Gerald Fleischmann (* 23. Oktober 1973) kümmerte sich viele Jahren als Kommunikator mit einigem Nachdruck darum, dass Sebastian Kurz in den Medien möglichst positiv wegkommt. In der Koalition von ÖVP und FPÖ war Fleischmann die Schlüsselfigur für die sogenannte Message Control. Mit der Koalition von ÖVP und Grünen ab 7. Jänner 2020 übernimmt Kanzler Kurz selbst die Ressortverantwortung für Medienpolitik – und just Fleischmann wird Kanzlerbeauftragter für Medienpolitik.

Das Wichtigste

Porträts von Gerald Christoph Fleischmann kommen früher oder später auf "ruppige" Anrufe bei Journalistinnen und Journalisten, wenn sich Medien Sebastian Kurz und seinem Schaffen kritisch widmen.

  • Er ist neben Stefan Steiner einer der der wichtigsten Berater von Sebastian Kurz seit dessen Zeit als Staatssekretär für Integration im Außenministerium, mit großem Gespür für Stimmungen, Themen und deren mediale Platzierung.
  • In der Koalition von ÖVP und FPÖ ab 2017 war Fleischmann stellvertretender Kabinettchef von Kanzler Sebastian Kurz und Leiter der neu geschaffenen Stabsstelle für strategische Kommunikationsplanung. Er plante die wöchentlichen Schwerpunktthemen der Regierungskommunikation mit dem passenden Spin, Interviews jedenfalls aller ÖVP-Minister gingen über seinen Tisch. Viel zitiertes Stichwort: Message Control.
  • In Koalition von ÖVP und Grünen ab 7. Jänner 2020 übernimmt Bundeskanzler Sebastian Kurz selbst die Ressortverantwortung für Medienpolitik – und der für das schönstmögliche Bild von Kurz verantwortliche Fleischmann wird zugleich Kanzlerbeauftragter für Medienpolitik. Er betreut nach eigenen Angaben zugleich Agenden des Regierungssprechers (Moderation der Journalistenfragen im Pressefoyer nach dem Ministerrat, thematische Schwerpunkte des Pressefoyers und Besetzung, Abstimmung von Themen der Ministerinnen und Minister, "Serviceleistungen" für all ihre Pressesprecher).
  • Fleischmann wurde 1973 in Wien geboren, er wuchs in einem ÖVP -geprägten Elternhaus in Wimpassing an der Leitha im Nordburgenland auf, studierte in Wien Publizistik und Politikwissenschaften mit Magistertitel (Mobilität und Kommunikation : eine Begriffserklärung von Mobilität und seine Bedeutung für die Kommunikationswissenschaft, 2000). Praktika beim Standard und bei News. Redaktionsleiter beim Haager Verlag Modern Times, der neben dem gleichnamigen Magazin auch die Zeitschrift der tiefschwarzen Gewerkschaft öffentlicher Dienst ("GÖD-aktuell, Österreichs größtes Polit-Fachmagazin") produziert.
  • Von GÖD-aktuell ist es nicht weit zum Pressesprecher der ÖVP Niederösterreich ab September 2004. Die ÖVP Niederösterreich passt schlüssig zu seinem von vielen Kollegen beschriebenen Kommunikationsstil.
  • Mit 10. Februar 2007 wird Fleischmann mit 33 Pressesprecher der ÖVP-Bundespartei und Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Medien. Neuer Chefredakteur dort wird parallel Peter Puller, bisher Pressereferent der Steirischen Volkspartei. 2017 organisiert Puller mit Berater Tal Silberstein Dirty Campaigning für die SPÖ organisieren – eines der Lieblingsthemen der Kurz-ÖVP im Wahlkampf gegen Christian Kern und die SPÖ. Und Puller behauptet, Fleischmann habe ihm 100.000 Euro geboten, wenn er zur ÖVP überlaufe, was Fleischmann dementierte. Ein Verfahren gegen die SPÖ zum Thema wurde eingestellt.
  • Ende Jänner wird Fleischmann Pressesprecher von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, kann deren Bild in der Öffentlichkeit aber nicht mehr wirklich retten. Bandion-Ortner verabschiedet sich am 21. April aus der Regierung.
  • Fleischmann wechselt nach Bandions Abgang zu Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, nach eigenem Bekunden anfangs skeptisch, bald aber von seiner Begabung überzeugt. Fleischmann bleibt an seiner Seite über das Außenministerium bis ins Kanzleramt.

Lexikonstichwort in Arbeit, alleine dafür lohnt sich ein Bezahlzugang vorerst nicht. Im Stichwort finden Sie Zitate und Links zu Porträts von Gerald Fleischmann und auch ein bisschen Persönliches.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Koalition ÖVP/Grüne: Kanzler Kurz als Medienminister, Message Controller Fleischmann als Medienpolitik-Beauftragter
Am 7. Jänner 2020 wird die erste Regierungskoalition von ÖVP und Grünen unter Kanzler Sebastian Kurz mit Vize Werner Kogler angelobt. Ihr Regierungsprogramm verspricht  
  • im Gegensatz zu ÖVP/FPÖ Medienfreiheit und Unabhängigkeit zu als medienpolitische Leitprinzipien,
  • einen "unabhängig finanzierten ORF", gesetzlich zur Zusammenarbeit mit Privaten verpflichtet und mit für die Öffentlichkeit zugänglichem Archiv,
  • einklagbares Recht auf "Informationsfreiheit" statt Amtsgeheimnis und Amtsverschwiegenheit,
  • die "Marke" Wiener Zeitung ohne Pflichtveröffentlichungen in Papierform,
  • eine "Überprüfung" und Angleichung von Medienförderungen, einen Medienfonds und eine Startup-Initiative,
  • Maßnahmen gegen Hass und Desinformation im Netz,
  • höhere Strafen für Medien, die Identität und Privatsphäre von Opfern missachten
Bundeskanzler Sebastian Kurz übernimmt 2020 selbst das Medienressort (zuvor bei Kanzleramtsminister Gernot Blümel), und "Kanzlerbeauftragter" für Medienpolitik wird just Kurz' Kommunikator Gerald Fleischmann, die personifizierte "Message Control" der ÖVP/FPÖ-Regierung. Der bisherige Medienminister wird Finanzminister – Vorgänger Hartwig Löger war in dem Job der Biggest Spender bei öffentlichen Inseraten in der Regierung ÖVP/FPÖ. Medientransparenz

Um diesen Inhalt zu lesen, benötigen Sie einen kostenpflichtigen Zugang – den gibt es unter diesem Link.

Sie haben bereits einen Zugang? Bitte loggen Sie sich im Menü unter Anmelden ein.