• ORF-Generalswahl, Umfrage-Affäre und Hausdurchsuchungen in Kanzleramt und bei der Mediengruppe Österreich, .... Hier finden Sie Updates aus 2021 im raschen Überblick

Das Letzte: Updates zum Ein-/Ausklappen

  • Oe24-Macher Wolfgang Fellner und sein Bruder Helmut Fellner hatten am 11. September 2018 ein "Dinner" mit Novomatic-Gründer Johann Graf und dem damaligen Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann. Worum es ging, erklärte Helmuth Fellner der Rechercheplattform Dossier laut deren Bericht so: "Bei dem Abendessen wurde Herrn Graf – sowie zahlreichen anderen wichtigen österreichischen Unternehmern auch – u. a. das Projekt oe24.tv vorgestellt." Anwalt Peter Zöchbauer, er ist für Novomatic und Fellners tätig, erklärte dazu für die Novomatic: "Novomatic wurde das Projekt oe24.tv vorgestellt.“ Und: „Novomatic ist dem Projekt aber nicht nähergetreten und folglich auch nicht (und zwar in keiner Weise) an der erwähnten Gesellschaft beteiligt. Gleiches gilt für Herrn Prof. Graf persönlich.“ Helmuth Fellner Fellner erklärte Dossier so, dass und warum sich niemand an dem Sender beteiligte: „Aufgrund der extrem erfolgreichen Entwicklung von oe24.tv war die Mediengruppe Österreich in der Lage, den Ausbau des Projekts völlig eigenständig zu finanzieren und zu entwickeln.“
  • Dossier und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) - über deren Ermitlungsakt die Rechercheplattform am 12. November 2021 berichtet - führen das auf hohe Privatrundfunkförderung für den Sender zurück. Tatsächlich erhielt Oe24 2017 noch knapp mehr als eine Million Euro aus dieser Bundesförderung, 2018 rund 1,4 Millionen; 2019 stockte der damalige Medienminister Gernot Blümel diese Förderung sehr plötzlich von 15 auf 20 Millionen auf, Oe24 bekam gut 2 Millionen (und war wieder höchstgeförderter Einzelsender. Im Corona-Jahr wurde die Förderung einmalig auf 35 Millionen aufgestockt, Oe24.TV erhielt fast 3,7 Millionen. 2021 kommt Oe24.TV auf fast 1,9 Millionen Euro - mit knapp 350.000 für die neue Zweitmarke Oe4.TV werden daraus rund 2,25 Millionen.
Im Herbst 2021 illustrieren zwei Ereignisse Österreich/Oe24-Boss Wolfgang Fellner anschaulich und öffentlich.
  1. In einem Verfahren am Straflandesgericht am 11. November 2021 erklärt Wolfgang Fellner sehr ausführlich und sehr bestimmt, was er alles "sicher nicht", "sicher nie", nie im Leben, "unter Garantie" nicht gesagt hat oder sagen würde. Auch nicht zu seiner Exmitarbeiterin Katia Wagner. Wagner hat ein Abendessen mit Fellner (eines von vielen davor und auch danach laut Fellner) und eine Autofahrt mit Fellner protokolliert – anzügliche Bemerkungen vom Vorschlag, ihr "Kleid aufzuzippen", um nach dessen Marke zu sehen, bis zur Bezeichnung als "geil", von Heirat und von Liebe ist die Rede, im Auto auch vom in den "Schwitzkasten" Nehmen. All das dementiert Fellner vor Gericht. Bis Wagners Anwalt Michael Rami erklärt, dass all diese Aussagen mit Tonaufnahmen dokumentiert sind. Fellner bekennt sich daraufhin schuldig. (Wagner hat ihn wegen übler Nachrede geklagt, als er diese Anzüglichkeien zuvor gegenüber dem Standard als frei erfunden bezeichnet hatte. Mehr zur Gerichtsverhandlung hier.) Ebenfalls potentiell illustrativ über Fellner: Zwei Tage nach dem Schuldbekenntnis vor Gericht, am 14. November 2021, legen Fellner und seine Anwälte Berufung gegen die dem Schuldbekenntnis folgende Entscheidung des Straflandesgerichts ein, das ihn zu 120.000 Euro Geldstrafe verurteilt, davon 30.000 unbedingt.
  2. Die von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft dokumentierten Chats über die sogenannte Umfrage- und Inseratenaffäre enthalten etwa diesen Dialog zwischen dem damaligen Generalsekretär des Finanzministeriums Thomas Schmid (ÖVP) und Wolfgang Fellner: Schmid: Liebe Fellners, ausgemacht war: DO: BREXIT. Sa: Maschinensteuer. So: wirtschaftskompetenz und Standort, schuldenabbau und Einsatz von Steuergeld. Erschienen ist jedoch - private Story von Schelling. Das ist eine echte Frechheit und nicht vertrauensbildend. Wir sind echt sauer!!! Mega sauer. Wolfgang Fellner: Versteh ich voll - melde mich in 30 minuten - mache jetzt volle doppelseite ueber umfrage am mittwoch. Okay? Wolfgang fellner. (27. Juni 2016). Als ein Sprecher des Finanzministeriums sich über die gute Bewertung von Minister Hartwig Löger in Österreich wundert, erklärt ihm Schmid das am 3. Februar 2018 so: Finanzminister ist Größter ÖSTERREICH Sponsor - Nach der Gemeinde Wien; Nachsatz: Glaub bloß nicht das ist die Leistung. Fellner verteidigt sich und seine Mediengruppe nach Bekanntwerden der Chats über Umfragen/Inserate und nach Hausdurchsuchungen insbesondere mit der Darstellung von Thomas Schmid als "Münchhausen" – also dem Sinnbild eines Mannes, der häufig die Unwahrheit sagt. (Dokumentation einer Reihe von Chatprotokollen etwa hier.)
In einer Verhandlung am Straflandesgericht Wien (Klage von Exmitarbeiterin Katia Wagner gegen Wolfgang Fellner wegen übler Nachrede) am 11. November 2021 spricht Wolfgang Fellner über sein Kennertum in Sachen Mode und insbesondere Chanel als Gründer der Magazine Woman und Madonna. (Wenig später beruft er gegen den folgenden Schuldspruch.) Bei der Gelegenheit erklärt Wolfgang Fellner auch, sein Bruder Helmuth Fellner sei "Vermieter des Chanel-Shops in Wien" (Adresse 2021: Tuchlauben 1, mit Blick auf den Graben) und "am Umsatz beteiligt".
Wolfgang Fellner wird am 11. November 2021 in einem Verfahren am Straflandesgericht vom Richter über sein Einkommen und seinen Besitz befragt. Fellner gibt sein monatliches Netto-Einkommen (aus all seinen Funktionen, wie er sagt) zunächst mit 16.000 Euro an, korrigiert sich aber gleich auf 12.000 Euro. Als Besitz gibt er zwei Häuser an, eines in Wien 19 und eines am Mondsee, deren Wert er angibt mit "das eine 12 Millionen, das andere 16 Millionen". Die Villa in Malibu, in der er regelmäßig Pause macht, zählt er nicht dazu (Dossier berichtete vom Ankauf über eine Offshore-Firma). Auch das ansehnliche Anwesen in Kitzbühel zählt Fellner nicht dazu, das er etwa im "Extradienst" zeigte. Und auch nicht das Anwesen auf Ibiza, an dessen Pool er 2014 noch seinen Beitrag zur "Ice Bucket Challenge" leistete. Die Frage des Richters nach Privatstiftungen verneint er ebenfalls. (Worum geht es da am Straflandesgericht? Exmitarbeiterin Katia Wagner klagte Fellner wegen übler Nachrede, weil der von ihr protokollierte, anzügliche Aussagen Fellners als "frei erfunden" bezeichnete - sie aber hat sie aufgenommen.)
Der Branchenverlag Österreichischer Wirtschaftsverlag geht mit 1. November 2021 komplett an seinen Geschäftsführer Thomas Letz (10. April 1966). Der Münchner Süddeutsche Verlag (Hüthig Fachinformationen, auch Süddeutsche Zeitung), verkauft die Anteile an dem österreichischen Verlag an Letz. Letz ist seit 2018 Geschäftsführer, zuvor war er Verlagsleiter des Standard. Der Wirtschaftsverlag gibt eine Reihe von Wirtschafts- und Branchenpublikationen heraus, etwa Die Wirtschaft, Metall, Glas, Tischler, Trafikantenzeitung. Der Wirtschaftsverlag gehörte bis Sommer 2000 zunächst ganz, dann mehrheitlich der ÖVP-Teilorganisation Wirtschaftsbund. 2000 übernahm der Süddeutsche Verlag den Wirtschaftsverlag komplett. Die Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH setzte 2020 9,1 Millionen Euro um, 2019 waren es noch 11,9 Millionen Euro. Ergebnis vor Steuern 2020: -986.000 Euro (2019: -608.000). Bilanzverlust laut Jahresabschluss 2020: -4,67 Millionen Euro, davon 3,68 Millionen Verlustvortrag aus Vorjahren.
Am 6. Oktober 2021 durchsucht die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) etwa in Bundeskanzleramt, ÖVP-Zentrale, Finanzministerium und Mediengruppe Österreich. Die WKStA ermittelt gegen Kanzler Sebastian Kurz und enge Mitarbeiter sowie Wolfgang und Helmuth Fellner. Unterlagen würden den Verdacht aufwerfen, Kurz' Vertraute hätten ab 2016 Fragen, Themen und Ergebnisse für Umfragen von Research Affairs vorgegeben oder manipuliert im Sinne von Kurz, um dessen Weg an die ÖVP-Spitze zu bereiten. In den Chats ist die Rede von "Packages" von Inseratenschaltungen des Ministeriums und Berichterstattung über die Umfragen, zudem öffentlichem Geld für die Umfragen über Scheinrechnungen.  Die Beteiligten weisen diese Vorwürfe als falsch und konstruiert zurück, die Fellners etwa hier. Für alle Betroffenen gilt ausdrücklich die Unschuldsvermutung.
  • Sebastian Kurz erklärt am 9. Oktober 2021 seinen Rücktritt als Bundeskanzler im Gefolge der Ermittlungen und auf Drängen der Grünen sowie der ÖVP-Länderchefs. Er wird fürs Erste mit 11. Oktober Klubobmann der ÖVP im Nationalrat mit Rückkehr-Ambitionen, Anfang Dezember 2021 zieht sich ganz aus der Politik zurück. Der bisherige Außenminister Alexander Schallenberg wird mit 11. Oktober 2021 Bundeskanzler.
  • Gerald Fleischmann gibt die Funktion des Medienbeauftragten des Kanzlers ebenfalls ab, Nachfolger wird Joseph Shilten Palathunkal, ab Anfang 2022 übernimmt wieder eine Medienministerin statt eines Medienbeauftragten - Susanne Raab. Auch Kanzler-Sprecher Johannes Frischmann geht ab. Kommunikationsprofi Fleischmann ist ab 1. November 2021 als Referent im ÖVP-Parlamentsklub angestellt.
Mehr etwa unter Research Affairs Fellner-Bio auf DIEMEDIEN.at FELLNER
Direktoren des ORF sind ab Jänner 2021 Stefanie Groiss-Horowitz (Programm/TV) Ingrid Thurnher (Radio) Eva Schindlauer (Finanzen) Harald Kräuter (Technik). Der Stiftungsrat bestellte sie auf Weißmanns Vorschlag am 16. September 2021 für fünf Jahre. Ebenso die Landesdirektoren ab 2022: Edgar Weinzettl (Wien, bisher Radio-Innenpolitikchef) Robert Ziegler (Niederösterrreich, bisher Chefredakteur dort) Werner Herics (Burgenland) Klaus Obereder (Oberösterreich, zuletzt Chefredakteur dort) Waltraud Langer (Salzburg, bisher TV-Magazinchefin) Gerhard Koch (Steiermark) Karin Bernhard (Kärnten) Esther Mitterstieler (Tirol, zuletzt Radio-Wirtschaftsressortleiterin) Markus Klement (Vorarlberg)  
Am 29. September 2021 beschließt die Regierung von ÖVP und Grünen in einem Ministerratsvortrag des für Medien zuständigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, dass das Bundeskanzleramt bis Jahresende einen Entwurf (oder eine Punktation) für eine Novelle zum ORF-Gesetz vorlegen soll. Das hat sich die Regierung eigentlich schon mit dem Regierungsübereinkommen von Anfang 2020 vorgenommen, der Ministerratsvortrag wird nicht wesentlich konkreter. Es geht  vor allem um mehr Möglichkeiten für den ORF im Web – mit Blick auf die geplante Streamingplattform ORF-Player. Der ORF will Formate eigens oder zuerst fürs Netz produzieren können (bisher darf er nur im Web zeigen, was im Rundfunk schon lief). Und er soll die Programme im Web länger als sieben Tage anbieten können. Eine unabhängige, nachhaltige Finanzierung (GIS) auch für den digitalen Transformationsprozess steht auch in Kurz' Ministerratsvortrag, geknüpft an "strukturelle Vorgaben". Die Presse interpretiert das im September 2021 als Gebühren auch für Streaming (Schließen der "Streaminglücke"). Tatsächlich vom ORF angekündigt ist eine Anmeldeschranke mit GIS-Nummer für einen Teil der Player-Inhalte. Den Ministerratsvortrag des Kanzlers zur geplanten ORF-Novelle finden Sie hier im Wortlaut.
Canal+ (Canal Plus) und der österreichischen Telekomkonzern A1gründen am 5. August 2021 (Firmenbuch: 17. August 2021) eine Gemeinschaftsfirma, die wesentliche Teile von dessen TV- und Streamingangebot A1 Now übernehmen soll. 51 Prozent an dieser Canal+ Austria GmbH hält die Canal + Luxembourg S.à r.l., den Rest A1. Am 10. September 2021 winkt die Bundeswettbewerbsbehörde das Gemeinschaftsunternehmen des Telekomriesen und des Streamingkonzerns nach Prüfung durch. Laut Anmeldung bei der Behörde geht es bei dem Gemeinschaftsunternehmen um "wesentliche Teile der A1now TV GmbH, die A1now TV betreffen", also das bisherige Streamingangebot von A1. Canal + gehört bereits in Österreich die Plattform HD Austria.
Roland Weißmann ist ab 1. Jänner 2022 neuer Generaldirektor des ORF nach Alexander Wrabetz, bestellt am 10. August 2021 mit 24 Stimmen im ORF-Stiftungsrat. 20 kamen von ÖVP-nahen oder ihr nicht fern stehenden unabhängigen Stiftungsräten, drei vom grünen Regierungspartner, dazu gesellte sich der freiheitliche Stiftungsratsvorsitzende Norbert Steger. Schon lange Dauergast des ORF im türkisen Freundeskreis und schon seit vielen Monaten als türkise Hoffnung auf den Generalsjob gehandelt.
Am 4. August stirbt Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda mit 62 an einer schweren Krankheit. Er hat Österreichs erstes bundesweites Privatradio ab 2003 zum wirtschaftlichen Erfolg geführt. Zum Geschäftsführer rückt Prokurist Mario Frühauf auf.
Nach einer ÖVP-kritische Titelstory von News – "So mies geht's Türkis" – hat das Finanzministerium im Juni 2021 der VGN-Magazingruppe einen Inseratenstopp in allen Titeln des Zeitschriftenkonzerns angekündigt, berichtet Verleger Horst Pirker am 17. Juni. Das Ministerium dementiert einen solchen Inseratenstopp, Pirker bleibt dabei. Und er kritisiert in Interviews, etwa im Standard, die Medien- und Inseratenpolitik der ÖVP unter Sebastian Kurz. Pirker: "Ich nenne das eine Form der Orbánisierung. Kurz versucht, alle Macht bei Türkis zu konzentrieren." Der Verleger spricht auch vom "den Versuch einer totalen Machtübernahme in diesem Land". Die Inseratenpolitik "nach Gutsherrenart" nach seinem Befund: "Bist du brav, kriegst du einen Haufen Geld, bist du nicht brav, kriegst du wenig Geld – oder eben keines mehr." Er empfiehlt eine genauere gesetzliche Regelung dieser inoffiziellen Medienförderung mit Sockelbeträgen, einem Drittel nach Reichweite, Auflage, Marktanteil und ein Drittel nach qualitativen Kriterien.
Thomas Schrems, bis 2014 Ressortleiter Österreich bei der Kronen Zeitung, macht am 9. Juni auf Facebook und danach in einem Interview mit dem Falter seinem Ärger Luft über Sebastian Kurz, dessen Öffentlichkeitsarbeit und Umgang mit Medien: "Mit dem systematischen Einlullen und Gefälligmachen von Journalisten. Mit dem alten Spiel aus Geben und Nehmen (da eine exklusive Story, dort Publicity für den aufgehenden Politikstern). Diese Art von Verhaberung, deren Früchte heute ebenfalls unter der Message-Control durch euresgleichen firmieren." Im Falter erinnert Thomas Schrems aber auch an Werner Faymann (SPÖ), der bei der Krone ein und aus ging und wie Christoph Dichand kritische Berichterstattung über die stadteigene Wiener Wohnen mit Verweis auf Inseratenbudgets gestoppt habe. Schrems erklärt sehr grundsätzlich (in der von ihm autorisierten und ergänzten Printvariante des Interviews): "Das Zusammenspiel von Boulevard und Politik in Österreich ist ein subtil gewobenes Geflecht der wechselseitigen Begünstigung, ein Sumpf aus systemischer Korruption." Dichand erklärt mir auf Anfrage, er wolle mit dem "Blödsinn" nicht behelligt werden.
Bevor Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel seine ÖSV-Führungsfunktion doch noch aufgibt, sichert sich der ORF unter Alexander Wrabetz noch einmal die wichtigsten Live-Sportrechte des Landes: Vom ÖSV veranstaltete Bewerbe im FIS-Weltcup in den Disziplinen Ski Alpin, Skispringen, Ski Nordisch und Snowboard/Freestyle bis zur Saison 2026/27, exklusiv für TV, Radio und Online. Ein Rechtepaket über Clips schon kurz nach der Live-Übertragung kaufte Sportrechte-Großeinkäufer Servus TV. Der Deal mit dem ORF wird am 31. Mai 2021 formell unterzeichnet. Über Preise schweigt man.
Heute und Heute.at treten mit 1. Mai 2021 dem österreichischen Presserat bei. Sie anerkennen damit den Ehrenkodex für die österreichische Presse und verpflichten sich, Entscheidungen des Presserats über die eigene Berichterstattung zu veröffentlichen. In der Statistik der vom Presserat festgestellten Verstöße 2020 liegt Heute mit 3 weit hinter Österreich/Oe24 mit 17 und der Krone mit 11. Die Krone beteiligt sich bisher nicht am Presserat, eines ihrer Redaktionsmitglieder entscheidet aber, entsandt von der Journalistengewerkschaft, in einem der drei Senate mit.
Servus TV setzt seine vielmillionenschwere Einkaufstour im Sportrechtemarkt spektakulär fort: Am 1. April 2021 verkündet der Sender den exklusiven Erwerb der TV-Rechte an den Fußballeuropameisterschaften 2024 und 2028 für Österreich sowie Qualifikationsspiele für diese beiden Euros sowie die Weltmeisterschaft 2026. Der bisherige Rechtehalter ORF sichert sich 42 Qualifikationsspiele und rechnet womöglich mit Sublizenzen. Geschätzter (aber von Servus TV als zu hoch eingestufter) Wert der Euros-Rechte: An die 50 Millionen Euro. Mit Champions League, Europa League, Formel 1 und Co dürften an die 100 Millionen Euro an Rechtekosten zusammenkommen.
exxpress.at, das Online-Boulevardmedium von Richard Schmitt startet am 16. März 2021, mehr unter dem Lexikonstichwort EXXPRESS.at.
Die Mediengruppe Österreich (MGÖ) klagt die Republik Österreich und vier Mitglieder der Presseförderungskommission, weil die zuständige Medienbehörde KommAustria Presseförderung für Österreich 2020 ablehnte, die vier Beiratsmitglieder haben das empfohlen. Die weisungsfrei entscheidende Medienbehörde verweist darauf, dass die Gratiszeitung Oe24 große Teile der Inhalte von Österreich übernimmt. Die beiden Titel seien also nicht getrennt zu betrachren, und nur für überwiegend verkaufte Zeitungen sehen Gesetz und Förderrichtlinien Presseförderung vor. Nach Ansicht der Mediengruppe Österreich indes sind beide Titel unabhängig von einander zu beurteilen, sie erschienen in unterschiedlichen Firmen (aus der Mediengruppe Österreich). Am 15. März 2021 verhandelt das Landesgericht für Zivilrechtssachen (Richterin: Maria Elisabeth Schrey) erstmals im Verfahren gegen die Republik, vertreten von der Finanzprokuratur des Bundes. Streitwert: gut eine Million Euro. Hier vertritt die Kanzlei Breitenfeld (Michael Breitenfeld und Michael Kröswang) die Fellner-Mediengruppe. Im Verfahren gegen Mitglieder der Presseförderungskommission die Kanzlei Böhmdorfer und Schender. Das Verfahren soll am 15. Juni 2021 mit Zeugen weitergeführt werden.
Die deutsche Mediengruppe Hubert Burda übernimmt mit 1. Februar 2021 die Marke netdoktor.at (und damit das bisher österreichische Gesundheitsportal) von den Heute-Machern Eva Dichand und Wolfgang Jansky zu einem ungenannten Kaufpreis. Dichand und ihre Pluto Privatstiftung halten laut Firmenbuch gemeinsam 64 Prozent an der Netdoktor.at GmbH, Jansky und die von ihm geführte Periodika Privatstiftung (die 50,1 Prozent am Heute-Zeitungsverlag hält) besitzen die übrigen 36 Prozent. 2016 haben Dichand und Jansky von Periodika und Pluto Privatstiftung die Onlineplattform Heute.at persönlich übernommen und kurz darauf der Schweizer TX Group (damals Tamedia) 51 Prozent sowie 25,1 Prozent an der Zeitung Heute verkauft.
Die Regierung von ÖVP und Grünen schickt die nächste Medienförderung am 28. Jänner 2021 in Begutachtung: Der neue "Fonds zur Förderung der digitalen Transformation" bringt jährlich 15 Millionen Euro Förderung für Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Monatstitel, Volksgruppentitel sowie private TV- und Radiosender, kommerzielle wie nicht kommerzielle. Schon 2020 für die Förderung gewidmete 19 Millionen werden im ersten Jahr zusätzlich ausgeschüttet, 2021 gibt es also 34 Millionen Euro. Der Geschäftsführer der RTR GmbH (Geschäftsstelle der Kommaustria, derzeit Oliver Stribl) vergibt die Förderung; die Verteilung überlässt das Gesetz großteils den Richtlinien, die sich die RTR (und damit ihr Geschäftsführer) selbst gibt. Ein Richtlinienentwurf (Stand Jänner 2021) sagt: Zwei Drittel der Förderung werden für Projekte vergeben (jeweils bis zu 750.000 Euro) - von besseren Arbeitsabläufen und Kundenakquisemodellen, die fast drei Viertel der Förderung ausmachen sollen, bis zu Datensjournalismus und Barrierefreiheit sowie Jugendschutz. Ein Drittel der jährlichen Fördersumme geht als "Basisförderung" alleine an Printmedien (samt 1 Prozent für Volksgruppenmedien). Bemessen wird sie nach Digitalumsatz (Vertrieb journalistischer Inhalte, 50 Prozent), Auflage/Reichweite (40 Prozent) und Zahl journalistischer Arbeitsplätze (nach KV, 10 Prozent). Presseförderung wird hier gegengerechnet - klingt nach einem Bonus für Gratisblätter (geplant war zunächst auch die Gegenrechnung mit Mehrwertsteuer-Reduktion 2020 für Zeitungsverkäufe, sie soll aber aus Richtlinienentwürfen gestrichen sein). Pro Medienunternehmen/verbund können bis zu 1,75 Millionen Förderung pro Jahr ausgeschüttet werden (2021 bei mehr als doppelter Gesamtförderung wohl mehr). Die EU muss die neue Förderung genehmigen; allerdings äußert sie kurz vor Ablauf der Frist im Spätsommer 2021 Bedenken etwa gegen Rundfunkförderung. Die Digitalförderung dürfte damit erst 2022 kommen.
"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk hat im Dezember 2020 von Armin Thurnher 10 Prozent der "Falter"-Anteile übertragen bekommen, mit 6. Jänner 2021 wurde der Vorgang im Firmenbuch eingetragen. Klenk hält 10 Prozent an der ST Verlagsbeteiligungsgesellschaft m.b.H., der Dachgesellschaft der Falter Zeitschriften Gesellschaft mbH, in der der "Falter" erscheint, und an der Falter Verlagsgesellschaft mbH (Buchverlag, digitale Medien Corporate Publishing). Armin Thurnhers Stiftung Atelaia behält weiterhin 27,4857 Prozent. Die Anteile der anderen Gesellschafter bleiben unverändert (die Stiftung von Siegmar Schlager 37,4857 Prozent, Hannes Pflaum und Hans-Michel Piëch je 12,5143 Prozent). "Falter"-Mitbegründer Thurnher bleibe Herausgeber und Chefredakteur. Er lässt zur Abtretung verlauten: „Damit ist meine redaktionell schon des längeren entschiedene Nachfolge nun auch gesellschaftsrechtlich verankert."

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