2018 mit Immobilienmilliardär René Benko an Bord, – streiten seit 2001 um 1987 vereinbarte Vorrechte der Dichands: mehr als sieben Millionen garantierter Gewinn pro Jahr (zumindest solange Witwe Helga Dichand lebt), für den die Funke-Gruppe geradestehen muss, wenn die Krone sie nicht abwirft (was schon mehrfach der Fall war). Zudem haben die Dichands das Sagen in der Redaktion und beim Personal. In der Krone-Kurier-Tochter Mediaprint muss die Funke-Gruppe mit den Dichands stimmen.
  • Zehn Schiedsverfahren nach Schweizer Recht hat die Funke-Gruppe nach eigenen Angaben bis 2020 schon verloren in diesem jahrzehntelangen Streit. Im Frühjahr 2020 bestätigt das jüngste Schiedsgericht: Die Rahmenvereinbarung über die Vorrechte kann nur mit den Gesellschaftsverträgen gekündigt werden. Wer das tut, muss seine Anteile den anderen Gesellschaftern zum sehr günstigen Buchwert überlassen.
  • Funke und Benko haben angekündigt, dieses jüngste Schiedsurteil anzufechten. Benko vereinbarte 2018 mit der Funke-Gruppe den Kauf ihrer gesamten Anteile an Krone und Kurier, sobald die Vorrechte der Dichands fallen. Dann sollte auch die zweite Hälfte der 160 Millionen Euro Kaufpreis fließen.
  • Parallel kämpft die Funke-Gruppe vor ordentlichen Gerichten gegen die Dichands. Die Argumentationslinie: Die Dichands hätten nicht mehr 50, sondern 48 Prozent Stimmrechte und die Funke-Gruppe damit die beherrschende Mehrheit. Denn: Die Verträge sähen Stimmrechte (grob erklärt) nur für volle Anteilsprozente vor. Die Familie habe aber die 50 Prozent Hans Dichands 2018 auf viermal 12,5 Prozent für Helga, Michael, Johanna und Christoph Dichand aufgeteilt – und für die jeweils 0,5 Prozentpunkte stünden ihnen keine Stimmrechte zu. Die Dichands erklären dagegen, sie hätten (wegen Paragraf 80 Gesmbh-Gesetz) automatisch eine gemeinsame Gesellschaft bürgerlichen Rechts und daher Anteile wie Stimmrechte gebündelt. 2020 läuft dazu ein Verfahren vor dem Kartellgericht (Oberlandesgericht Wien), weitere Verfahren vor dem Handelsgericht Wien gegen die Ablehnung von Anträgen auf Entlassung Christoph Dichands wegen Spesenvorwürfen in einer Gesellschafterversammlung 2019.
  • Kampf der Gesellschafter und solcher, die es werden wollen, hat Tradition bei der Krone.
  • 1966 versuchte die SPÖ die Kronen Zeitung unter ihre Kontrolle zu bringen. Gewerkschafter und SPÖ-Politiker Franz Olah ermöglichte die Wiedergründung des Kleinformats 1959, indem er Kredite mit Gewerkschaftsvermögen besicherte. Er dürfte auch (über Treuhänder) Anteile besessen haben. Die Partei beansprucht diese, scheitertert aber vor Gericht.
  • 1970 versucht Kurier-Miteigentümer und ÖVP-Politiker Leopold Helbich mit anderen Unternehmern, Anteile von Olah beziehungsweise dessen Treuhänder zu übernehmen. Krone-Geschäftsführer und Gesellschafter Kurt Falk vereitelt das – mit auch rechtlich gewagten Manövern (siehe Kriminalfall Krone).
  • 1974 eskaliert der Streit zwischen den Eigenümern Hans Dichand und Kurt Falk mit einem Streik für ein Redaktionsstatut. Falk zieht sich aus dem Management zurück, gründet die Ganze Woche, später täglich Alles gegen die Krone. 1986 schlägt Falk eine wechselseitige Kaufmöglichkeit vor, Auslöser ein Rechtsstreit um die Ganze Woche und ihre TV-Beilage. Die Funke-Gruppe (damals noch WAZ-Gruppe) übernimmt Falks Anteile 1987.
  • 1988 steigt die Funke-Gruppe auch beim Erzfeind der Krone ein, der damals zweitgrößten Tageszeitung Kurier. Der spektakuläre Deal vereint die jahrzehntelangen Konkurrenten in einem gemeinsamen Verlag, der Mediaprint. Dort streiten vor allem die Dichands (Krone) und Raiffeisen (Kurier) seither um Gewinnanteile (bis auf ein paar Jahre Ausnahmeregelung: 70 zu 30 Prozent) für die beiden Blätter, um Redaktionsagenden und Sparnotwendigkeiten (beim jeweils anderen), um Preiserhöhungen und um Projekte wie die gemeinsame Gratiszeitung U‑Express, ein Vorläufer von Heute, entworfen von Hans Dichand und als eine Gemeinheit im Clinch 2004 eingestellt von Funke und Raiffeisen.
  • Ende 2018 holt die Funke-Gruppe Immobilienmilliardär René Benko an Bord. Der für sehr entschlossenes unternehmerisches Handeln in spektakulären Dimensionen bekannte Tycoon soll ihre Anteile übernehmen. Er ist das neue Feindbild, der neue Herausforderer der Dichands.
  • Auch der Familie Dichand wird nicht nur Harmonie nachgesagt. Witwe Helga Dichand und dem jüngsten Sohn Christoph Dichand wird, grob gesagt, mehr Verbundenheit mit der Krone nachgesagt als Christophs Geschwistern Michael und Johanna. Das Erbverfahren nach dem Tod von Hans Dichand am 17. Juni 2010 zog sich immerhin bis 2018 – wohl auch wegen der gewaltigen und nicht nur im Land befindlichen Kunstsammlung.

Im Bezahlteil erkläre ich den großen Kampf Dichand/Funke/Benko, seine Hintergründe, seine vielen Kampffelder und Konfliktlinien. Die ewigen Auseinandersetzungen zwischen Krone/Dichand und Kurierin der Mediaprint. Mögliche Konfliktlinien in der Familie Dichand. Und die vielen historischen Kämpfe und Schlachten um die Kronen Zeitung.

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