Der österreichweiter Gratiswochenzeitungsring von Wiener Bezirkszeitung bz bis Meine Woche hat weit mehr Leserinnen und Leser als selbst die Kronen Zeitung. Ein auch wirtschaftliches Schwergewicht der beiden Regionalmedienriesen Styria und Moser Holding.

Das Wichtigste zuerst: Nationaler Regionalwochenzeitungsriese

Österreichs größtes Printmedium – wenn man die Reichweite der fast 130 überwiegend wöchentlichen Gratiszeitungen und ihre Kooperationspartner zusammennimmt. Sie erreichen laut Media‐Analyse (2016) wöchentlich fast 50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab 14 Jahren. Der Gratiswochenzeitungsring gehört zu je 50 Prozent den beiden großen Regionalverlagen Styria Media Group (Kleine Zeitung, Die Presse, Willhaben.at) und Moser Holding (Tiroler Tageszeitung).

Die Medien

Wie kommt die RMA auf rund 50 Prozent Wochenreichweite? Beiträge zu diesem eindrucksvollen Wert liefern – Stand 2017 – laut RMA insgesamt 127 Titel, der Großteil davon gehört der RMA, einen kleineren Teil vermarktet (und zählt) sie mit. Die RMA‐Medien im Überblick:

    • BZ alias Wiener Bezirksblatt erscheint wöchentlich in 23 Ausgaben, gehört der RMA.
    • Bezirksblätter für Burgenland (6), Niederösterreich (29), Salzburg(7), Tirol (12, alle wöchentlich und im Besitz der RMA.
    • Meine Woche für Steiermark (19) und Kärnten (9), auch im RMA‐Besitz,
    • Der Grazer kommt in der steirischen Hauptstadt sonntags, gehört ebenfalls der RMA.
    • Draustädter, Feldkirchner, Gailtaler, Klagenfurter, Lavanttaler, Spittaler, St. Veiter und Völkermarkter alle 14 Tage sowie Mein Sonntag monatlich sind regionale Zeitschriften der Kärntner Regional Medien GmbH, die inzwischen auch zu 100 Prozent der RMA gehört.
    • Bezirksrundschau Oberösterreich war ein teures (Gratis-)Wochenzeitungsexperiment der Tiroler Moser Holding in den 2000er Jahren, gehört weiter der Moser Holding und ist Kooperationspartner der RMA mit 17 Ausgaben.
    • Bregenzer Blättle, Dornbirner Anzeiger, Feldkircher Anzeiger, Walgaublatt, Bludenzer Anzeiger sind Kooperationspartner der RMA in Vorarlberg und gehören zu 58,3 Prozent dem Bregenzer Drucker und Verleger Reiner Kolb und zu 41,7 Prozent wie praktisch alle Medien im westlichsten Bundesland dem Russmedia Verlag (Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger).

Digitale Aktivitäten der RMA: meinbezirk.at zu den Gratiswochenzeitungen, kregionalmedien.at, gesund.at, dazu das Printmagazin Hausarzt.

Die Reichweiten

Die Marktpositionen der RMA‐Titel in den einzelnen Bundesländern – jeweils unten in den Charts – im Vergleich mit (regionalen) Tageszeitungen und regionalen Wochenzeitungen:

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media‐Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

 

Der Konzern

Die Regionalmedien Austria AG zählt zu den fünf umsatzstärksten Verlagshäusern in Österreich. Die wichtigsten Daten 2017:

  • gut 90 Millionen Umsatz
  • 611 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente)
  • Ergebnis vor Steuern: 9 Millionen Euro
  • Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen, Zinsen (Ebitda): 11,3 Millionen Euro.

Die Mutterkonzerne Styria und Moser bedauern gleichermaßen, dass sie die RMA nicht in ihre Konzernabschlüsse konsolidieren können, weil sie nur je 50 Prozent halten. In ihren Angaben über den Marktumsatz (im Ranking unten) sind je 50 Prozent RMA‐Umsatzanteil eingerechnet.

Die Vielfalt der Titel ist für den Außenauftritt und redaktionelles Marketing hinderlich, eine gemeinsame Printmarke für die Wochenzeitungen war schon Thema.

Der Konzern im Markt

Österreichs größte Medienhäuser im Überblick (Chart ausklappen mit Klick auf den Titel):

Österreichs größte Medienhäuser nach Umsatz

Daten Geschäftsjahr 2017 nach Eigenangaben bzw. Firmenbuch, außer
** Schätzung
* = Geschäftsjahr zum 30. Juni des Vorjahres, nur bei Sky zum 30. Juni 2017
*** = Vermarkter, TV‐Plattformen, Sender
**** Telekom Austria: Umsatz in Österreich gesamt inklusive Telefonie, Daten…
Marktumsatz: Umsatz einschließlich Umsatz von nicht konsolidierten Beteiligungen nach Beteiligungshöhe.
° Red Bull Media House: Ab dem Geschäftsjahr 2016 änderte das Red Bull Media House (wohl bedingt auch durch neue gesetzliche Vorschriften über die Rechnungslegung) die Zuordnung von Erlösen und Umsätzen. Für 2015 wies der Jahresabschluss 2015 noch 61 Millionen Euro als Umsatz und 395 Millionen Euro als “übrige” unter den “sonstigen betrieblichen Erträgen” aus. Diese über Jahre jeweils weit dreistelligen übrigen Erlöse, 395 Millionen Euro etwa 2015, interpretiere ich bisher als Beiträge des Gesamtkonzerns Red Bull zum Media House – bei Red Bull kommentiert man das nicht. Im Jahresabschluss 2016 waren nun diese beiden Werte – 61 und 395 Millionen – zusammen als Umsatz 2015 – 456 Millionen Euro – ausgewiesen. Für 2016 nun nach neuer Berechnung 541 Millionen. Mit dem Jahresabschluss 2017 ist im Herbst 2018 zu rechnen.

 

Gereiht sind die Unternehmen nach – wenn verfügbar – konsolidierten Konzernumsätzen laut Firmenbuch oder Firmenangaben. Wo diese Daten fehlen, greife ich zu – möglichst fundierten – **Schätzungen.

Mit diesem Link geht es zur Übersicht auf derStandard.at/Etat

Die Eigentümer

Eigentlich wollten Styria Media Group und Moser Holding 2009 ihre gesamten Regionalmedien‐Aktivitäten zusammenlegen, inklusive Kleine Zeitung und Tiroler Tageszeitung. Der Megadeal zum voraussichtlich größten Verlagskonglomerat im Land scheiterte Anfang 2010 an persönlichen und wirtschaftlichen Auffassungsunterschieden, bevor ein Kartellgericht darüber entscheiden konnte – jedenfalls für’s Erste.

Graz und Innsbruck näherten sich in kleineren Etappen – wobei die ebenfalls 2009, parallel zum geplanten großen Deal gegründete RMA mit ihren gut 90 Umsatzmillionen so klein nicht ist. Styria und Moser Holding legten hier ihre Gratiswochenzeitungen zusammen oder – siehe Bezirksrundschau Oberösterreich der Moser Holding – brachten ihre Vermarktung ein.

Gemeinsame Sache machen Styria und Moser (und das Wiener Echo Medienhaus) auch mit regionalen Gratis‐Monatsmagazinen von der Tirolerin bis zur Burgenländerin und Wien Live Look unter dem Gemeinschaftstitel „Bundesländerinnen“, organisiert in der Life Style Magazin Verlags GmbH. Sie gehört zu 74,9 Prozent Moser und zu 25,1 Prozent der Styria.

Die Entscheider

Die Vorstandschefs der Mutterkonzerne wechseln einander im Vorsitz des Aufsichtsrats ab, der jeweils andere macht den Vize – also Hermann Petz für die Moser Holding und Markus Mair für die Styria.

Das Personal

Passend zur 50:50-Struktur gemeinhin zwei Vorstände, je einer für Innsbruck und Graz. Georg Doppelhofer (Junior) vertritt die Styria, RMA‐Gründungsmanager Gerhard Fontan ist seit Anfang 2017 für die Moser Holding zurück auf dieser Brücke.

Chefredakteur der Regionalmedien‐Titel ist Wolfgang Unterhuber, vorletzter Chefredakteur des 2017 eingestellten Wirtschaftsblatt.