Die Presse, traditionsreiche bürgerliche Qualitätszeitung, seit den 1990ern im Besitz der Styria Media Group. Mit einigen Relaunches ab 2003 und einer Sonntagsausgabe ab 2009 lange Taktgeber der Modernisierung in diesem Genre. Im ewigen Match mit dem Standard über viele Jahre Nummer 1 nach Auflagen, aber Nummer 2 nach Reichweiten im Qualitätsmarkt.

Das Letzte: Updates zum Ein-/Ausklappen

Die Presse erklärt ihren Leserinnen und Lesern am 29. März 2020 im letzten Absatz ihres Editorials auf Seite 2, dass sie den Sonntagsvertrieb über Selbstbedienungstaschen (sogenannte Stumme Verkäufer) einstellt. Auch die Vertriebspartner erfahren aus der Zeitung davon, dass der Abschied von diesem Vertriebsweg fix ist. Denn SB-Vertrieb organisiert eine gemeinsame 50:50-Tochterfirma des Presse-Mutterkonzerns Styria und des Standard. Den Standard soll es nach Unternehmensangaben von Ende März 2020 weiter am Wochenende im SB-Vertrieb geben; eine weitere Reduktion der SB-Standorte ist möglich. Presse und Standard haben ihren SB-Vertrieb außerhalb Wiens bereits seit Jahren schrittweise reduziert. Der SB-Vertrieb in Wien beschäftigt Zeitungsmanager in diesem Frühjahr 2020, weil Gesetzesnovellen des Bundes und deshalb auch der Stadt Wien über die Gebrauchsabgabe für solche Nutzung öffentlicher Flächen Werbung auf diesen SB-Taschen drastisch einschränken könnte und Standorte neu zu bewilligen (und zu bezahlen) wären. Die SB-Taschen sind wesentliche vor allem innerstädtische Werbeflächen für die Zeitungen selbst, teils auch an Werbekunden vermarktet.
Michael Maier (* 21. März 1958) war schon Chefredakteur der Presse (1995), dann der Berliner Zeitung (1996 bis 1999), des Stern (1999), der Netzeitung (2000 bis 2009) und von 2012 bis 2019 Gründer, Herausgeber und Manager der Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Ich zitierte im Standard Kritik von Spiegel.de aus 2014 an dem Medium (ähnlich fielen auch Befunde anderer Medien aus). Als das schwedische Verlags- und Medienhaus Bonnier 2015 die Mehrheit dort übernahm, erklärte Maier mir: "Glauben Sie ernsthaft, dass ein so renommiertes Medienhaus wie Bonnier einen 'Onlinehändler von Verschwörungstheorien' kauft?" Vice nahm ähnlice Vorwürfe aus 2015 schließlich 2019 in einem Update zurück. Im September 2019 haben die Berliner Unternehmer Holger und Silke Friedrich nach eigenen Angaben ohne Verlagserfahrung den Berliner Verlag mit Berliner Zeitung und Berliner Kurier vom Verlagskonzern DuMont gekauft. Mit 1. November 2019 wird Maier Herausgeber der Berliner Zeitung und Vorsitzender der Geschäftsführung des Berliner Verlags.
Die Media-Analyse veröffentlicht die Reichweiten für Juli 2018 bis Juni 2019. Nur ein Titel kann bundesweit signifikant - also um mehr als die statistische Schwankungsbreite - zulegen: Der Falter steigert sich national von 2 auf 3,1 Prozent, in Wien von 5,3 auf 7 Prozent. Auf DIEMEDIEN.at verwende ich die jährlichen Media-Analyse-Werte (jeweils von Jänner bis Dezember). Die Daten für 2018/19 finden Sie unter diesem Link.
Er war die Graue Eminenz in größten katholisch geprägten Medienkonzern des Landes: Johann Trummer (* 18. Februar 1940), Priester, Musikprofessor, Organist und langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrats und des Stiftungsvorstands der Styria Media Group und der Katholischer Medienverein Privatstiftung. Dass der Mutterkonzern von Kleine Zeitung, Presse und Willhaben.at einer Stiftung gehört, geht nicht zuletzt auf Trummer zurück - der das Medienhaus unter alleiniger Kontrolle des Press-Vereins in der Diözese Graz-Seckau nicht ausreichend vor dem Einfluss des Grazer Bischofs geschützt sah. Trummer war bis zu seinem Tod am 18. Juli 2019 Stellvertreter von Styria-Aufsichtsratschef Friedrich Santner und Vorstandsvorsitzender der Katholischer Medienverein Privatstiftung.
Am 11. Juni 2018 informiert der große Buch- und Zeitungsvertrieb Morawa die Belieferung von Trafiken und anderen Einzelverkaufsstellen mit Zeitungen und Magazinen mangels Aussicht auf wirtschaftliche Führung mit Jahresende 2018 einstellt. Eine Fusion mit der Zustellung des Salzburger Pressegroßvertriebs PGV ging wettbewerbsrechtlich nicht durch. Nun ist der PGV vorerst allein im (schwierigen) Markt. Laut Zeitungsverband werden weniger als 7 Prozent der Auflagen über den Einzelhandel abgesetzt, der allergrößte Teil über Abonnements.

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