Sind Facebook, Google, Whatsapp, Apple oder Fortnite Medien oder Medienunternehmen? In zentralen Punkten ist das egal: Sie spielen in derselben Liga wie klassische Medienunternehmen – um die Aufmerksamkeit und Zeit desselben Publikums. Um dasselbe Werbegeld und andere klassische Einnahmequellen für Journalismus. Und: Sie formen das Bild der Welt von Nutzerinnen und Nutzern entscheidend mit. Ein Überblick zum Onlinemarkt.

Das Wichtigste

  • ORF.at Weitaus größter österreichischer Player in Österreichs Onlinewelt, hinter Google und Facebook und Wikipedia und Amazon, ist laut Österreichischer Web-Analyse der öffentlich-rechtliche ORF mit ORF.at und einigen weiteren Seiten (ORF.at führt auch in den meisten Bundesländermärkten).
  • Krone, Willhaben, Standard. Mit einigem Respektabstand hinter dem ORF auf den vorderen Plätzen kommen noch Willhaben.at der Styria, krone.at, GMX.at und derStandard.at und dann auch Oe24.at.
  • Werbung. Über lange Zeit größte mediale Player im Online-Werbemarkt, freilich weit hinter Google und auch hinter Facebook: ORF.at und derStandard.at, krone.at holt auf, Willhaben.at ist ein Wachstumstreiber für die Styria.
  • Gemeinsam vermarkten. ORF und private Medienhäuser verhandeln (lange) an einer gemeinsamen (programmatischen) Vermarktung für Onlinewerbung.
  • Der ORF plant für 2020 erste Angebote aus seinem großen Projekt einer Social-Streaming-Plattform unter dem Titel ORF On, intern als ORF-Player bezeichnet. Dieser ORF-Player soll aus einer Reihe von Channels für Sport, Information, Kinder, Kultur, Wissenschaft und Religion, Audioinhalte bestehen, produziert auch zuerst oder auch alleine für die digitale Welt, mit User-Beiträgen, mit Foren für Diskussionen über das Programm insbesondere auch mit den Programmmachern. Aber das gehört vielleicht schon eher zur Gattung TV und Streaming.
    Deutlich mehr zum Thema gibt es hier im Lexikonstichwort Onlinemedien

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


US-Medien geben die Hoffnung auf Plattformen auf (Studie)
US-Medien glauben nicht mehr daran, dass sich Journalismus nachhaltig aus Werbung über die Präsenz auf Facebook und anderen Plattformen finanzieren lässt: Das Tow Center for Digital Journalism an der Columbia's Graduate School of Journalism veröffentlicht am 25. November 2019 den jüngsten Teil seiner Langzeitstudie über das Verhältnis von Medien und Techkonzernen, von Publishern und Plattformen. Als Ergebnis verkünden die Studienautoren nichts weniger als "Das Ende einer Ära". Relevante digitale Werbeeinnahmen, um Journalismus nachhaltig zu finanzieren, sehen sie nun nicht mehr in der Zusammenarbeit mit Facebook, Google und Co. Facebook könne zudem gleichsam mit einer kleinen Daumenbewegung (nach unten) die Reichweiten von Medien reduzieren oder abdrehen, das lernten die Medienmacher aus der Änderung des Facebook-Algorithmus 2018. Die befragten Medienmacher setzen nun zur Finanzierung auf ihre eigenen Plattformen – auch wenn sie sich natürlich nicht von denen der Tech-Konzerne zurückziehen. Sie würden aber erst die möglichen Einnahmen klären, bevor sie sich an neuen Angeboten von Facebook und Co. beteiligen, statt unbedingt dabeisein zu wollen. Medien konzentrierten sich auf die Wünsche ihrer Kernzielgruppen statt auf Reichweite insbesondere über Social Media. Die (längerfristige) Perspektive von zahlenden Kunden stehe im Vordergrund der Strategien, auch mit neuen Abomodellen. Die Debatten über Gefahren der Plattformen für Demokratie und Gesellschaft ließen die Medien zudem auf Distanz gehen. Für die Studie wurden – vertraulich – 42 Führungskräfte von 27 Medienhäusern, sechs Plattform-Konzernen und einer Stiftung befragt. Die lesenswerte Studie: https://www.cjr.org/tow_center_reports/platforms-and-publishers-end-of-an-era.php

Twitter will keine politische Werbung mehr zulassen
Am 30. Oktober 2019 verkündet Twittter-CEO Jack Dorsey, die Kurznachrichtenplattform werde ab 22. November 2019 keine politische Werbung mehr annehmen und transportieren. Eine klare Positionierung gegen Facebook – Mark Zuckerberg hat gerade erst angekündigt, politische Werbung keinen Faktenchecks zu unterziehen. Bei der Gelegenheit tut Facebooks Nummer 2, COO Sheryl Sandberg, kund, politische Werbung mache weniger als 1 Prozent des Werbeumsatzes aus, Zuckerberg spricht später von 0,5 Prozent. Die Totalsperre politischer Werbung dürfte für Twitter auch technisch keine leichte Übung werden.

Facebook beginnt in den USA, seinen „News Tab“ auszurollen
Facebook beginnt um den 25. Oktober 2019, seine zweite Timeline für Medieninhalte auszurollen mit einer Reihe von Partnermedienhäusern wie der Washington Post, Buzzfeed, News Corp. (Murdoch), Fox News, Business Insider, Bloomberg, NBC und USA Today. Bis zu drei Millionen Dollar pro Jahr versprach Facebook für Medieninhalte. Strategische Überlegung wohl: Die Medienbranche zu spalten, die Abgeltung für Inhalte fordert. Und Abgrenzung von Google, das sich insbesondere in der europäischen Leistungsschutz-Debatte standhaft und rundweg weigert, für Inhalte in seinen Suchergebnissen zu bezahlen. Für einiges Aufsehen sorgt, dass sich auch das weit rechte Breitbart News unter Facebooks Partnermedien findet.

Frankreichs Verleger werfen Google in Kartellbeschwerde Missbrauch der Marktmacht vor
Frankreich setzt als erstes Land die neue EU-Richtlinie über ein Leistungsschutzrecht für Verlage am 24. Oktober 2019 in Kraft. Google stellt Onlinemedien schon seit September formell vor die Wahl, der Suchmaschine zu erlauben, kurze Anrisse ihrer Inhalte auszuweisen – oder sie kommen in der Suche nur noch mit den Headlines vor. Frankreichs Verleger stimmen den Snippets zu – und kündigen im Verbund mit der Nachrichtenagentur AFP eine Beschwerde bei der französischen Wettbewerbsbehörde wegen Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung von Google an.

ÖVP-Gesetzesentwurf für Identifizierungspflicht in Foren geht ans Parlament
Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) übermittelt dem Parlament am 10. April 2019 seinen Gesetzesentwurf über Registrierungs- und Identifzierungspflicht für Foren. Nicht allein im Standard wird das "Gesetz für Sorgfalt und Verantwortung im Netz" als Angriff auf die größte Medien-Community im deutschsprachigen Raum gesehen - auch wenn sich der ÖVP-Medienminister andererseits europäische und österreichische Social-Media-Plattformen wünscht, die den US-Giganten wie Facebook gegenübertreten. Die Begutachtungsfrist endet am 23. Mai 2019 – wenige Tage nach Ibiza-Gate wird die ÖVP-FPÖ-Regierung da gerade durch ein Beamtenkabinett abgelöst. Den Entwurf finden Sie hier auf der Seite des österreichischen Parlaments (Link).

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