Der Wiener Bürgermeister ist oberster Entscheider über das größte öffentliche Werbebudget im Land - jenes der Stadt Wien und ihrer gemeindeeigenen oder gemeindenahen Betriebe.

Das Wichtigste

  • Michael Ludwig (*3. April 1961) ist seit Ende April 2018 Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann, zudem Vorsitzender der SPÖ Wien, traditionell die gewichtigste Landesorganisation der Sozialdemokraten. Davor war Ludwig Wohnbaustadtrat – spätestens seit Werner Faymann eine Wiener Schlüsselstelle für politische Karriere in enger – auch werbewirtschaftlicher – Abstimmung mit dem Boulevard.
  • Wien bucht laut Medientransparenzgesetz alle Jahre wieder die höchsten Budgets unter allen öffentlichen Stellen und Ländern, mit starkem Fokus auf die Wiener Massenblätter Kronen Zeitung, Heute (gehört mehrheitlich einer von Sozialdemokraten geführten Stiftung) und Österreich/Oe24. Wien definiert seine Werbetätigkeit ausdrücklich auch als Medienförderung.
  • Wenige Monate nach Ludwigs Dienstantritt als Bürgermeister beenden die Wiener Linien ein jahrzehntlanges Verfahren der Mediengruppe Österreich über Entnahmeboxen für Heute und Österreich/Oe24 mit einem Vergleich, der auch den Fellner-Zeitungen Boxen in U-Bahn-Stationen zubilligt. Das trübt das Verhältnis der Krone zu Ludwig schlagartig und nachhaltig.
  • Wiens Sozialdemokratie kontrollierte mittelbar bis 2014 das Wiener Echo Medienhaus, seither führen Vertrauensleute den Verlag des kostenlosen Wiener Bezirksblatt und des Vor-Magazin, der etwa auch die breit gesponserte Gratisliteraturaktion "Eine Stadt ein Buch" und das Donauinselfest betreut.
  • Wien fördert nicht kommerzielle Medien mit rund 1,35 Millionen Euro pro Jahr, die an das Community-TV Okto und Radio Orange gehen.
  • Die Bundeshauptstadt erhält als Sitz vieler überregionaler Medienunternehmen den größten Anteil an der österreichischen Werbeabgabe – ein hoher zweistelliger Millionenbetrag.
  • Warum steht Ludwig hier als ein DIEMEDIENMACHER? Wien hat das größte öffentliche Werbebudget in Österreich – und der Bürgermeister ist politisch verantwortlich dafür.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Wien lobt 7,5 Millionen Euro Medienförderung für journalistische Projekte aus
Die Stadt Wien beginnt mit 4. November 2019 eine neue Medienförderung für journalistische Medien-Innovationen. 2,5 Millionen Euro vergibt die Stadt pro Jahr, voerst befristet auf drei Jahre. Deklariertes Ziel: Journalistische Qualität zu unterstützen. Bis 10.000 Euro Förderung können (junge) Journalisten für Vorhaben bekommen (bis zu 75 Prozent der Projektkosten); bis 100.000 Euro gehen an Projekte von etablierten Medienhäusern (bis 45 Prozent) und Startups (bis 60 Prozent). Die Organisation übernimmt die Wirtschaftsagentur Wien zusammen mit dem Presse- und Informationsdienst der Stadt (PID). Eine Jury – auch internationale Wissenschafter, Concordia, die Werbeplanerin des PID und ein Wien-naher Unternehmens- und Kommunikationsberater – entscheidet über die Förderwürdigkeit. Mehr zur Förderung bei der Wirtschaftsagentur Wien.

Österreich gegen Wiener Linien: Jahrzehnt-Kartellverfahren über Gratiszeitungsboxen endet mit Vergleich
Fast ein Jahrzehnt prozessierte die Mediengruppe Österreich gegen die Wiener Verkehrsbetriebe und ihren Vertrag mit Konkurrent Heute über Stellplätze für Entnahmeboxen in den U-Bahnen. Anfang September einigte man sich auf einen Vergleich, im Oktober macht ihn die Wettbewerbsbehörde offiziell. Heute in den Stationen, Österreich davor mit zusammen gut 500 Boxen ist okay, künftige Diskriminierung wird ausgeschlossen. Krone und Heute spekulieren über millionenschwere Entschädigungs- oder Kompensationszahlungen an die Fellner-Gruppe, die dementiert die kolportierte Höhe von 5 Millionen Euro. Fellners und Dichands klagen nun einander wegen der Artikel und Konter darüber wieder einmal, Eva Dichand verlangt die komplete Offenlegung des Vergleichs. Die BWB-Zusammenfassung gibt's hier.

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