Oliver Stribl (13. Jänner 1974) ist - bis Februar 2022 - der Millionen-Mann der österreichischen Medienpolitik: Als Geschäftsführer der Rundfunk- und Telekomregulierungs-GmbH (RTR) verteilt er pro Jahr 37 Millionen Euro an Förderungen größtenteils unter TV- und Radiosendern. Mit März 2022 wechselt er in die Geschäftsführung der Wien Holding, die RTR braucht einen neuen Chef oder eine neue Chefin.

Das Wichtigste

  • Der Medien-Geschäftsführer der Rundfunk- und Telekomregulierung-GmbH entscheidet über die Vergabe von 20 Millionen Euro für kommerziellen Privatfunk (Details unter Medienförderungen) sowie 13,5 Millionen Euro für TV-Produktionen mit Wertschöpfung in Österreich an Produzenten und Sender, 3 Millionen für nicht kommerziellen Privatfunk und 0,5 Millionen aus dem Digitalisierungsfonds. An Empfehlungen der dafür eingerichteten Fachbeiräte muss sich der RTR-Geschäftsführer bei der Fördervergabe nicht halten – 2019 teilt Stribl etwa Oe24.TV der Fellners mehr zu, als der Beirat empfiehlt.
  • Die zwei Geschäftsführer der Rundfunk- und Telekomregulierung-GmbH (einer für Medien, einer für Telekom) verdienen laut Einkommenserhebung des Rechnungshofs (veröffentlicht 2019, Stand 2018) im Schnitt 183.500 Euro im Jahr. 2017, auf den letzten Metern des Langzeit-RTR-Mediengeschäftsführers Alfred Grinschgl, waren es noch im Schnitt 218.600 Euro.
  • Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) bestellte Stribl mit 16. August 2017 zum Geschäftsführer der RTR. Um den Job haben sich etwa auch Sebastian Loudon (Zeit-Repräsentant in Österreich und später auch Datum-Herausgeber, früher bei der RTR und Ex-Herausgeber im Manstein-Branchenverlag) und Corinna Drumm (VÖP) beworben. 2022 ist der Job neu zu vergeben.
  • Stribl leitete von 2011 bis 2015 den Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, die zentrale Schaltstelle insbesondere für Werbung - Wien ist laut Medientransparenz-Daten der größte öffentliche Bucher von Werbung. Von Jänner 2016 bis Mitte September 2017 war er eingetragen als Geschäftsführer des Manstein-Branchenverlags und Herausgeber der Branchenzeitung Horizont. Als Chefredakteurin kam mit Stribl seine damalige Lebensgefährtin Marlene Auer zum Horizont, sie leitet inzwischen die Freizeit-Wochenendbeilage des Kurier.
  • Stribl schloss sein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Wien mit der Diplomarbeit Cyberdemokratie : die Auswirkungen der Informations- und Kommunikationtechnologie Internet auf die allgemeine Infrastruktur der Demokratie mit dem Magistertitel ab.

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Das Letzte: Updates zum Ein-/Ausklappen

Oliver Stribl bemüht sich nicht um die Verlängerung seines Vertrags als Geschäftsführer der viele Millionen schweren Medienförderstelle RTR, der im Sommer 2022 nach fünf Jahren zu erneuern gewesen wäre. Am 22. Dezember 2021 gibt die Wien Holding bekannt, das Stribl mit März 2022 als weiterer Geschäftsführer zum stadteigenen Konzern wechselt. Die RTR braucht also einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Womöglich hat die eine oder der andere Bewerber:in von 2017 noch Interesse. Die Entscheidung liegt beim Bundeskanzler oder, so vorhanden, Medienminister im Kanzleramt, 2022 dürfte das Susanne Raab (ÖVP) sein.
Die Regierung von ÖVP und Grünen schickt die nächste Medienförderung am 28. Jänner 2021 in Begutachtung: Der neue "Fonds zur Förderung der digitalen Transformation" bringt jährlich 15 Millionen Euro Förderung für Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Monatstitel, Volksgruppentitel sowie private TV- und Radiosender, kommerzielle wie nicht kommerzielle. Schon 2020 für die Förderung gewidmete 19 Millionen werden im ersten Jahr zusätzlich ausgeschüttet, 2021 gibt es also 34 Millionen Euro. Der Geschäftsführer der RTR GmbH (Geschäftsstelle der Kommaustria, derzeit Oliver Stribl) vergibt die Förderung; die Verteilung überlässt das Gesetz großteils den Richtlinien, die sich die RTR (und damit ihr Geschäftsführer) selbst gibt. Ein Richtlinienentwurf (Stand Jänner 2021) sagt: Zwei Drittel der Förderung werden für Projekte vergeben (jeweils bis zu 750.000 Euro) - von besseren Arbeitsabläufen und Kundenakquisemodellen, die fast drei Viertel der Förderung ausmachen sollen, bis zu Datensjournalismus und Barrierefreiheit sowie Jugendschutz. Ein Drittel der jährlichen Fördersumme geht als "Basisförderung" alleine an Printmedien (samt 1 Prozent für Volksgruppenmedien). Bemessen wird sie nach Digitalumsatz (Vertrieb journalistischer Inhalte, 50 Prozent), Auflage/Reichweite (40 Prozent) und Zahl journalistischer Arbeitsplätze (nach KV, 10 Prozent). Presseförderung wird hier gegengerechnet - klingt nach einem Bonus für Gratisblätter (geplant war zunächst auch die Gegenrechnung mit Mehrwertsteuer-Reduktion 2020 für Zeitungsverkäufe, sie soll aber aus Richtlinienentwürfen gestrichen sein). Pro Medienunternehmen/verbund können bis zu 1,75 Millionen Förderung pro Jahr ausgeschüttet werden (2021 bei mehr als doppelter Gesamtförderung wohl mehr). Die EU muss die neue Förderung genehmigen; allerdings äußert sie kurz vor Ablauf der Frist im Spätsommer 2021 Bedenken etwa gegen Rundfunkförderung. Die Digitalförderung dürfte damit erst 2022 kommen.

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