ÖVP- und FPÖ-Hoffnung für die ORF-Führung. ORF-Finanzdirektor Richard Grasl (* 21. Jänner 1973) tritt 2016 gegen Alexander Wrabetz an und unterliegt dem Titelverteidiger. Grasl verlässt den ORF, wird Berater etwa der Mediaprint in Bewegtbildfragen und im Spätherbst 2018 fürs Erste Mitglied der Kurier-Chefredaktion, zuständig für Online und Video. Mein Tipp: 2021 nach ein paar Monaten in der Kurier-Führung – ob nun als Chefredakteur, Herausgeber oder Geschäftsführer – Kandidat für die ORF-Spitze.

Das Wichtigste

  • Richard Grasl war bis zu einem tragischen Ereignis im privaten Bereich im Juni 2017 eine große bürgerliche Führungshoffnung im Medienmanagement. Das kann wieder werden. Zum Beispiel 2021.
  • Grasl ist seit Spätherbst 2018 sehr handlungsfreudiges Mitglied der Chefredaktion des Kurier, zuständig für Online und TV. Er könnte Martina Salomon einmal als Chefredakteur nachfolgen. (Die Redaktion könnte einen neuen Chefredakteur laut Statut aber mit Zweidrittelmehrheit ablehnen.) Oder Herausgeber des Kurier, dafür braucht es keine Abstimmung in der Redaktion. Oder Geschäftsführer des Kurier.
  • Und über diesen Umweg womöglich doch noch ORF-Chef werden.
  • Der Kremser Wirtssohn begann 1992 im tiefschwarzen Landesstudio Niederösterreich, noch geführt von Paul Twaroch. Schon vor der Übersiedelung des Studios aus Wien nach St. Pölten war er Teil der redaktionellen Vorhut in der neuen Landeshauptstadt. Mit Grasl damals im Team an der Traisen: Elisabeth Totzauer. Ab 1998 moderierte Grasl Niederösterreich heute, rasch war er auch Chef vom Dienst.
  • 1999 bis 2001 war Grasl Redakteur bei der ZiB 2. Niederösterreichs Landesdirektorin Monika Lindner wird mit dem Vertrauen der ersten ÖVP-FPÖ-Koalition Generaldirektorin des ORF ab 2002, ihr bisheriger Chefredakteur Norbert Gollinger Landesdirektor und Richard Grasl Chefredakteur im ORF eines Bundeslandes, das über Jahrzehnte vom bürgerlichen (Medien-)Machtfaktor Erwin Pröll regiert wird. Grasl berichtet gerne, dass er Pröll auch kritische Fragen stellte, und wie der darauf reagierte. Jedenfalls nicht nachhaltig verschnupft, zeigt Grasls weitere Karriere. Und vielleicht auch der Umstand, dass Pröll bei Grasls Hochzeit antanzte. Aber auf welcher medienrelevanten Hochzeit im Land tanzte Pröll nicht?
  • 2009 stimmt die ÖVP, nun wieder in Koalition mit der SPÖ, 160 Millionen extra für den ORF erst zu, als Richard Grasl als neuer Finanzdirektor des ORF vereinbart ist. Am 17. Dezember 2009 bestellt der ORF-Stiftungsrat Grasl zum Finanzdirektor. Die APA schreibt vom "bisher teuersten ORF-Transfer aller Zeiten".
  • ORF-General Alexander Wrabetz lässt Grasl, wiewohl Alleingeschäftsführer, fürderhin den starken zweiten Mann im ORF spielen, ohnehin weit handlungsfreudiger und anpackender als der ORF-Chef. Bis Grasl 2016 gegen ihn antritt um die Nummer 1 in Österreichs größtem Medienkonzern.
  • Am 9. August 2016 tritt Grasl an und unterliegt Wrabetz – seine Hoffnungen auf die Stimmen etwa des Grünen Stiftungsrats und einer eher bürgerlichen Betriebsrätin sowie des unabhängigen Franz Küberl haben sich zerschlagen.
  • Grasl verlässt den ORF mit September 2016, wird Medienberater mit der Mediaprint als Kunden, die er etwa beim versuchten Kauf von ATV berät. Der Sender geht schließlich an ProSiebenSat1Puls4.

Lexikonstichwort in Arbeit, vorerst lohnt sich ein Bezahlzugang allein dafür nicht.

Mehr zum Thema etwa unter: Medienpolitik ÖVP Martina Salomon Alexander Wrabetz Kurier ATV

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