Wolfgang Fellners bisher gewagtester Poker: 2006 gründet er nach dem Abschied von seinem Meisterstück, der Verlagsgruppe News, die Tageszeitung Österreich, überwiegend gratis und weit weg von den Ankündigungen über die Qualität des Boulevardblatts. Sein Problem: Den Gratismarkt hat vor allem in Wien Heute schon besetzt. Die Krone ist stabiler als gedacht. Überraschend langen Atem verleiht die Investitionsbereitschaft vor allem der Politik. Und seine Denkunmöglichkeit des Scheiterns. Seit 2016 flankiert der TV-Kanal oe24tv die Zeitung in der Mediengruppe – Bewegtbildwerbung lässt sich gut verkaufen. Ab Mitte 2018 nennen die Fellners ihre Gratisausgabe Oe24 statt Österreich.

Das Letzte: Updates zum Ein-/Ausklappen

    • Oe24TV zeigt wie Krone.at und Krone-TV am Abend des 2. November 2020 Videos vom Terroranschlag in der Wiener Innenstadt. Videos zeigen den Attentäter beim Erschießen eines Passanten. Der TV-Sender der Fellner-Mediengruppe ist als Autostart-Livestream üblicherweise auch auf Oe24.at zu sehen, an diesem Abend aber laut Wolfgang Fellner wegen eines Serverproblems nicht.
  • Beim Österreichischen Presserat langen noch am selben Abend 300 Beschwerden über die Veröffentlichung ein, soviele wie noch nie. Es werden in den nächsten Tagen noch fast 1500 Beschwerden.
  • Die Medienbehörde KommAustria leitet nach Ermittlungen im Dezember 2020 formelle Verfahren gegen drei Programmveranstalter/Mediendiensteanbieter ein. Gegenstand der Verfahren sind laut KommAustria "mögliche Verletzungen der Menschenwürde, der journalistischen Sorgfalt und von Programmgrundsätzen".
  • Eine Reihe großer Werbekunden erklären – teils auf Anfragen von Aktivisten – einen vorläufigen Werbestopp auf diesen Portalen wegen der Veröffentlichungen. Die Rewe-Gruppe (Billa, Merkur, Bipa) bestätigt mir den Stopp der Buchungen ebenso etwa wie die Spar-Gruppe, Hofer, Bawag, Mobilfunker Spusu.
  • Am Morgen des 3. November erklärt mir Wolfgang Fellner noch, man habe die Videos nach Protesten seit 23 Uhr am Montagabend nicht mehr gezeigt, aber: "Das ist ein Terroranschlag. Ich glaube schon, dass es zum Verständnis des Terroranschlags dazugehört, wie der Todesschütze agiert hat." Am Dienstagabend entschuldigt sich Niki Fellner – nach einer Serie von Werbestopp-Ankündigungen auf Twitter und Appellen etwa von GGK-Mullenlowe-Boss Michael Kapfer auf Facebook – "ausdrücklich" auf Oe24TV und schreibt mit seinem Vater Werbekunden: Das Video aus einer Überwachungskamera der Israelitischen Kultusgemeinde, übernommen vom israelischen Fernsehen, sei nach seinem Wissen in rund 70 Sendern weltweit gezeigt worden. Es sei zudem nie auf Oe24.at, sondern alleine auf Oe24TV gelaufen; er räumt auf Nachfrage aber ein, dass das Programm üblicherweise als Livestream auf Oe24.at gezeigt wird - im Autoplay-Modus. Montagabend allerdings waren die Server von Oe24 aber (auch von außen) sichtlich überlastet. Laut Fellner waren die Videos wegen eines Serverproblems nicht auf Oe24.at zu sehen.
  • Konkurrent Heute setzt sichtlich auf Differenzierung: Die Gratiszeitung zeigt online keine Tatvideos, entschuldigt sich ausdrücklich für eine Fehlinformation über eine (kolportierte) Geiselnahme in der Mariahilfer Straße, zeigt auf der Titelseite am Tag danach eine Rose. Herausgeberin Eva Dichand bemüht sich auf Twitter um Abgrenzung zu Oe24, wiewohl nicht von krone.at. Und Heute schaltet in den Folgetagen massiv in Branchendiensten Werbung mit Verweis auf die eigene "Brand Safety" im Unterschied zur Konkurrenz.
Eva Dichands Tweet mit einem (von mehreren) Hinweisen auf das Medium ihres Mannes:
Im Dezember 2009 veröffentlicht die Rechercheplattform Dossier ihr zweites Schwerpunktheft, nach der Krone nun über Korruption. Ex-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Ex-Außenministerin Karin Kneissl, der FPÖ zugeordnet, kritisieren in dem Heft on records Methoden von Wolfgang Fellner beziehungsweise der Mediengruppe Österrreich bei der Akquisition von Werbung. Fellner weist Zusammenhänge zwischen Werbebuchung und redaktionellen Inhalten (erneut) zurück, sie werde "durch ständige Wiederholung nicht richtig" und würde "jeder Grundlage" entbehren: "Ihr Vorwurf, ich würde Inserenten unter Druck setzen, ist schon deshalb hanebüchener Unsinn, weil ich – nachweislich – seit mehr als drei Jahren kein einziges Inserat mehr verkauft habe." Es handle sich "um nebulöse und anonyme Sudelgerüchte, die keinen Funken Wahrheit haben." Kneissl führt gegenüber Dossier negative Berichterstattung von Österreich auf gekürzte Inseratenbudgets (gegenüber Vorgänger Sebastian Kurz) im Außenministerium. Kern spricht gegenüber Dossier von einem klaren Zusammenhang zwischen der Reduktion von Inseraten auch für Fellner-Medien und deren Berichterstattung. Auf die geplante Kürzung versucht Fellner Kern nach dessen Schilderung, seine Argumente näherzubringen. Stets höflich, aber laut "Dossier" deutlich in der Botschaft, "dass Herr Fellner das als unfreundlichen Akt gesehen hat." Als unter Kern Inserate des Kanzleramts gekürzt wurden, habe Fellner im Gespräch mit dem damaligen Kanzler Kern "so getan, als ob es da ein Missverständnis gibt; dass es sich um einen Irrtum handle und irgendein Mitarbeiter im Bundeskanzleramt nicht bei Österreich schalten wolle – und er dieses 'Missverständnis# mit mir auflösen wolle". In Gesprächen mit Fellner sei es diesem "wenig überraschend dabei auch um sein Geschäft" gegangen, sagt Kern. Dossier-Interview unter diesem Link
Christian Nusser, selbst Chefredakteur bei Österreich, bevor er 2012 zu Heute wechselte, wundert sich auf Twitter über seine alten Kollegen (und inzwischen Hauptkonkurrenten). Zur Headline "Sekten-Josef: Das soll der Vater der Kinder sein" über die jahrelang nach ersten Erkenntnissen auf einem Bauernhof isolierte Familie zeigt Oe24 das Foto eines Mannes – das Nusser bei Anbietern von Symbolbildern entdeckt. Sein Tweet:
Richard Schmitt (*13. August 1968), der ab 2011 krone.at auch im Social-Media-Zusammenspiel mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache groß gemacht hat, verlässt die Krone mit 31. Juli 2019 und wechselt direkt zu Oe24 der Familie Fellner als Chefredakteur Online und TV. Im heimlich aufgenommenen Ibiza-Video wollte Strache 2017 einer angeblichen russischen Milliardärstochter die Übernahme der Krone näherbringen, um sie auf FPÖ-Linie zu bringen. An anderer Stelle lobt Strache Schmitt. Als Spiegel und Süddeutsche Zeitung Ausschnitte am 17. Mai 2019 veröffentlichen, entscheidet das den schon länger laufenden Machtkampf zwischen Schmitt und Krone-Chefredakteur Klaus Herrmann. Herrmann führt mit Juli auch krone.at, Schmitt wird zum Projektleiter für eine Streamingplattform verräumt und geht. Schmitt war schon Chefredakteur des U-Express und von Heute (2004 bis 2011) mit Rückkehrrecht zur Krone. Für die Krone arbeitete Schmitt seit seinem 18. Lebensjahr – bei der Oberösterreich-Ausgabe, wo sein Vater Vize-Chefredakteur war.
Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) brachte im Frühjahr 2019 recht rasch (und rechtzeitig vor dem Regierungsende) ein Viertel mehr Privatrundfunkförderung auf den Weg – schon 2019 gibt es 20 statt bisher 15 Millionen für kommerzielle TV- und Radiokanäle. Beim zweiten Vergabetermin dieses Jahres im Juli 2019 räumt vor allem ein Sender ab: Oe24.TV kann seine Förderung mehr als verdoppeln – zu 985.000 Euro beim ersten Termin im Jänner kommen nun weitere 1,095 Millionen (etwa für eine "Medien-Show" und viele Wahlformate). RTR-Geschäftsführer Oliver Stribl entschied hier nach meinen Informationen gegen die Empfehlung des Fachbeirats für mehr Förderung als empfohlen. Puls 4 kommt 2019 auf rund 2,2 Millionen Euro Förderung, Konzernschwester ATV auf 1,73 Millionen, Servus TV auf 1,7 Millionen und Krone.tv auf immerhin 1,3 Millionen. Mehr dazu demnächst unter Medienförderungen. Die etwas unübersichtlichen Daten der RTR dazu finden Sie unter diesem Link.
Für mein STANDARD-Ranking von Österreichs größten Medienhäusern frage ich alljährlich nach den Umsätzen, Ergebnissen, Beschäftigtenzahlen der größeren Unternehmen der Branche. Nach einer Weile Stille antwortete mir Gründer, Herausgeber, Mastermind und Anchorman Wolfgang Fellner, als die Übersicht am 11. Juli 2019 gerade erschienen war. Er beziffert den nach seinen Angaben konsolidierten Gruppenumsatz der Mediengruppe Österreich 2018 mit 111,38 Millionen Euro, davon kämen 6,5 Millionen kämen von Oe24TV; Ergebnis 4,52 Millionen, Mitarbeiterstand 374. Konsolidierte Gruppenumsätze der zeitweise mehr als 50 Firmen umfassenden Medienaktivitäten der Familie Fellner sind nicht im Firmenbuch zu finden, die 4,5 Millionen Ergebnis decken sich in etwa mit dem (älteren) Jahresabschluss einer dieser Firmen, die Mediengruppe "Österreich" GmbH (Firmenbuchnummer 294478g) heißt.
Als Wolfgang Fellner Österreich 2006 startete, nannte er die Presseförderung eine "Misserfolgsförderung", die seine Zeitung nicht beantrage - überwiegend gratis verteilt, hätte sie laut damals und auch 2019 noch gültigem Presseförderungsgesetz auch keine Chance auf Förderung. 2018 aber benannte er die großteils idente Gratisausgabe in Oe24 um - auch im Sinne einer gemeinsamen Marke für Online, TV, Print und Radio, die in Reichweitenstudien hilft. Und 2019 beantragte die Gruppe auch schon Presseförderung für die Kaufvariante Österreich - Vertriebsförderung und Vielfaltsförderung. Die Medienbehörde lehnte den Antrag ab. Maßstab für die Bewertung ist immer das Vorjahr, und da gab es nur ein halbes Jahr eine eigene Kaufzeitungsvariante namens Österreich. Ab 2020 bedeutet das Aussichten auf Presseförderung für die Zeitung.
Moderatorin und Societyreporterin Clivia Treidl wechselt von Oe24 zu Puls 4, also von Fellner zu Breitenecker, berichtet TV-Media; Treidl ist die Lebensgefährtin von Gernot Blümel, Kanzleramts- und Medienminister in der ersten türkisblauen Koalition von ÖVP und FPÖ und einer der wichtigsten Wegbegleiter von Sebastian Kurz.
Heinz-Christian Strache tritt am 18. Mai 2019 als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück und Kanzler Sebastian Kurz beendet die Koalition einen Tag nach Bekanntwerden des 2017 heimlich aufgenommenen Videos, in dem die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge für die Übernahme und FP-freundliche Ausrichtung der Krone in Aussicht stellen, und am besten dazu einen ORF-Sender. Die türkis-blaue Regierung zerbröselt. – Alexander Wrabetz bleibt also noch länger ORF-Generaldirektor. Mit der ÖVP-FPÖ-Regierung fällt auch der Plan für ein neues ORF-Gesetz noch 2019.
Familie Fellner (Mediengruppe Österreich) bekommt von der Medienbehörde KommAustria im Tausch für ihre Radiolizenzen (und einige zugekaufte von Lounge FM) eine bundesweite Radiolizenz, die zweite Kronehit (2004). Die Fellners wollen den Sender noch vor dem Sommer 2019 samt einer Reihe von Streaming-Spartenkanälen starten. Es wird – auch wegen Verkaufsverhandlungen schon vor dem Start mit der deutschen Bauer-Gruppe – dann doch 26. Oktober 2019.
Am 11. Juni 2018 informiert der große Buch- und Zeitungsvertrieb Morawa die Belieferung von Trafiken und anderen Einzelverkaufsstellen mit Zeitungen und Magazinen mangels Aussicht auf wirtschaftliche Führung mit Jahresende 2018 einstellt. Eine Fusion mit der Zustellung des Salzburger Pressegroßvertriebs PGV ging wettbewerbsrechtlich nicht durch. Nun ist der PGV vorerst allein im (schwierigen) Markt. Laut Zeitungsverband werden weniger als 7 Prozent der Auflagen über den Einzelhandel abgesetzt, der allergrößte Teil über Abonnements.
Fast ein Jahrzehnt prozessierte die Mediengruppe Österreich gegen die Wiener Verkehrsbetriebe und ihren Vertrag mit Konkurrent Heute über Stellplätze für Entnahmeboxen in den U-Bahnen. Anfang September einigte man sich auf einen Vergleich, im Oktober macht ihn die Wettbewerbsbehörde offiziell. Heute in den Stationen, Österreich davor mit zusammen gut 500 Boxen ist okay, künftige Diskriminierung wird ausgeschlossen. Krone und Heute spekulieren über millionenschwere Entschädigungs- oder Kompensationszahlungen an die Fellner-Gruppe, die dementiert die kolportierte Höhe von 5 Millionen Euro. Fellners und Dichands klagen nun einander wegen der Artikel und Konter darüber wieder einmal, Eva Dichand verlangt die komplete Offenlegung des Vergleichs. Die BWB-Zusammenfassung gibt's hier.
Die Fellers beklagten, dass die Media-Analyse Zeitungen benachteilige, die in Print und Online unterschiedlich heißen. Ab Mitte 2018 nennen sie die Gratisausgabe nun nicht mehr Österreich, sondern Oe24 wie das Onlineportal, Radios und TV-Kanal. Damit steigen die Chancen der Kaufvariante Österreich deutlich, Presseförderung zu bekommen. 2019 lehnt die Medienbehörde der Antrag auf allgemeine und Vielfaltsförderung nur ab, weil Österreich noch kein Jahr überwiegend Kaufzeitung ist. 2020 könnte es dann soweit sein.
Herausgeber, Gründer und Macher Wolfgang Fellner erklärt seinen älteren Sohn Niki Fellner (* 21. März 1985) in der Branchenzeitung Horizont zum Gesamt-Chefredakteur über die Medien der Mediengruppe Österreich (Österreich, Oe24).
Die Mediengruppe Österreich bekommt ihren Fernsehsender Oe24TV, über Sat und Kabel und digital. Herausgeber Wolfgang Fellner verbringt fürderhin viel Zeit vor der Kamera, auch sein Sohn Niki muss bald ran bei Fellner Live.

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