Martina Salomon (* 3. August 1960) rückt ein dreiviertel Jahr nach Dienstantritt der ÖVP-FPÖ-Koalition zur Chefredakteurin des Kurier auf. Helmut Brandstätter wird dafür rund ein Jahr vor Vertragsende als Chefredakteur abgelöst.

Das Wichtigste im Überblick

  • Martina Salomon ist eine prononciert bürgerlich-konservative Politikjournalistin mit gelegentlichem Hang zu nicht überlegt wirkenden Aussagen, etwa über die Glaubwürdigkeit der Ernährung von weiblichen SPÖ-Vorsitzenden (2019 bei der Analyse des Sommergesprächs mit Pamela Rendi-Wagner in der ZiB 2).
  • Die Doktorin der Germanistik (Salzburg) aus Linz begann bei den Oberösterreichischen Nachrichten und dem ORF Oberösterreich, wechselte in die Wiener Redaktion der Tiroler Tageszeitung
  • Salomon war ab 1989 eineinhalb Jahrzehnte Innenpolitikredakteurin des Standard mit den Schwerpunkten Gesundheit und Bildung, parallel hatte sie eine Kolumne in der katholischen Styria-Wochenzeitung Die Furche.
  • Ab 2004 Innenpolitik-Chefin der Presse.
  • Mit 1. Oktober 2010 wechselt sie zum Kurier als Stellvertreterin des am 1. August 2010 gerade neu angetretenen Chefredakteurs Helmut Brandstätter. Sie übernimmt die Leitung des Wirtschaftsressorts und eine Kolumne ("Salomonisch").
  • Mit 1. Oktober 2018 muss Brandstätter fast ein Jahr vor Vertragsablauf seinen Job als Chefredakteur räumen. Er bleibt vorerst Herausgeber des Kurier, veröffentlicht im Frühsommer 2019 eine Abrechnung in Buchform mit ÖVP und FPÖ und seinen Erfahrungen mit dem türkis-blauen Umgang mit kritischer Berichterstattung. Brandstätter lässt durchklingen, dass der ÖVP-Chef und damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Brandstätters rascher und vorzeitiger Ablöse als Chefredakteur des Kurier 2018 wesentlich beigetragen habe.
  • Mitglied der Chefredaktion, zuständig für TV und Online, und recht handlungsfreudige Führungskraft wird beim Kurier bald danach Richard Grasl, der 2016 Alexander Wrabetz als bürgerlicher Gegenkandidat für die ORF-Führung unterlegen ist und in der Zwischenzeit mit einem tragischen privaten Ereignis beschäftigt. Grasl könnte nach Salomon Chefredakteur werden. Die Redaktion könnte einen neuen Chefredakteur aber mit Zweidrittelmehrheit ablehnen. Oder Herausgeber des Kurier, dafür braucht es keine Abstimmung in der Redaktion. Oder Geschäftsführer des Kurier.

 

Lexikonstichwort in Arbeit, vorerst lohnt sich ein Bezahlzugang allein dafür nicht. Sie finden dort ein paar Arbeitsproben Salomons und Persönliches.

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Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Kurier“: Nächtlicher Einsatz von Richard Grasl zu Kurz‘ Justizvorwürfen
Um 1.13 Uhr in der Nacht auf 8. Februar 2020 ging – laut APA-Datenbanken – auf kurier.at der Artikel online: "Streit um die Justiz: Wie die SPÖ ihr Personal unterbringen wollte". Untertitel: "Unterlagen belegen, dass die SPÖ schon im Jahr 1997 generalstabsmäßig ihren Einfluss bei Richtern und Staatsanwälten ausbauen wollte". Das Papier aus 1997 wird in diesen Tagen von der ÖVP vielen Redaktionen ans Herz gelegt, um die Vorwürfe von Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz in einem Hintergrundgespräch im Jänner zu untermauern, die Justiz sei von der SPÖ unterwandert und würde alleine gegen ÖVP und FPÖ vorgehen und Material aus diesen Erhebungen leaken. Das Kurier-Innenpolitikressort wollte, soweit in Erfahrung zu bringen, vor der Veröffentlichung noch recherchieren. Richard Grasl, für Web zuständiges Mitglied der Kurier-Chefredaktion, schreibt die Story spätnachts ohne Rückfragen bei Maria-Luise Nittel, die in dem Papier als Teilnehmerin einer Strategiebesprechung von SPÖ-nahen Juristen genannt wird und im Artikel als Beispiel für SPÖ-Unterwandung vorkommt. Die heutige Leiterin der Staatsanwaltschaft Wien hätte den Kurier daran erinnern können, dass der Kurier bereits 2011 nach ihrer Klage eine Gegendarstellung brachte, dass sie 1997 weder eingeladen war noch teilgenommen hat. Darauf weisen Nittel und Justizministerium den Kurier am Samstag nach der Veröffentlichung hin, der bringt aber keine Richtigstellung, sondern ergänzt nur Nittels Dementi und einen Link zur alten Gegendarstellung. Nun klagt Nittel 2020 nach eigenen Angaben ein zweites Mal den Kurier in derselben Sache. Das Justizministerium weist den Presserat auf den Kurier-Bericht und eine ähnliche Vorgangsweise bei oe24.at hin. Auch in der Presse soll die Story übrigens einen für eine Innenpolitikgeschichte nicht ganz üblichen Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. Der Redakteursauschuss des Kurier protestiert gegen die nächtliche Story ohne Namensnennung oder Kürzel und verlangt für die Zukunft Rücksprache mit Ressortleiter oder -stellvertreter. Zwei Wochen darauf, mit dem Relaunch des Kurier am 24. Februar 2020 bekommt der Kurier auf Seite 2 eine schöne neue Rubrik "Was uns heute bewegt...", jedenfalls in den ersten Tagen mit der Byline: "Richard Grasl aus dem Kurier-Newsroom".

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