Die FPÖ ist ein Paradebeispiel für Owned Media und für parallele Angriffe auf etablierte Medien, um deren Position und vor allem ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben. Dauerbrenner der freiheitlichen Medienpolitik über Jahrzehnte: Abschaffung der Rundfunkgebühren (GIS) und/oder Privatisierung des ORF oder seiner Kanäle.

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Blauer Schraubendreher: Offene Worte, wie die FPÖ ORF-Manager sieht
FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein offenbart am 12. Juni 2019 in den Salzburger Nachrichten recht unbeschwert, wie er und wohl auch seine Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ORF sehen. Der Redakteur fragt nach Umfärbungen von rot auf blau im ORF, er verweist auf den von ÖVP und FPÖ geplanten ORF-Vorstand, in dem die FPÖ zwei von voraussichtlich vier Mandaten besetzen sollte. Jenewein: "Das wären dann zwei von 2500. Wenn die ÖVP an einer Schraube dreht, drehen sich 250 andere mit. Bei mir gäbe es dann zwei Schrauben, die ich unter Kontrolle habe." Der FPÖ-Manager äußert auch praktische Gründe, warum das Umfärben auf den unteren Ebenen auf Blau gar nicht so einfach ist. Einerseits stehe "das Redaktionsstatut über allem. Zum anderen, weil es in den Redaktionen keine freiheitlichen Journalisten gibt. Das ist ein Nachteil für die FPÖ, aber ein Vorteil, weil wir unbefangen reingehen können." Die ÖVP/FPÖ-Koalition endete knapp ein Monat davor, als bekannt wurde, wie Heinz-Christian Strache gegen Staatsaufträge mit einer vermeintlichen russischen Oligarchin die Kronen Zeitung und womöglich auch einen ORF-Sender kapern wollte.
  • Die Medienstrategie der FPÖ baut über viele Jahre vor allem auf die Facebook-Seite HC Strache mit rund 800.000 Fans. Unpraktisch nur, wenn der Namensgeber und langjährige Parteichef 2019 zurücktritt, weil das heimlich aufgenommene Ibiza-Video Heinz-Christian Straches Träume etwa von Staatsaufträgen gegen die Übernahme der Krone und eines ORF-Kanals offenbarte. Im August 2019 übernimmt die Partei die Administratorrechte, ihr Parlamentsklub hat die Seite und ihre Reichweite immerhin lange bezahlt.
  • Straches Facebookseite bringt Boulevardplattformen wie Krone.at und Oe24.at Reichweite in einem symbiotischen Zusammenspiel: Die FPÖ-Themen um Migration, Zuwanderung und Kriminalität ziehen bei ihren Lesern, und die reichweitenstarke Seite HC Strache teilt gerne diese Inhalte.
  • Um die FPÖ entwickelten die Partei und  Gleichgesinnte ein Netzwerk rechter Medien von FPÖ-TV, unzensuriert.at und dem Parteiblatt Neue Freie Zeitung bis zu Info-Direkt, Wochenblick und Alles Roger. Gern gezielt befeuert mit den emotionsaffinen Algorithmen sozialer Netzwerke.
  • In die Regierung mit der ÖVP von Sebastian Kurz bringt die FPÖ ein schon jahrzehntelanges, emotionales Lieblingsthema – wenn auch nicht ins Regierungsprogramm von 2017: die Abschaffung der Gebühren.
  • Just die ständigen Angriffe auf den ORF – etwa Heinz-Christian Straches Lügen-Vorwurf gegen den ORF mit einem Bild von Armin Wolf Anfang 2018 – und die (auch internationale) Aufregung darüber verzögern immer wieder die geplante Novelle des ORF-Gesetzes. Dabei wirkte die Bundes-ÖVP in dieser türkis-blauen Koalition von Ende 2017 bis Mai 2019 gar nicht abgeneigt, die Gebühren abzuschaffen und den ORF aus dem Staatsbudget zu finanzieren.
  • Eine Timeline zur türkis-blauen Medienpolitik unter Kurz I mit vielen dieser Angriffe und den Vergleich zur Medienpolitik von ÖVP/FPÖ ab 2000 finden Sie im Lexikonstichwort ÖVP/FPÖ 2017 vs. 2000
  • Mehr zur Medienpolitik in Österreich und ihren häufigsten Betätigungsfeldern finden Sie unter Medienpolitik.
  • Und hier finden Sie mehr zum ORF und zur GIS.

Der Bezahlteil dieses Lexikonstichworts zur FPÖ ist noch in Arbeit – vorerst würde ich abraten, allein deshalb einen Zugang zu DIEMEDIEN.at zu nehmen.

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