Was sich im und um den ORF herum so tut: ein rascher Überblick. Unten noch eine Timeline mit mehr Einzelfällen aus dem Umgang von ÖVP und FPÖ mit Medien.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Youtube, Netflix, Amazon bei jungem Publikum vor klassischem TV
Die Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen Videoportale häufiger und länger als Fernsehen (einschließlich zeitversetzte Nutzung): Die ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation 2019, veröffentlicht im September 2019, deckt sich grob mit den Ergebnissen der österreichischen Bewegtbildstudie von RTR und TV-Veranstaltern vom Frühjahr 2019 mit 4000 Befragten. In Deutschland geben – bei insgesamt 2000 Befragten – 51 Prozent der unter 30jährigen an, sie haben am Vortag Filme oder Videos über das Internet gesehen, 47 Prozent nutzten TV-Angebote (auch zeitversetzt). In Österreich liegt bei Onlinevideoportalen Youtube deutlich vorne. In Deutschland haben 36 Prozent der Menschen zwischen 14 und 29 am Vortag Streamingplattformen wie Amazon Prime und Netflix genutzt und 22 Prozent Youtube und andere Videoportale. Von 151 Minuten, die junge Menschen unter 30 am Vortag für Video nutzten, gingen 68 ans klassische Fernsehen (inklusive zeitversetzte Nutzung), 81 an Film/Video online. 51 Minuten davon widmeten sie Streamingdiensten wie Netflix, 27 Videoportalen wie Youtube, 3 Prozent Newsportalen und Facebook.

TV-Marktanteile: Servus TV zieht im August 2019 gleich mit ATV und Puls 4
Dietrich Mateschitz' Red-Bull-Kanal Servus TV holt im August 2019 erstmals die österreischen Privatsender der ProSiebenSat1Puls4-Gruppe ein: 3,4 Prozent Marktanteil (nach 2,4 im August 2019 und 3 im Juli) schaffte der Sender vor allem dank Sport: MotoGP in Spielberg brachte den besten Sendungsmarktanteil in der Geschichte, ATP-Tennis mit Dominic Thiem aus Kitzbühel und ein Testspiel von Red Bull Salzburg gegen Real Madrid stützten die Quote ebenfalls. Das könnte Appetit auf mehr machen: Ende 2020 läuft der ORF-Vertrag mit der Formel 1 ab, in den Jahren danach die mit dem ÖSV vereinbarten Skirechte (Ende 2021 die Auslandsbewerbe, Ende 2022 die Inlandsbewerbe). In der Werbezielgruppe (12 bis 49 Jahre) steht es im Privatfunk im August 2019: 4,9 Prozent für Puls 4, 4,8 Prozent für ATV, 3 Prozent für das älter programmierte Servus TV.

Gerhard Weis, ORF-General von 1998 bis 2001, ist tot
Der langjährige ORF-Manager und -Taktiker Gerhard Weis (* 1. Oktober 1938) stirbt am 26. Juli 2019 nach kurzer, schwerer Krankheit, wie die Familie verlauten ließ. Der bürgerliche Zeitungsjournalis Weis kam 1967 mit Gerd Bacher in den ORF. Kommunikationschef Weis geht für den ORF in jene Reformarbeitsgruppe von Kanzler Bruno Kreisky (SPÖ) für ein neues ORF-Gesetz, mit dem Kreisky Bacher 1974 von der ORF-Spitze entfernt; Weis wird Intendant von FS1. Bacher kehrt 1978 zurück, Weis wird wieder Öffentlichkeitsarbeiter und Unternehmensplaner, dann Chefredakteur in der ORF-Generalintendanz - da entstehen 3sat und Teletext. Ab 1992 macht ihn Bacher zum Wiener Landesintendanten, wo er Radio Wien auf die Privatfunkkonkurrenz vorbereiten soll. Sozialdemokrat Gerhard Zeiler wird 1994 ORF-Chef, und Weis Radio-Intendant und ab 1997 zudem ORF-Generalsekretär, eine Schlüsselfunktion im Beziehungsleben von ORF und Politik. Als sich Zeiler 1998 an die RTL-Spitze verabschiedet, wird Weis ORF-General - als Kandidat der SPÖ gegen den ÖVP-Kandidaten und bisherigen Finanzdirektor Peter Radel. Wolfgang Schüssel wird 2000 mit der FPÖ Kanzler und serviert Weis mit dem nächsten ORF-Gesetz von 2001 ab - das wiederum Monika Lindner an die Spitze des Rundfunks bringt. Weis macht 1998 einen roten ORF-Stiftungsrat (der ihn gewählt hat) zum Finanzdirektor, der Polittaktik nicht erst von Weis lernen muss, und der den ORF die nächsten zwei Jahrzehnte prägen wird: Alexander Wrabetz, längstdienender ORF-Chef aller Zeiten - zur DIEMEDIEN.bio über Wrabetz geht es unter diesem Link.

Neues STANDARD-Ranking der größten österreichischen Medienhäuser
Alle Jahre wieder stelle ich für den STANDARD eine Übersicht der größten Medienhäuser Österreichs zusammen, gereiht nach (möglichst) konsoldierten Umsätzen nach Eigenangaben, Jahresabschluss oder - wo bis zur Veröffentlichung nichts davon aufzutreiben ist - Schätzungen. Die Übersicht finden Sie, regelmäßig aktualisiert, auch auf DIEMEDIEN.at.

Kritische Burschenschafter-Doku findet doch einen ORF-Programmplatz – nach Regierungsende
Geplant war die Dokumentation über Burschenschafter eigentlich für den Jänner 2019, um den rechten WKR-Ball in der Wiener Hofburg. Allein, es mochte sich für die Doku von Ex--Report-Chef Robert Wiesner und Georg Stuhlpfarrer kein Sendeplatz finden, in der es unter anderem um Heinz-Christian Straches einschlägige Aktivitäten und Beziehungen ging. Doch Strache war mit 18. Mai und Straches Ibiza-Video nicht mehr Vizekanzler und FPÖ-Chef, und die FPÖ nicht mehr Regierungspartei. Am 10. Juli 2019 findet der ORF denn doch noch einen Platz für Männer, Macht und Mensuren um 22.30 in ORF 2.

Blauer Schraubendreher: Offene Worte, wie die FPÖ ORF-Manager sieht
FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein offenbart am 12. Juni 2019 in den Salzburger Nachrichten recht unbeschwert, wie er und wohl auch seine Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ORF sehen. Der Redakteur fragt nach Umfärbungen von rot auf blau im ORF, er verweist auf den von ÖVP und FPÖ geplanten ORF-Vorstand, in dem die FPÖ zwei von voraussichtlich vier Mandaten besetzen sollte. Jenewein: "Das wären dann zwei von 2500. Wenn die ÖVP an einer Schraube dreht, drehen sich 250 andere mit. Bei mir gäbe es dann zwei Schrauben, die ich unter Kontrolle habe." Der FPÖ-Manager äußert auch praktische Gründe, warum das Umfärben auf den unteren Ebenen auf Blau gar nicht so einfach ist. Einerseits stehe "das Redaktionsstatut über allem. Zum anderen, weil es in den Redaktionen keine freiheitlichen Journalisten gibt. Das ist ein Nachteil für die FPÖ, aber ein Vorteil, weil wir unbefangen reingehen können." Die ÖVP/FPÖ-Koalition endete knapp ein Monat davor, als bekannt wurde, wie Heinz-Christian Strache gegen Staatsaufträge mit einer vermeintlichen russischen Oligarchin die Kronen Zeitung und womöglich auch einen ORF-Sender kapern wollte.

Ibizagate: Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition, Neuwahlen – und ein aufatmender ORF-General
Heinz-Christian Strache tritt am 18. Mai 2019 als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück und Kanzler Sebastian Kurz beendet die Koalition einen Tag nach Bekanntwerden des 2017 heimlich aufgenommenen Videos, in dem die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge für die Übernahme und FP-freundliche Ausrichtung der Krone in Aussicht stellen, und am besten dazu einen ORF-Sender. Die türkis-blaue Regierung zerbröselt. – Alexander Wrabetz bleibt also noch länger ORF-Generaldirektor. Mit der ÖVP-FPÖ-Regierung fällt auch der Plan für ein neues ORF-Gesetz noch 2019.

Ibiza-Video: Strache, Gudenus wollten Russin zur Übernahme der Krone bewegen
Spiegel und Süddeutsche Zeitung veröffentlichen ein Video von FP-Chef Strache und Klubchef Johann Gudenus, in dem sie 2017 auf Ibiza einer angeblichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge versprechen, wenn sie die Krone übernimmt und vor der Wahl 2017 auf FPÖ-Kurs bringt. Die FPÖ-Politiker tappten da in eine heimlich gefilmte Falle. Am 18. Mai 2019 treten Strache und Gudenus zurück. Kanzler Sebastian Kurz verkündet das Ende von Türkis-Blau 1 und Neuwahlen.

Lisa Totzauers Reform von ORF 1 beginnt im Vorabend – bestenfalls zäh
Lisa Totzauer ist im Mai 2018 als Channel Managerin von ORF 1 mit dem durchaus fordernden Ziel angetreten, dem jüngeren Serien-, Film- und Sportsender ORF 1 österreichische, möglichst eigenproduzierte Inhalte zu verpassen. Am 8. April 2019 beginnt sie die Reform im Vorabend - mit Nachrichten und Magzin 1 um 18.10 Uhr statt Simpsons. ORF 1 verliert nun schneller Marktanteile und kann beim jüngeren Publikum die ohnehin auch schon matten Werte der gelben Familie einigermaßen halten. Ab 12. September 2019 talkt Lisa Gadenstätter jeden Donnerstag. um 21 Uhr passend zur Doku davor. Im Spätherbst soll ein von Mischa Zickler entwickeltes Quiz (unter jeweils vier Aussagen ist eine falsche, die die Kandidaten herausfinden müssen) gleich nach Magzin 1 die Quote retten. Servus TV spielt mit einigem Erfolg im Vorabend (um 19.35 gegen die Zeit im Bild Quizmaster. Der Mateschitz-Sender überlegt offenbar, auf das ORF-Quiz mit weiteren Rateformaten reagieren.

FPÖ-Wunsch, ORF-Gebühr abzuschaffen, wird mit Budget verhandelt
Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs (FPÖ) bestätigt sehr offen in der ORF-Pressestunde, dass es bei den Budgetverhandungen konkret um den "starken Wunsch" von FPÖ und ihrem Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache geht, die GIS abzuschaffen und den ORF - mit Kürzungen - aus dem Staatsbudget zu finanzieren. Die Landeshauptleute - vor allem auch der ÖVP - legen sich tags darauf dagegen entschieden quer - für sie geht es auch um Millionen-Einnahmen aus Abgaben auf die GIS.

ZiB: Neuer zentraler Sendungschef für die ORF-Fernsehnachrichten
ORF-Chef Alexander Wrabetz installiert einen gemeinsamen Sendungsverantwortlichen für alle ZiBs in ORF 2 mit Ausnahme der ZiB 2. Die bisher 2 Sendungschefs (Tag und Zeit im Bild) wurden 2018 ins Channel Management von ORF 1 beziehungsweise ORF 2 versetzt. Der neue Chef der ORF-Nachrichten unter dem neuen Chefredakteur Matthias Schrom: Christian Braun-Staudinger, bisher einer der Chefs vom Dienst und Außenpolitikredakteur.

Bundesweite Radiolizenz für Fellner-Gruppe
Familie Fellner (Mediengruppe Österreich) bekommt von der Medienbehörde KommAustria im Tausch für ihre Radiolizenzen (und einige zugekaufte von Lounge FM) eine bundesweite Radiolizenz, die zweite Kronehit (2004). Die Fellners wollen den Sender noch vor dem Sommer 2019 samt einer Reihe von Streaming-Spartenkanälen starten. Es wird – auch wegen Verkaufsverhandlungen schon vor dem Start mit der deutschen Bauer-Gruppe – dann doch 26. Oktober 2019.

ZiB 2 am Sonntag, Martin Thür moderiert
Am 13. Jänner 2019 moderiert Marthin Thür (zuletzt Addendum, davor ATV) die erste ZiB 2 am Sonntag, unmittelbar vor Im Zentrum. Erster Studiogast: Infrastrukturminister und Regierungskoordinator Norbert Hofer (FPÖ). Thür könnte auf Sicht in der bisher von Armin Wolf geprägten ZiB 2 mehr Gewicht bekommen.

Neuer Moderator für die „ZiB“
Am 12. Jänner 2019 präsentiert erstmals Johannes Marlovits zusammen mit Susanne Höggerl die Zeit im Bild um 19.30. Marlovits begann 1996 im Landesstudio Niederösterreich, er war schon Korrespondent in Washington und Berlin, Vize-Ressortleiter Chronik und Vize-Sendungschef der ZiB 2. Rainer Hazivar, seit 2014 Anchor in den ORF-Hauptnachrichten, ging zurück zum ORF-Radio.31. Dezember 2018

DIEMEDIEN.bio 2018 über ORF-General Alexander Wrabetz
Die nächste Medienbiografie auf DIEMEDIEN.at widmet sich ORF-Langzeitgeneraldirektor Alexander Wrabetz – mit einem eigenen Lexikon und einem Überblick auch der aktuellen ORF-Entwicklungen. Zur DIEMEDIEN.bio über Alexander Wrabetz geht es hier.

Eine ORF-Hauptabendshow für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)
Alexander Wrabetz organisiert für "Initiator" und Bundeskanzler Sebastian Kurz noch rasch eine Hauptabendshow über Lebensretter – Österreichs Heldinnen und Helden. Die Einsatzkräfte zeichnet der Kanzler aus, die Jury: Regierungssprecher, ORF-General, Krone-Chefredakteur. Mehr in der DIEMEDIEN.bio über Alexander Wrabetz.

Richard Grasl in der Kurier-Chefredaktion
Richard Grasl, 2016 an Alexander Wrabetz gescheiterter, von ÖVP und FPÖ unterstützter Bewerber für den Job des ORF-Generals, wird, umständehalber doch etwas überraschend, im November als neues Mitglied der Kurier-Chefredaktion, Digital- und Onlinechef kommuniziert.

ORF-Redakteure warnen vor „absichtlicher Zerstörung“ des Rundfunks
Der ORF-Redakteursausschuss veröffentlicht eine seiner bisher dramatischsten Resolutionen – sie warnt, ÖVP und FPÖ wollten den ORF "absichtlich zerstören". Resolution im Wortlaut unter diesem Link.

320.239 unterstützen Volksbegehren gegen GIS-Gebühr
Für die Abschaffung der GIS und ein Ende des Politeinflusses im ORF stimmen insgesamt 320.239. Das Volksbegehren betrieb die Christliche Partei Österreichs (CPÖ); das Ergebnis könnte – jedenfalls bei den Gebühren – ÖVP-FPÖ-Plänen für den ORF in die Hände spielen. Die Krone unterstützte das Anti-GIS-Volksbegehren massiv. Parallel erhielt das Anti-Rauch-Volksbegehren 881.569 Unterschriften und jenes für weitere Gleichstellung von Frauen 481.906. Das GIS-Begehren liegt damit (Stand Oktober 2018) auf Platz 21 der stimmenstärksten Volksbegehren in Österreich. Mehr unter Rundfunk-Volksbegehren.

Medienminister Blümel holt Autor für das ORF-Gesetz
Ab Anfang Juli 2018 hat der damalige Medienminster Gernot Blümel (ÖVP) einen kundigen Rundfunkjuristen in seinem Kabinett, um das neue ORF-Gesetz zu konzipieren: Philipp König, davor seit 2012 im ORF als Rechtsexperte tätig - beim Chefproducer (Roland Weissmann) etwa und ab 2015 beim Finanzdirektor, zunächst Richard Grasl, ab Herbst 2016 dann bei Andreas Nadler.
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