Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz leistet sich und Michael Fleischhacker seit 2017 eine Journalismus- und Rechercheplattform namens Addendum, die nach Stifter- und Eigendefinition "das, was fehlt," darstellen soll. Leistet sich zum Start Dutzende bekannte, bewährte und renommierte Journalisten und Experten, von denen manche/r allerdings nur wenige Wochen oder Monate bleibt. Addendum hält sich bis August 2020, verliert Mateschitz die Lust an dem Projekt.

Das Wichtigste kurz

  • Milliardär, Red-Bull- und Red Bull Media House-Gründer und Lateinliebhaber Dietrich Mateschitz ruft 2017 eine Stiftung namens Quo Vadis Veritas ins Leben und dotiert sie fürderhin – wohin gehst, du Wahrheit also, abgekürzt QVV. Er begleitet sein Projekt mit einem Wutbürger-Interview in der Kleinen Zeitung über "das Meinungsdiktat des politisch Korrekten" ein. Das erinnert einige Berichterstatter und Kommentatoren an das rechte US-Portal Breitbart und punziert das Projekt merklich. Wie Mateschitz im Interview wird sich das Portal Addendum intensiv etwa mit dem Thema Flüchtlinge und Migration auseinandersetzen.
  • Schon am 4. August 2020 macht Mateschitz wieder Schluss mit dem Projekt. Er lässt an diesem Tag verlauten, er will bei den von ihm unterstützten journalistischen Aktivitäten nun "lösungsorientierten Journalismus". Das über die drei Jahre entwickelte Qualitätsmedienprojekt mit spektakulären Recherchen vor allem im Datenjournalismus wird nach Gutsherrenart wieder eingestellt, als es im Corona-Frühjahr 2020 Publikum und Aufmerksamkeit merklich steigern konnte. 57 Mitarbeiter, darunter hochkarätiger Journalisten und Datenjournalisten, verlieren ihren Job.
  • Schon kaum ein Jahr nach dem Start von Addendum deutete einiges auf eine Entwicklung abseits der Erwartungen hin: Addendum holt Stefan Kaltenbrunner, zuletzt für zweieinhalb Jahre Onlinechefredakteur des Kurier – er könne "ein paar Sachen, die uns guttun würden", lässt Herausgeber und Geschäftsführer Fleischhacker verlauten. Die Zugriffszahlen sollen laut Mitarbeitern bis dahin eher überschaubar geblieben sein (Addendum veröffentlicht sie ebensowenig wie Details über seine Finanzierung, Infos darüber fehlen also weiterhin.)  Die Hoffnung, dass traditionelle Medien Stories übernehmen, erfüllte sich, merkbar jedenfalls, ebensowenig. Mehrere Mitarbeiter werden in der Zeit gekündigt oder gehen.  Mitarbeiter und Sitzungs-Ohrenzeugen berichten in der Zeit, Mastermind Michael Fleischhacker würde die Mannschaft und ihre Vorschläge vor der Kollegenschaft heruntermachen, womöglich auch ein Zeichen von Nervosität. Auch Kaltenbrunner ist nicht allein für wertschätzend-ruhigen Umgang mit Kollegen bekannt. User und Userinnen fragt Addendumim Sommer 2018 nach Eindrücken, Vorlieben, Wünschen, Medienkonsum, um das Angebot "zu verbessern". Parallel startet das Mateschitz-Portal unter Addex.org Addendum Express, eine Art Readers-Digest-Seite mit Kurzversionen seiner Artikel, die laut Geschäftsführer Niko Alm im Original "durchaus sperrig wirken können".
  • Ab Ende 2018 gibt die QVV auch eine Monatszeitung namens Addendum heraus, das Logo gestaltet Sagmeister & Walsh.
  • Im Mai 2020 bekommt auch das Portal mit einem Relaunch eine gediegenere Optik.
  • Die Corona-Krise 2020 bringt (auch) Addendum einen deutlichen Zugriffs-Zuwachs.
  • Bei der Finanzierung des Projekts mit immerhin rund 50 (teils recht teuren) Mitarbeitern und einem (lange, lange nicht fertig werden wollenden Büro in 1070 Wien) hilft, dass die QVV GmbH nun das wöchentliche Diskussionsformat Talk im Hangar-7 mit Moderator Fleischhacker produziert und Mateschitz' Servus TV die QVV bezahlt. Zudem liefert QVV zeitweise Servus TV wöchentliche Reportagen zu.
  • Die QVV Stiftung startete mit einem Stiftungskapital von einer Million Euro. 990.000 zahlte Dietrich Mateschitz ein, 10.000 der Red-Bull-Konzern. Branchenkenner schätzen allein die Personalkosten pro Jahr (sehr grob) auf das Fünffache.

Im Bezahlteil gibt es vorerst eine Chronik der Gründung und ersten Monate und ein paar kleine Eigenheiten.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Dietrich Mateschitz stellt Rechercheplattform „Addendum“ nach drei Jahren ein
Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz verabschiedet sich per Aussendung am 4. August 2020 von seiner Rechercheplattform Addendum, die er über seine Quo-Vadis-Veritas-Stiftung seit 2017 finanziert hat. 57 Mitarbeiter, darunter hochkarätige (vor allem auch Daten-)Journalistinnen und Journalisten, verlieren ihren Job. Addendum hat in den Corona-Monaten stark auf den regierungskritischen Mediziner Martin Sprenger gesetzt, in den Tagen vor dem Ende veröffentlichte die Plattform noch eine große und profunde Recherche über die Telegram-Aktivitäten Rechtsextremer, darunter Identitären-Chef Martin Sellner, und ihre Verbindungen zu Verschwörungstheoretikern. Daraus lassen sich Theorien zum Ende von Addendum stricken. Klar ist: Gutsherr Mateschitz hat es sich wieder einmal anders überlegt, er wünscht sich nun "lösungsorientierte Projekte jenseits der politischen Alltagsauseinandersetzungen" von den journalistischen Medienaktivitäten, die er unterstützt. Die soll nun ein neues Medienprojekt liefern, an dem ein Kernteam nach meinen Informationen schon arbeitet, als die Botschaft vom AddENDum verlautbart wird. In Stellenanzeigen werden da gerade Journalistinnen und Journalisten für Print, Online und Social Media für eine neue crossmediale Plattform gesucht, die Deutschland, Österreich und die Schweiz abdecken soll mit einem "neuen faktenbasierten Stil". Klingt stark nach Mateschitz.  Red Bull Media House Servus TV.

Delendum: „Addendum“ stellt TV-Magazin „Factum“ auf Servus TV nach vier Monaten ein
Ein Studio, eine Mannschaft - aber bei Dietrich Mateschitz geht es manchmal auch beflügelt schnell wieder dem Ende zu: Am 20. März 2019 gestartet, beendet Addendum-Chef und Präsentator Michael Fleischhacker das wöchentliche politische Magazin Factum der von ihm geführten Rechercheplattform auch schon wieder – immerhin auch im Abgang offensiv und transparent kommuniziert. Man wolle sich wieder auf die Kernaufgabe des Rechercheportals der Quo Vadis Veritas-Stiftung (Stifter: allergrößtenteils Red-Bull-Chef Mateschitz) konzentrieren - also Rechercheprojekte, und nicht TV-Magazine.

Stefan Kaltenbrunner verlässt „Addendum“ Richtung Puls 4/Puls 24
Stefan Kaltenbrunner, erst im Sommer 2018 als Online-Chefredakteur vom Kurier zu Addendum gewechselt, verlässt Dietrich Mateschitz' Rechercheplattform auch schon wieder und wird Chefredakteur Online und bald auch des Nachrichtensenders Puls 24 bei ProSiebenSat.1Puls4.

Die 100 reichsten Österreicher 2019 – mit Medien-Playern wie Mateschitz, Benko, Dichand, Falk, Taus
Die Österreichsten 2019: Das Wirtschaftsmagazin Trend reiht und taxiert, wie alle Jahre im Sommer, die 100 reichsten Menschen und Familien des Landes. Unter ihnen finden sich auch einige Schlüsselspieler der Medienbranche. Ein Überblick aus Medien-Sicht, hoffentlich einigermaßen vollständig – Anregungen immer willkommen:
  • Platz 2 mit laut Trend 15,6 Milliarden Euro: Dietrich Mateschitz. Der Dosenmilliardär leistet sich und seinem Konzern ein Red Bull Media House mit Servus TV, Redbull.com, ein Red Bulletin, Servus in Stadt und Land, eine Produktionsfirma und ein Magazin namens Terra Mater sowie eine Rechercheplattform namens Addendum.
  • Platz 8 mit 4,1 Milliarden Euro: René Benko. Der Immobilien- und Handelstycoon ist seit Ende 2018 mittelbar an Krone und Kurier beteiligt – über eine Beteiligungsgesellschaft der deutschen Funke Mediengruppe und mit der Option, die gesamten 50 Prozent an der Krone (und wohl auch der fast 50 Prozent am Kurier) von den Deutschen zu übernehmen, wenn die Vorrechte der Miteigentümer Dichand erfolgreich gekündigt sind. Im September 2019 wird mit einer Entscheidung eines Schiedsgerichts nach Schweizer Recht darüber gerechnet.
  • Platz 59 mit 680 Millionen Euro: Familie Dichand. Den Krone-Erben Helga, Michael, Johanna und Christoph Dichand gehört neben 50 Prozent an Österreichs größter Zeitung noch eine gewaltige Kunstsammlung und die eine oder andere Immobilie. Unter den Nachkommen von Hans Dichand (+2010) und Helga Dichand hat nur Christoph Dichand hat Kinder (zwei Söhne, eine Tochter) aus seiner Ehe mit Eva Dichand (Heute).
  • Platz 61 mit 400 bis 650 Millionen Euro: Noah und Samuel Falk, die Erben von Ex-Krone-Mitbegründer und Ganze Woche-Boss Kurt Falk (+2005). Noah führt die auflagenstärkste Wochenzeitung/-illustrierte ohne seinen Bruder mit Falks ehemaliger Assistentin.
  • Platz 79, ebenfalls in der Liga 400 bis 650 Millionen: Josef Taus. Der Industrielle und ehemalige ÖVP-Chef betreibt etwa die Zeitungsdruckerei Herold. Der medieninteressierte Unternehmer verhandelte etwa auch schon einmal über eine Beteiligung an Datum.
Mediale Verbindungen oder Medien-Geschichte haben auch noch ein paar andere der Österreichsten, die mir auffielen: Aus den Weiten der Familien Porsche und Piech (Platz 1 mit 37 Milliarden) kommt auch der Anwalt Hans Michel Piech, der rund 12,5 Prozent an der ST VerlagsbeteiligungsgesmbH hinter dem Falter hält. Der Bauindustrielle Hans Peter (Platz 22 mit 1,81 Milliarden) ist nicht nur wesentlicher Financier der Neos, sondern auch ihr Stiftungsrat im ORF (ab 2014 und auch 2019 noch). Immobilien- und Bank-Multimillionär Günther Kerbler (Platz 71 mit 400 bis 650 Millionen) versuchte in den 1990ern schon einmal, ein Wirtschaftsmagazin zu betreiben (New Business), er versuchte, die AZ zu retten, er half, den Falter durch gröbere Schwierigkeiten zu bringen und unterstützte ein alternatives Wiener Fernsehprojekt namens TIV.

Red Bull verkündet Aus für Red Bull Music Academy und Red Bull Radio
Ende März informiert Red Bull die Mitarbeiter seiner Red Bull Music Academy und des Red Bull Radio mit 31. Oktober 2019, am 4. April wird das vom Konzern nicht begründete Ende der 1988 gegründeten globalen Veranstaltungsreihe publik. Künstler protestierten und boykottierten die Academy und vor allem die 20-Jahr-Ausgabe in Berlin nach Dietrich Mateschitz' Wutbürger-Interview in der Kleinen Zeitung am 8. April 2017. Mehr zu Mateschitz' Aufsehen erregenden Positionen etwa zur Migrationspolitik etwa unter Addendum.

Dietrich Mateschitz Plattform Addendum startet
Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz Quo Vadis Veritas Stiftung hat ihre journalistische Plattform Addendum mit einem ersten Rechercheprojekt ("Asyl - ein überholtes Konzept?") gestartet. Die All-Stars-Crew unter Michael Fleischhacker soll nach Mateschitz Vorstellungen aufzeigen, was in traditionellen Medien "fehlt" und so "näher an die Wahrheit" kommen. Die Ankündigung der Plattform mit Mateschitz' Wutbürger-Interview über das "Meinungsdiktat des politisch Korrekten“ in der Kleine Zeitung im April hat das Projekt im öffentlichen Bild etwas vorbelastet.

Neue Zürcher Zeitung stellt ihr Bezahlportal für Österreich – NZZ.at – ein
Das von Michael Fleischhacker konzipierte, im Jänner 2015 gestartete und bis Herbst 2016 geleitete Österreich-Portal des Konzerns der Neuen Zürcher Zeitung hat seine "Ziele nicht erreicht" und wird mit Ende April 2017 eingestellt. Fleischhacker ist da schon Projektmanager für Dietrich Mateschitz' Stiftung Quo Vadis Veritas und die Plattform Addendum.

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