Wolfgang Fellner (* 13. Oktober 1954) hat mit 13 sein erstes Medium gegründet und seither nicht mehr aufgehört. "Österreichs manischer Medienmacher" nannte ich 2009 meine im Styria-Buchverlag erschienene Biografie über den Boulevardisten. Und da hatte er sein Fellner-Fernsehen Oe24.tv (2016) noch gar nicht gegründet, in dem er selbst laufend "Live" talkt. Von seinem bundesweiten Radio Austria (2019) nicht zu reden, wo er zu Beginn alle drei Wochen die Morningshow bestreitet. Ein Mediengeschäftsmann, stets mit der besonderen Fellner-Mischung von druckvoller Berichterstattung und Anzeigenvermarktung, Marketing und Megalomanie.

Das Wichtigste

  • Wolfgang Fellner (*13. Oktober 1954) und sein jüngerer Bruder Helmuth (*13. August 1956) haben ab 1968 und ihrem 12. Lebensjahr viele Magazine von Rennbahn Express bis News, von TV-Media bis Woman gegründet, zu Reichweiten‑, Auflagen- oder sonstigen ihrer Erfolgsparameter hochgepusht und oft verkauft. Bei der Zeitung Österreich/Oe24 (plus Oe24.at, Fernsehkanal Oe24.tv und bundesweites Radio Austria) tun sie sich merklich schwerer mit dem Erfolg. An ihrer Gründung Verlagsgruppe News – inzwischen VGN Medien Holding – halten sie noch 25 Prozent.
  • Gründungen Die Fellners gründeten (im Wesentlichen) das monatliche Jugendmagazin RennbahnExpress (1968 – Juni 2013), die Monatsillustrierte Basta (1983 – 1994), die Wochenillustrierte News (1992), das Fernsehmagazin tv-media (1995), das Privatradio Antenne Wien (1998, später Oe24 und ab 2019 Radio Austria) das Nachrichtenmagazin Format (1998 – 2015), nach der Formil-Fusion zum Wirtschaftsmagazin umgebaut, das Techmagazin e‑media (2000), die Frauenillustrierte Woman (2001), die Kauf- und vor allem Gratistageszeitung Österreich (2006), ab Mitte 2018 heißt die Gratisvariante Oe24 wie das 2006 gestartete Onlineportal zur Zeitung, der News- und Talkfernsehkanal Oe24.tv (2016), das bundesweite Radio Austria (2019), Österreichs zweites nationales Privatradio nach Kronehit.
  • Die Methoden zum Erfolg oder dessen Darstellung, man kann sie auch unter Fellnerismus zusammenfassen: massives Marketing von Abobeigaben und Gewinnspielen bis Selbstdarstellung; breitester Boulevardjournalismus bei höherer Positionierung des Mediums (das gelingt nur bis Österreich/Oe24); aggressive Vermarktung von Werbung (und Informationsbeschaffung) insbesondere bei öffentlichen Stellen mit forscher redaktioneller Unterstützung.
  • Politik und Geschäft. Die SPÖ, lange insbesondere die Wiener Sozialdemokratie, war vom Rennbahn-Express bis Österreich Schlüssel-Financier der Fellner-Medien, Fellner deklariert sich in internen Sitzungen noch 2014 laut Ohrenzeugen als „Sozialdemokrat“. Die Wiener Roten zahlen auch noch, als Fellner mehr und mehr Begeisterung für den langjährigen Social-Media-Motor FPÖ und vor allem für die ÖVP von Sebastian Kurz (ab 2017) entwickelt. Sebastian Kurz‘ ÖVP übernimmt rasch die frühere Rolle der (Bundes-)SPÖ in der Geschäftswelt der Fellners.
  • Größter Poker in 5 Jahrzehnten Medienmachen: Die Tageszeitung Österreich, das schwierigste und wackeligste Projekt. Reichweiten, Stand 2018, trotz kostenloser Verbreitung auf der Flughöhe der Kauftageszeitung Kurier.
  • Österreich/Oe24 ist mit TV-Sender (ab Herbst 2016) und Wolfgang Fellner als Anchor (Fellner Live!), mit bundesweitem Radiosender (ab Oktober 2019), mit Tageszeitung in Kaufvariante (Österreich) und Gratisvariante (ab Mitte 2018 Oe24) und Onlineplattformen (Oe24.at)das multimedialste Projekt der Fellners. Dazu kommerzielle Stützen wie Reisebüro (joe24), Ticket‑, Partner- und anderen Portalen sowie Autoverkaufsgeschäften.
  • Zwei der vier Kinder von Wolfgang Fellner mit Uschi Fellner, Niki Fellner (* 21. März 1985) und Jenny Magin-Fellner, arbeiten in leitenden Positionen in der Mediengruppe Österreich.

Mehr über die Fellners und ihre Geschäfte finden Sie derzeit unter Mediengruppe Österreich. Auch hier im Bezahlteil gibt's schon einiges über immer wiederkehrende Grundprinzipien des Fellnerismus – allerdings noch in Arbeit. Unter Rennbahn-Express finden Sie viel Lesestoff, wie diese Grundprinzipien schon im Erstlingswerk durchgeschlagen haben.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Kurier“: Nächtlicher Einsatz von Richard Grasl zu Kurz‘ Justizvorwürfen
Um 1.13 Uhr in der Nacht auf 8. Februar 2020 ging – laut APA-Datenbanken – auf kurier.at der Artikel online: "Streit um die Justiz: Wie die SPÖ ihr Personal unterbringen wollte". Untertitel: "Unterlagen belegen, dass die SPÖ schon im Jahr 1997 generalstabsmäßig ihren Einfluss bei Richtern und Staatsanwälten ausbauen wollte". Das Papier aus 1997 wird in diesen Tagen von der ÖVP vielen Redaktionen ans Herz gelegt, um die Vorwürfe von Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz in einem Hintergrundgespräch im Jänner zu untermauern, die Justiz sei von der SPÖ unterwandert und würde alleine gegen ÖVP und FPÖ vorgehen und Material aus diesen Erhebungen leaken. Das Kurier-Innenpolitikressort wollte, soweit in Erfahrung zu bringen, vor der Veröffentlichung noch recherchieren. Richard Grasl, für Web zuständiges Mitglied der Kurier-Chefredaktion, schreibt die Story spätnachts ohne Rückfragen bei Maria-Luise Nittel, die in dem Papier als Teilnehmerin einer Strategiebesprechung von SPÖ-nahen Juristen genannt wird und im Artikel als Beispiel für SPÖ-Unterwandung vorkommt. Die heutige Leiterin der Staatsanwaltschaft Wien hätte den Kurier daran erinnern können, dass der Kurier bereits 2011 nach ihrer Klage eine Gegendarstellung brachte, dass sie 1997 weder eingeladen war noch teilgenommen hat. Darauf weisen Nittel und Justizministerium den Kurier am Samstag nach der Veröffentlichung hin, der bringt aber keine Richtigstellung, sondern ergänzt nur Nittels Dementi und einen Link zur alten Gegendarstellung. Nun klagt Nittel 2020 nach eigenen Angaben ein zweites Mal den Kurier in derselben Sache. Das Justizministerium weist den Presserat auf den Kurier-Bericht und eine ähnliche Vorgangsweise bei oe24.at hin. Auch in der Presse soll die Story übrigens einen für eine Innenpolitikgeschichte nicht ganz üblichen Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. Der Redakteursauschuss des Kurier protestiert gegen die nächtliche Story ohne Namensnennung oder Kürzel und verlangt für die Zukunft Rücksprache mit Ressortleiter oder -stellvertreter. Zwei Wochen darauf, mit dem Relaunch des Kurier am 24. Februar 2020 bekommt der Kurier auf Seite 2 eine schöne neue Rubrik "Was uns heute bewegt...", jedenfalls in den ersten Tagen mit der Byline: "Richard Grasl aus dem Kurier-Newsroom".

Dossier“ über Korruption: Kneissl, Kern kritisieren Fellners Methoden
Im Dezember 2009 veröffentlicht die Rechercheplattform Dossier ihr zweites Schwerpunktheft, nach der Krone nun über Korruption. Ex-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Ex-Außenministerin Karin Kneissl, der FPÖ zugeordnet, kritisieren in dem Heft on records Methoden von Wolfgang Fellner beziehungsweise der Mediengruppe Österrreich bei der Akquisition von Werbung. Fellner weist Zusammenhänge zwischen Werbebuchung und redaktionellen Inhalten (erneut) zurück, sie werde "durch ständige Wiederholung nicht richtig" und würde "jeder Grundlage" entbehren: "Ihr Vorwurf, ich würde Inserenten unter Druck setzen, ist schon deshalb hanebüchener Unsinn, weil ich – nachweislich – seit mehr als drei Jahren kein einziges Inserat mehr verkauft habe." Es handle sich "um nebulöse und anonyme Sudelgerüchte, die keinen Funken Wahrheit haben." Kneissl führt gegenüber Dossier negative Berichterstattung von Österreich auf gekürzte Inseratenbudgets (gegenüber Vorgänger Sebastian Kurz) im Außenministerium. Kern spricht gegenüber Dossier von einem klaren Zusammenhang zwischen der Reduktion von Inseraten auch für Fellner-Medien und deren Berichterstattung. Auf die geplante Kürzung versucht Fellner Kern nach dessen Schilderung, seine Argumente näherzubringen. Stets höflich, aber laut "Dossier" deutlich in der Botschaft, "dass Herr Fellner das als unfreundlichen Akt gesehen hat." Als unter Kern Inserate des Kanzleramts gekürzt wurden, habe Fellner im Gespräch mit dem damaligen Kanzler Kern "so getan, als ob es da ein Missverständnis gibt; dass es sich um einen Irrtum handle und irgendein Mitarbeiter im Bundeskanzleramt nicht bei Österreich schalten wolle – und er dieses 'Missverständnis# mit mir auflösen wolle". In Gesprächen mit Fellner sei es diesem "wenig überraschend dabei auch um sein Geschäft" gegangen, sagt Kern. Dossier-Interview unter diesem Link

Wolfgang Fellner zieht „Schneebrunzer“-Klage gegen Heute zurück
Die Gratiszeitung Heute berichtete am 21. August 2019 über das Buch der #Ibizagate-Aufdecker Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (Süddeutsche Zeitung)mit einem angeblichen Zitat Heinz-Christian Straches, das angeblich aus dem unveröffentlichten Teil des Ibiza-Videos stammt, aber nicht im Buch vorkommt. Strache soll demnach dort gesagt haben, nach einer Übernahme der Kronen Zeitung wären nur noch "der Schneebrunzer von der Zeitung Österreich" und der ORF dann die "einzige Konkurrenz". Wolfgang Fellner klagt in einem medienrechtlichen Verfahren auf Entschädigung. Strache erscheint nicht als Zeuge zum ersten Verfahren, nach einer Ordnungsstrafe sagt er beim zweiten Termin aus, er habe das nach seiner Erinnerung nie gesagt. Vor dem dritten Termin am 9. Dezember zieht Fellner seine Klage Ende der Vorwoche zurück.

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