Phasenweise mehr als 50 recht kompliziert verschachtelte und teils auch gänzlich getrennte Firmen umfassen die Medien- und sonstigen Aktivitäten der Familie Fellner – von der Druck- bis zur Digitalgesellschaft, von der Finanzierungsfirma bis zu einer Reihe von Stiftungen. Hier versuche ich einen Überblick, Stand Jänner 2022. Weil sich das Geflecht ständig dreht und bewegt ist auch das wohl bald wieder überholt.

Das Letzte: Updates zum Ein-/Ausklappen

Die Mediengruppe Österreich (MGÖ) der Familie Fellner meldet im Dezember 2021 beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice AMS bis zu 43 Kündigungen an. Begründung: "notwendige innerbetriebliche Umstrukturierungen" und Auftragsrückgänge. Wieviele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich gekündigt werden, solle in den ersten Wochen 2022 verhandelt werden. Am 12. Jänner erklärt Herausgeber Wolfgang Fellner laut Ohrenzeugen der Belegschaft: Wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - nach der in Anspruch genommenen Corona-Kurzarbeit - für ein Jahr in Viertagewoche zu wechseln und parallel auf 20 Prozent Gehalt verzichten, dann müsse es nun keine Kündigungen geben. Manager Wolfgang Zekert hat das Modell der Viertagewoche der APA schon Ende Dezember 2021 erwähnt, nun erklärt er, der Betriebsrat habe es vorgeschlagen. Die Belegschaft lehnte die Viertagewoche mit Gehaltsverzicht am 18. Jänner 2022 laut Zekert mit großer Mehrheit ab, am 19. Jänner geht es nach seinen Worten nun an ein "Kostensenkungsprogramm" mit Kündigungen. Für die Media Content and Cityservice GmbH avisiert die Mediengruppe bis zu 18 Kündigungen in der Frühwarnung an das AMS. In der Gesellschaft ist laut Unternehmensangaben für Presseförderungsanträge 2020 die Redaktion von Österreich, nach damaligen Angaben waren dort 67 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten angestellt. Für die oe24 GmbH, die etwa das Onlinenachrichtenportal oe24.at betreibt, meldet die MGÖ bis zu 11 Kündigungen bei insgesamt 57 Beschäftigten. Bei der Mediengruppe "Österreich" GmbH, die die Tageszeitung "Österreich" und andere Printmedien herausgibt, werden bis zu 14 Kündigungen bei 74 Angestellten angekündigt.
Österreichs zweite bundesweite Privatradiolizenz (nach Kronehit 2004) wäre beinahe noch vor dem Start an den deutschen Medienkonzern Bauer gegangen und hätte zugleich eine neue Tempo-Höchstleistung der Fellner-Family beim Verkaufen von Medien bedeutet. Allein: Es wurde nichts aus dem Blitzsale noch vor dem Sendestart. Ab 26. Oktober 2019, dem Nationalfeiertag, bespielt Fellner nach eigenen Worten die nationale Lizenz"zu 100 Prozent österreichisch und zu 100 Prozent Fellner" bespielen wird. Die (laut Fellner) "Antenne Österreich Mediengruppe" werde den Sender betreiben, als Firma gibt es diese Mediengruppe bei Fellners Erklärung am 9. August 2019 (noch) nicht im Firmenbuch. Radio Austria soll das Programm für eine ältere Zielgruppe zwischen 30 und 50 heißen, es verspricht den "Sound deines Lebens" und wirbt mit "Wir lieben Österreich, wir lieben Hits". Morgen-Moderatoren: jeweils zwei Wochen Ö3-Wecker-Erfinder Rudi Klausnitzer und eine Woche Wolfgang Fellner selbst, mit Zeitung, Magazinen und Fellner Live im Fernsehen nicht ganz ausgelastet. Den Start verzögerten nicht allein die Verkaufsverhandlungen (die gaben aber den Ausschlag), sondern auch die Neuwahl des Nationalrats. Radio ist nicht gerade das Wahlwerbemedium der Wahl, und nach der Nationalratswahl sind deutlich mehr Plakatflächen zur Bewerbung frei.
Für mein STANDARD-Ranking von Österreichs größten Medienhäusern frage ich alljährlich nach den Umsätzen, Ergebnissen, Beschäftigtenzahlen der größeren Unternehmen der Branche. Nach einer Weile Stille antwortete mir Gründer, Herausgeber, Mastermind und Anchorman Wolfgang Fellner, als die Übersicht am 11. Juli 2019 gerade erschienen war. Er beziffert den nach seinen Angaben konsolidierten Gruppenumsatz der Mediengruppe Österreich 2018 mit 111,38 Millionen Euro, davon kämen 6,5 Millionen kämen von Oe24TV; Ergebnis 4,52 Millionen, Mitarbeiterstand 374. Konsolidierte Gruppenumsätze der zeitweise mehr als 50 Firmen umfassenden Medienaktivitäten der Familie Fellner sind nicht im Firmenbuch zu finden, die 4,5 Millionen Ergebnis decken sich in etwa mit dem (älteren) Jahresabschluss einer dieser Firmen, die Mediengruppe "Österreich" GmbH (Firmenbuchnummer 294478g) heißt.
Die Fellers beklagten, dass die Media-Analyse Zeitungen benachteilige, die in Print und Online unterschiedlich heißen. Ab Mitte 2018 nennen sie die Gratisausgabe nun nicht mehr Österreich, sondern Oe24 wie das Onlineportal, Radios und TV-Kanal. Damit steigen die Chancen der Kaufvariante Österreich deutlich, Presseförderung zu bekommen. 2019 lehnt die Medienbehörde der Antrag auf allgemeine und Vielfaltsförderung nur ab, weil Österreich noch kein Jahr überwiegend Kaufzeitung ist. 2020 könnte es dann soweit sein.

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