Christian Nusser (* 20. November 1963) war über Jahrzehnte ein Fellner-Mann. Seit 1. August 2012 ist er Chefredakteur von Heute und zeigt literarische und satirische Qualtäten. Und der Klagenfurter zeigt einige modische Konsequenz – mit einem Schnauzbart über alle einschlägigen Moden hinweg.

Das Wichtigste

  • Als Christian Nusser 1989 an der Uni Wien über "Lokalisten" an der Arbeit : eine empirische Untersuchung zur Arbeitssituation der Chronikjournalisten österreichischer Tageszeitungen dissertiert, hat er schon vier Jahre einschlägige Erfahrung bei der AZ, in denen die einstige Arbeiter-Zeitung gerade noch der SPÖ gehört. Der Verkauf des Parteiorgans an die SPÖ-nahe Werbegröße Hans Schmid (GGK) ermöglicht einigen Journalisten einen finanziell ansehnlichen Abschied nach dem Journalistengesetz wegen Wechsels der politischen Richtung (Paragraf 11 und Abfertigung nach Paragraf 8 Ziffer 2). Nusser schließt an AZ und Diss 1989 ein Sabbatical in Los Angeles an (womöglich inspiriert von den Fellners, die 1988 nach dem Verkauf von Rennbahn Express und Basta an den Kurier in den USA Medienentwicklungen studieren, zum Beispiel für ihr Projekt News.)
  • 1990 bis 1994 arbeitet Nusser für den Kurier, wiederum vor allem in der Chronik. Die Fellners arbeiteten seit April 1990 als "Redaktionsdirektor" (Wolfgang Fellner) und im Marketing (Helmuth Fellner) beim Kurier. Aber nur für ein Jahr bis April 1991, da gingen sie vorzeitig ab. Ihr langjähriger Fan Anwalt Ewald Weninger und sein Mitstreiter, ÖVP-Abgeordneter Leopold Helbich, waren dabei, den Übernahmekampf um den Kurier zu verlieren, und ihr Mentor beim Kurier, Michael Grabner, ging damals zum deutschen Verlagskonzern Holtzbrinck (Handelsblatt, Wirtschaftswoche).
  • 1994 übersiedelt Nusser zu den Fellners, die gerade für Hälfte-Eigentümer Springer eine Deutschland-Ausgabe von News entwickeln. In der Projektredaktion: Marco Schenz, Christian Nusser, Art-Director Gottfried Moritz. Gruner+Jahr scheitert 1994 mit einer newsigen Info-Illustrierten (Tango, in Österreich Tangö). Springer lässt das Projekt Projekt sein, reduziert seine Österreich-Beteiligung an News. Nusser wird 1995 einer der Gründungs-Chefredakteure der TV- und Medien-Illustrierten TV-Media. 1996 produziert Nusser für Leo Kirchs Sky-Vor-Vorläufer DF1 ein Programmagazin, beim News-Verlag trägt er den Titel Chefredakteur Neue Medien.
  • 1997/1998 ist er Programmchef von Wolfgang Fellners Privatradio Antenne Wien – mit dem eigentlichen Programmchef Wolfgang Fellner kein Erfolg.
  • 1999 trägt Nusser im News-Verlag den Titel Chefredakeur Medienentwicklung, 2000 bis 2005 leitet er als Chefredakteur die Entwicklung E-Media, ein sehr sponsorengetriebenes Tech-Magazin.
  • 2005 übersiedelt Nusser wie so viele Fellner-Getreue von der Verlagsgruppe News (heute: VGN) zu Wolfgang Fellners Zeitungsprojekt Österreich. Nusser ist Gründungschefredakteur des Onlineportals Oe24.at.
  • 2007 bis 2012 ist Christian Nusser einer der Chefredakteure von Österreich.
  • Ab 1. August 2012 ist Nusser Chefredakteur jener Zeitung, die Wolfgang Fellner den Start von Österreich gründlich vermiest hat: Heute. Mit dieser Gratiszeitung besetzte Eva Dichand zur Freude ihres Schwiegervaters, Krone-Gründer Hans Dichand, 2004 sehr erfolgreich den Gratiszeitungsmarkt in Wien und anderen Ballungsräumen, bevor Fellner 2006 Österreich starten konnte. Fellner klagte Nusser auf Einhaltung einer Konkurrenzklausel von einem Jahr, die Exekutionsanträge nach einer einstweiligen Verfüng summieren sich rasch auf mehr als 200.000 Euro. Das Arbeitsgericht weist die Klage im August 2012 in erster Instanz ab.
  • Der Presserat sieht bei Heute auch unter Chefredakteur Nusser einiges zu tun; die Zeitung erkennt das Selbstkontrollorgan der österreichischen Presse nicht an. Wenn sich ein Heute-Journalist etwa nicht zu erkennen gibt, und den Verwandten eines Tatverdächtigen zumindest im Glauben lässt, er sei Polizist (der Presserat dazu). Oder wenn der damalige Chronikchef der Zeitung sich spätabends über muslimische Tatverdächtige Gedanken macht (Presserat dazu). Nusser entschuldigt sich für die "rassistischen und verunglimpfenden" Formulierungen auf heute.at
  • In der meist knapp-plakativen Gratiszeitung fallen Nussers persönlich-satirische (Reportage-)Beiträge auf, etwa über Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz im Februar 2018 bei US-Präsident Donald Trump ("Mission Donald"). Und als Kurz die übrigen Parteichefs im Herbst 2019 zu Sondierungsgesprächen in einem besonders kalt-kargen Saal des Winterpalais von Prinz Eugen empfängt, macht Nussers Heute den kühlen Raum mit einigen Photoshop-Tipps ein bisschen wohnlicher.
  • In seinem Blog christiannusser.at (bei diesem Lexikoneintrag gerade nicht erreichbar) pflegt Nusser Politsatire. Ende August 2019 veröffentlicht Nusser seinen ersten Roman, eine Politsatire über "eine Ibiza-Affäre ganz ohne Ibiza" unter dem Titel In der Not frisst der Teufel Lügen. Nusser hat zuvor schon Bücher mit und für Waris Dirie (Schmerzenskinder, Brief an meine Mutter) (mit)verfasst, Christian Barnard (50 Wege zu einem gesunden Herz), Arabella Kiesbauer (Mein afrikanisches Herz) und Josef Schadhauer (1-2-3 schmerzfrei).

Lexikonstichwort in Arbeit, alleine dafür lohnt sich der Bezahlzugang vorerst nicht.

Heute

 

 

 

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Boulevard und Terror: Nach Anschlagsvideos stoppen Werbekunden vorläufig Buchungen bei „Oe24“ und „krone.at“
    • Oe24TV zeigt wie Krone.at und Krone-TV am Abend des 2. November 2020 Videos vom Terroranschlag in der Wiener Innenstadt. Videos zeigen den Attentäter beim Erschießen eines Passanten. Der TV-Sender der Fellner-Mediengruppe ist als Autostart-Livestream üblicherweise auch auf Oe24.at zu sehen, an diesem Abend aber laut Wolfgang Fellner wegen eines Serverproblems nicht.
  • Beim Österreichischen Presserat langen noch am selben Abend 300 Beschwerden über die Veröffentlichung ein, soviele wie noch nie. Es werden in den nächsten Tagen noch fast 1500 Beschwerden.
  • Die Medienbehörde KommAustria leitet nach Ermittlungen im Dezember 2020 formelle Verfahren gegen drei Programmveranstalter/Mediendiensteanbieter ein. Gegenstand der Verfahren sind laut KommAustria "mögliche Verletzungen der Menschenwürde, der journalistischen Sorgfalt und von Programmgrundsätzen".
  • Eine Reihe großer Werbekunden erklären – teils auf Anfragen von Aktivisten – einen vorläufigen Werbestopp auf diesen Portalen wegen der Veröffentlichungen. Die Rewe-Gruppe (Billa, Merkur, Bipa) bestätigt mir den Stopp der Buchungen ebenso etwa wie die Spar-Gruppe, Hofer, Bawag, Mobilfunker Spusu.
  • Am Morgen des 3. November erklärt mir Wolfgang Fellner noch, man habe die Videos nach Protesten seit 23 Uhr am Montagabend nicht mehr gezeigt, aber: "Das ist ein Terroranschlag. Ich glaube schon, dass es zum Verständnis des Terroranschlags dazugehört, wie der Todesschütze agiert hat." Am Dienstagabend entschuldigt sich Niki Fellner – nach einer Serie von Werbestopp-Ankündigungen auf Twitter und Appellen etwa von GGK-Mullenlowe-Boss Michael Kapfer auf Facebook – "ausdrücklich" auf Oe24TV und schreibt mit seinem Vater Werbekunden: Das Video aus einer Überwachungskamera der Israelitischen Kultusgemeinde, übernommen vom israelischen Fernsehen, sei nach seinem Wissen in rund 70 Sendern weltweit gezeigt worden. Es sei zudem nie auf Oe24.at, sondern alleine auf Oe24TV gelaufen; er räumt auf Nachfrage aber ein, dass das Programm üblicherweise als Livestream auf Oe24.at gezeigt wird - im Autoplay-Modus. Montagabend allerdings waren die Server von Oe24 aber (auch von außen) sichtlich überlastet. Laut Fellner waren die Videos wegen eines Serverproblems nicht auf Oe24.at zu sehen.
  • Konkurrent Heute setzt sichtlich auf Differenzierung: Die Gratiszeitung zeigt online keine Tatvideos, entschuldigt sich ausdrücklich für eine Fehlinformation über eine (kolportierte) Geiselnahme in der Mariahilfer Straße, zeigt auf der Titelseite am Tag danach eine Rose. Herausgeberin Eva Dichand bemüht sich auf Twitter um Abgrenzung zu Oe24, wiewohl nicht von krone.at. Und Heute schaltet in den Folgetagen massiv in Branchendiensten Werbung mit Verweis auf die eigene "Brand Safety" im Unterschied zur Konkurrenz.
Eva Dichands Tweet mit einem (von mehreren) Hinweisen auf das Medium ihres Mannes:

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