Wolfgang Jansky (* 16. Juli 1960), Geschäftsführer, Eigentümervertreter bei der Gratiszeitung Heute und Gesellschafter von heute.at, zeigte 2004, wie man binnen weniger Wochen vom Pressesprecher eines Wiener Wohnbaustadtrats zum Zeitungsgründer werden kann. Wenn es Werner Faymann und Familie Dichand nur wollen.

Das Wichtigste

  • Mit 31. März 2004 stellen die mit Hans Dichand zerstrittenen Mediaprint-Mitgesellschafter Funke-Gruppe und Raiffeisen die Mediaprint-Gratistageszeitung U‑Express nach drei Jahren ein. Gegen den Willen Dichands, dessen Herzensprojekt die Gratiszeitung war. Dichand ersucht die Funke-Gruppe in einem Brief um Erlaubnis, selbst eine Gratiszeitung herauszugeben – die Krone-Mitgesellschafter lehnen ab.
  • Nur Wochen danach beginnt der bisherige Pressesprecher des Wiener Wohnbaustadtrats Werner Faymann (SPÖ), der mit Hans Dichand ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis pflegt, eine neue Gratistageszeitung vorzubereiten. Mit der Mannschaft des U‑Express, etwa dem von der Krone verliehenen Chefredakteur Richard Schmitt, mit dem Exklusivvertrag des U‑Express, in Stationen der Wiener Linien Entnahmeboxen aufzustellen, und mit dem sichtlichen Wohlgefallen Hans Dichands. Der bisherige Pressesprecher, Neo-Verleger und Neo-Zeitungsgeschäftsführer: Wolfgang Jansky.
  • Am 6. September 2004 startet Heute. Mit kräftigem Inseraten-Rückenwind aus Faymanns Ressort, zeigt die Rechercheplattform Dossier später.
  • Ein Jahr nach dem Start wird Eva Dichand, die Schwiegertochter von Hans Dichand und Frau von Krone-Chefredakteur Christoph Dichand, Geschäftsführerin von Heute, ab 31. Mai 2006 auch Herausgeberin.
  • Die Eigentumsverhältnisse des Gratiszeitungsverlags bleiben bis 2012 ungeklärt – Stiftungen spielen da eine Rolle, in einer davon hatte Faymanns Büroleiter Josef Ostermayer schon kurz eine Funktion, ein Kredit der lange Gemeinde-Wien-nahen Bank Austria, ein Wirtschaftstreuhänder (Günther Havranek), der auch die SPÖ bei ihren Parteifinanzen unterstützt.
  • Spätestens ab 2010 ist Heute in Wien reichweitenstärkste Tageszeitung und ab 2011 zweitgrößte Zeitung Österreichs.
  • 2012 tritt das Medientransparenzgesetz in Kraft mit neuen Transparenzregeln für Medieneigentum im Mediengesetz. Dichand und Jansky legen offen: Die Pluto Privatstiftung, eingerichtet von Eva Dichand und ihrem Bruder mit Eva Dichand und ihren Kindern aus der Ehe mit Christoph Dichand als Begünstigten, besitzt schon seit 2005 74 Prozent am Heute-Verlag AHVV beziehungsweise seiner Muttergesellschaft Ultimate Media GmbH. Die übrigen Anteile hält die Periodika Privatstiftung. Vorstandsvorsitzender dort: Wolfgang Jansky, im Vorstand zudem Treuhänder Havranek und weitere Mitglieder aus dem Heute/SPÖ-Umfeld (Katja Deutsch und Periodika-Stifter Heinrich Gehl).
  • Eva Dichand gab in mehreren Schritten Heute-Anteile ab: Ende 2014 reduziert sie ihren Anteil von 74 auf 51 Prozent, die von Jansky geführte Periodika Privatstiftung stockte auf. Am 6. Juli 2016 gibt Heute bekannt, dass der Schweizer Medienkonzern Tamedia (20 Minuten, Tages-Anzeiger) bei Heute und Heute.at einsteigt. Nur 5 Tage davor, am 1. Juli 2016, verkauft die Ultimate Media, geführt von Eva Dichand und Wolfgang Jansky, Heute.at an Eva Dichands und Wolfgang Janskys Firma DJ Digitale Medien GmbH, der Kaufpreis ist im hinterlegten Kaufvertrag leider unkenntnlich gemacht. Unmittelbar darauf verkaufen Dichand und Jansky 51 Prozent an der DJ der Schweizer Tamedia und behalten jeweils 24,5 Prozent. Die Tamedia übernimmt parallel zudem 25,5 Prozent an Heute. Eva Dichand reduziert ihren Anteil hier von 49 auf 24,4 Prozent, die Peridodika Privatstiftung stockt auf 50,1 Prozent auf.

 

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Aber für die Stichwörter Heute Eva Dichand Hans Dichand Kronen Zeitung

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Die neue Übersicht der größten Medienhäuser Österreichs 2020
Meine neue Rangliste der größten Medienunternehmen Österreichs ist geschafft. Die bekannte Formel bleibt ziemlich unverändert - erst der ORF mit rund einer Milliarde und dann lange nichts. Weniger als halb so groß die Nummer zwei – je nach Betrachtung ist das der Krone-Kurier-Konzern Mediaprint oder, wenn man alle Beiträge des Mutterkonzerns Red Bull zum Red Bull Media House einrechnet, die Mediengruppe von Dietrich Mateschitz' Brausekonzern. Kleinere Überraschungen gab es dann doch noch beim Datensammeln: Die Gratiszeitung Heute habe ich bisher überschätzt: Erstmals hat sie im Jahresabschluss des Heute-Printverlags AHVV für 2018 auch Umsatzdaten veröffentlicht – 38,1 Millionen waren das. Ich schätzte bisher auf mehr als 50 Millionen. Ob nicht in der AHVV verbuchte Onlineumsätze die Differenz ausmachen, kann ich nicht tragfähig beurteilen. Überrascht hat mich auch Wolfgang Fellner, der den Umsatz der Mediengruppe Österreich für 2019 mit 123,58 Millionen Euro angibt, für 2018 hat er von 111,4 Millionen gesprochen. Wie der Umsatz zustandekommt und ob er (was ich mir schwer vorstellen kann bei mehr als 50 Einzelfirmen) als Konzernumsatz konsolidiert ist, wollte er mir auf Nachfrage nicht erklären. Sagen wir so: Ich hätte ihn unterschätzt, wenn das doch ein konsolidierter Konzernumsatz sein sollte. Die Rangliste im Überblick und dazu das Wichtigste zu den einzelnen Medienhäusern finden Sie unter dem Lexikonstichwort Medienkonzerne - Österreichs größte

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