Eines der schon recht alten Massenmedien – und auch heute noch eines der gewichtigsten, jedenfalls in Österreich: 62 Prozent der Menschen ab 14 sagten 2018, sie greifen täglich zu einer Kauf- oder Gratiszeitung. An die Zeitungen gehen in Österreich lange Jahre die höchsten Brutto-Werbevolumina – auch und vor allem jene öffentlicher Stellen. Der Branche ging es aber schon deutlich besser. Jüngstes Opfer: Die Styria stellt Anfang September 2016 das Wirtschaftsblatt nach 17 Millionen Verlust in 10 Jahren ein.

 

 

  • In Österreich lesen - laut Umfragen - soviele Menschen gedruckte Zeitungen wie in keinem anderen Land.
  • Den bundesweiten Markt und den Osten Österreichs dominiert das Massenblatt Kronen Zeitung mit seinen vielen Regionalausgaben, im gemeinsamen marktbeherrschenden Verlag Mediaprint verbunden mit dem Kurier (Raiffeisen).
  • In Wien ist das kostenlose "Heute" die größte Tageszeitung - auch an ihr ist ein Mitglied der Familie Dichand beteiligt. "Heute" matcht sich im Gratismarkt mit "Österreich/Oe24" der Familie Fellner.
  • Ab Oberösterreich und Steiermark westwärts dominieren jeweils regionale Medienhäuser in Familienbesitz den regionalen Zeitungs- und Medienmarkt, in der Steiermark und Kärnten die der katholischen Kirche sehr nahe stehende Styria (Kleine Zeitung).
  • Im Qualitätsmarkt matchen sich Die Presse der Styria und Der Standard der Familie Bronner, der online eine der größten Medienplattformen betreibt.
  • Die Republik leistet sich - international eine Seltenheit - eine eigene Tageszeitung, die Wiener Zeitung.
  • Werbung öffentlicher Stellen in dreistelliger Millionenhöhe ist finanziert Österreichs Zeitungsmarkt wesentlich, insbesondere den Boulevard. Formell unterstützt die Republik Tages- und Wochenzeitungen mit rund 9 Millionen Presseförderung pro Jahr.

ERKLÄRTEXT Hier geht es weiter mit dem österreichischen Zeitungsmarkt, allen Titel mit Eigentümern von Dichand bis Russ, von Bronner bis Fellner und von Styria bis Cuturi sowie ihren Verflechtungen, mit der Entwicklung der Reichweiten national und regional aller Tageszeitungen in Timelines sowie aktuellen Übersichten, den detaillierten Auflagen von Massen- und Qualitätspresse, einer Timeline der wichtigsten Entwicklungen im österreichischen Zeitungsmarkt seit 1945 und eine Timeline aller Zeitungsgründungen und -einstellungen seit 1945 in Österreich. Mehr zur Presseförderung und zur Werbung öffentlicher Stellen finden Sie unter diesen Links.

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Media-Analyse 2018/19: Falter legt als einziger Titel bundesweit zu
Die Media-Analyse veröffentlicht die Reichweiten für Juli 2018 bis Juni 2019. Nur ein Titel kann bundesweit signifikant - also um mehr als die statistische Schwankungsbreite - zulegen: Der Falter steigert sich national von 2 auf 3,1 Prozent, in Wien von 5,3 auf 7 Prozent. Auf DIEMEDIEN.at verwende ich die jährlichen Media-Analyse-Werte (jeweils von Jänner bis Dezember). Die Daten für 2018/19 finden Sie unter diesem Link.

Was ist das eigentlich – eine Zeitung?

Traditionell ein dünnerer oder dickerer Packen Papier voller Texte und Bilder, die einen ziemlich hohen Anspruch erheben: Das ist ein aktuelles, gültiges und abgeschlossenes, komplettes und kommentiertes Bild der wesentlichen Teile der Wirklichkeit.

Was wesentlich ist, bestimmen idealerweise die Redaktion und ihre Führungskräfte, ihr Wissensstand, ihre Einschätzung über Wichtigkeit und Interessen ihres Publikums, zudem die Blattlinie. In der Realität bestimmen etwa Werbekunden dieses Bild mit – in der harmlosesten Form: je mehr Inserate, desto mehr Seiten kann sich die Zeitung leisten, desto breiter und hoffentlich umfassender wird das Bild.

Inzwischen haben diese Zeitungen natürlich Plattformen im Web, die aus dem abgeschlossenen Bild einen möglichst laufend und rasch aktualisierten Nachrichtenstrom machen, sie sind, mal mehr, mal weniger präsent in Social Media und vor allem in einer Schlüssel-Vertriebsplattform für Inhalte aller Art, Facebook. Und manchmal gibt es Zeitungen allein im Web – siehe etwa das mit April 2017 nach zweieinhalb Jahren eingestellte Bezahlportal NZZ.at. Wenn man da noch von Zeitung sprechen will.

Ein Unterscheidungsmerkmal von Zeitung gegenüber dem zweiten großen Segment aktueller Druckmedien wirkt in digitalen Zeiten vermutlich ein bisschen überholt; es ist mir dennoch wichtig: Für mich ist das Papier ein Charakteristikum von Zeitungen – auch wenn Magazine aus Kostengründen auch gern an ihrer Papierqualität und ‑haptik sparen. Ich ordne daher etwa den Falter beharrlich zu den Wochenzeitungen, so magazinhaft seine Cover auch gestaltet sind. Und Profil oder News sind in dieser Systematik Magazine oder Zeitschriften, auch wenn ihr Papier dünner und dünner wurde.

Wie funktionieren Zeitungen – wirtschaftlich?

Wie finanzieren sich Zeitungen also? Das grobe Grundmodell, auf drei bis vier Säulen:

  • Vertriebseinnahmen – am liebsten von Dauerkunden im Abonnement. Oder im Einzelverkauf in der Trafik oder im Supermarkt – ein schwindendes Segment.  Oder, eine Sonderform, in einer Art gesponsertem Großabo für Mitglieder von Kammern, Vereinen, Firmen, Firmenkunden – gern auch in weitgehend bargeldlosen Deals im Tausch für Inserate.
  • Werbeeinnahmen Wie in jedem Medium gilt: Je größer das Publikum, auch in einer bestimmten Zielgruppe, desto (potenziell) mehr Werbeeinnahmen. Werbeumsätze von Zeitungen sinken freilich international und auch in Österreich ziemlich markant. Das lässt sich auf mehrere Entwicklungen zurückführen: 1. Mehr Konkurrenten im Markt – vor allem Gratiszeitungen und ‑ausgaben wie Heute und Österreich. Gratiszeitungen finanzieren sich praktisch ausschließlich über Werbung. 2. Billige TV-Werbeplätze im klassischen (Privat-)Fernsehen – und Bewegtbildwerbung über digitale Kanäle, etwa Youtube. 3. Die Konkurrenz digitaler Medien um Werbegeld – Onlinewerbung ist weit billiger als gedruckte.
  • Förderungen Kauftages- und ‑wochenzeitungen können in Österreich Presseförderung des Bundes beantragen, kleinere haben Anspruch auf mehr, marktbeherrschende auf weniger Subvention. Die Presseförderung wurde über die vergangenen Jahre auf rund 8,7 Millionen Euro gekürzt. Das ist ein winziger Bruchteil jener Summen, die öffentliche Stellen für ihre Werbung zahlen. Und das sind oft Werbebuchungen, die man auch als eine Art inoffizielle Medienförderung verstehen kann. Der Zeitungsverband VÖZ fordert mehr als 30 Millionen Bundespresseförderung. Für seltener erscheinende Printtitel gibt es noch weit geringer dotierte Publizistikförderung. Einzelne Verlagshäuser versuchen auch, allgemeine Wirtschaftsförderungen zu bekommen.
  • Querfinanzierung in und mit anderen Wirtschaftszweigen, manchmal auch medialen. Zeitungsverlage versuchen natürlich, mit Onlinewerbung oder auch Bezahlinhalten sinkende Einnahmen der gedruckten Medien auszugleichen. Das gestaltet sich oft eher schwierig. Verlage investieren auch in eher medienferne digitale Geschäftsfelder – also etwa Kleinanzeigen- und Handelsportale für Tiere oder Gebrauchtmaschinen oder Mietobjekte oder in einen Online-Skiverleih, wie bei Vorarlbergs Russmedia. Der Verlag des Standard übernahm zum Beispiel 2013 ein Auto-Rabattportal. Als zusätzliche Standbeine dienen auch Corporate-Publishing-Aktivitäten – Auftragsmedien für Firmen und Organisationen wie Kunden- oder Mitgliederzeitschriften. Querfinanzierung meint hier – nur grob angerissen  – zum Beispiel ebenso Verlage mit starken Standbeinen im Immobiliengeschäft. Die Salzburger Nachrichten zum Beispiel haben eines; auch die Oberösterreichischen Nachrichten (Wimmer Holding) verwirklichen in den 2010er Jahren ein gewaltiges Immobilienprojekt in der Linzer Innenstadt. Die Medien- und Firmengruppe um Österreich wiederum handelt unter anderem mit Autos und Reisen und Medikamenten – und Familie Fellner ist in Immo- und Geldgeschäften recht aktiv.

Das ist nur ein grobes Bild der größeren Geldquellen – und es beschreibt das Arsenal an kleineren Finanzierungsmöglichkeiten und Geschäftspraktiken keineswegs komplett. Die eine oder andere, nicht unbedingt nachahmenswerte Praktik schildere ich bei jenen Medien, die sie besonders gerne anwenden.

Wer liest Zeitungen?

So entwickelte sich die Reichweite der Zeitungen in den verschiedenen Altersgruppen

Die Zeitungserlöse

So entwickelte sich die Erlösstruktur österreichischer Tages- und Wochenzeitungen (Mitglieder des Zeitungsverbands VÖZ, ohne die Gratistitel Heute und Österreich/Oe24 in den vergangenen Jahren:

Die Nettowerbeerlöse im Branchenvergleich

Und so steil bergab gingen die Nettowerbeerlöse der Zeitungen in Deutschland in den vergangenen Jahren:

Quelle: ZAW

Die Zeitungs-Daten

Wie sieht er nun aus, der österreichische Zeitungsmarkt? Hoch konzentriert, stellenweise durchaus vielfältiger als andere, teils auch wirtschaftlich noch ein bisschen fitter als andere Zeitungsmärkte in Europa und den USA. Aber: Es geht noch ein bisschen konkreter. Dafür braucht es Daten.

Die Media-Analyse

Die Media-Analyse liefert halbjährlich Reichweiten und Leserzahlen von Zeitungen und Zeitschriften in Österreich. Die Daten basieren auf einer Umfrage von GfK und Ifes mit mehr als 15.000 Interviews pro Jahr. Die jeweils aktuellen Reichweiten finden Sie auf www.media-analyse.at unter Studien.

Ich verwende auf dieser Plattform jeweils die Ganzjahres-Daten der Media-Analyse (Vergleich mit Halbjahresdaten wegen Überschneidungen nicht zulässig).

Die Auflagenkontrolle (ÖAK)

Die Österreichische Auflagenkontrolle, kurz ÖAK, liefert relativ detaillierte Auflagenzahlen – also: Wieviele Exemplare verkauft eine Zeitung oder ein Magazin im Abonnement, voll oder teilweise bezahlt, an einzelne Adressen oder Großabnehmer? Wieviele Hefte verkauft der Titel im Einzelhandel? Wieviele verkauft er über Selbstbedienungstaschen am Wochenende (ja, diese Exemplare gelten als verkauft)? Wieviele verbreitet er kostenlos und über welche Vertriebswege? Wieviele Hefte druckt das jeweilige Medienhaus von diesem oder jenem Titel?

Genau, das klingt nicht gerade übersichtlich. Die jeweils aktuellsten, halbjährlich veröffentlichten Daten finden Sie auf www.oeak.at. Sie basieren auf Meldungen der Verlage, die Wirtschaftsprüfer im Auftrag des ÖAK-Trägervereins stichprobenartig etwa anhand von Druckerei- und Vertriebsabrechnungen kontrollieren. Abweichende Ergebnisse werden veröffentlicht.

Die ÖAK galt als besonders verlässlicher Maßstab – bis Anfang 2012 ein neuer Manager der News-Gruppe zugab, dass der Magazinkonzern unter seinen Vorgängern über Jahre hinweg die Auflagen seiner Titel nach oben gelogen und getrickst hat, manche um mehr als 100 Prozent ihrer tatsächlichen Verkäufe hochgeflunkert.

Focus Media Research

Liefert, wie für alle größeren Mediengattungen Brutto-Werbedaten. Daten für einzelne Titel werden allerdings sehr gut gehütet und sind nicht öffentlich zugänglich. Die verfügbaren Daten finden sie auf www.focusmr.com.

Aufstieg und Fall der großen Blätter

Der Zeitungsmarkt – national und täglich

Zum Einstieg Österreichs Zeitungsmarkt im Überblick: Wieviele Exemplare verbreiten und verkaufen Österreichs tägliche Blätter, und wieviele Abos haben die einzelnen Titel (Stand: Jahresschnitt 2015/16 laut Österreichischer Auflagenkontrolle ÖAK, noch mit den letzten Daten des im September 2016 eingestellten Wirtschaftsblatt). Und gleich darunter die große Reichweiten-Timeline: Wer liest was seit 1965.

Die Zeitungsauflagen

Die Zeitungsreichweiten

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich; seit Ende Juni 2018 erscheint Österreich als Gratiszeitung unter dem Titel Oe24.

Aufstieg und Fall der großen Blätter – die nationalen Reichweiten von Massenzeitungen in Österreich seit 1965 laut Media-Analyse im Überblick:

Österreichs mit Abstand reichweitenstärkste Zeitung? Ist längst nicht mehr die KroneAber wenn es um Tageszeitungen geht, ist das Kauf-Organ der Familie Dichand und der deutschen Funke-Gruppe noch immer und gewiss noch viele Jahre der marktbeherrschende Titel. Die Nummer zwei, Heute? Bleibt in der Familie, Dichand nämlich – jedenfalls zu vorerst 24,4 Prozent.

Und wer hat mehr als die Krone? Der Gratiswochenzeitungsring der RMA. Aber auf die Wochenzeitungen und ihren Markt kommen wir noch – hier geht es um Tageszeitungen. Die sind lange so etwas wie die Königsdisziplin der Medien- und Meinungsmacher. Und vielleicht noch lange.

Das Dichand-Duopol

Erst kommt die Krone, und dann kommt lange nichts: Das gilt spätestens seit den frühen 1970er Jahren mit einem Höhepunkt 2005: Damals gaben 44,9 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher laut Media-Analyse an, sie hätten die Kronen Zeitung am Vortag gelesen oder durchgeblättert. Und die Krone ist – österreichweit – weiter vorne.

In Österreich kommt die zweitgrößte Tageszeitung – Heute – wochentags (2016) auf 13,3 Prozent bundesweit – deutlich weniger als halb soviele Leserinnen und Leser wie die Krone. Und: Heute gehört zur Familie: Bis 2016 gehörte die Mehrheit am Gratiszeitungsverlag einer Stiftung namens Pluto von Eva Dichand, danach hält sie noch 24,4 Prozent der Gratiszeitung. 25,5 Prozent am Verlag gehören dem Schweizer Medienriesen Tamedia und ab 2016 die Mehrheit von 50,1 der Periodika-Stiftung, der Heute-Gründer und ‑Geschäftsführer Wolfgang Jansky vorsteht, der ehemalige Pressesprecher des späteren SPÖ-Chefs und Bundeskanzlers Werner Faymann.

Die Krone gehört zu 50 Prozent der Familie Dichand – den Erben des Gründers Hans Dichand. Dessen jüngerer Sohn Christoph vertritt die Erben, er ist Herausgeber und Chefredakteur der Krone; und Christoph Dichand ist verheiratet mit Eva Dichand, sie haben drei Kinder. Und die sind neben Eva Dichand Begünstigte der Pluto Privatstiftung hinter Heute.

In Wien hat Heute die Krone längst überholt.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich; seit Ende Juni 2018 erscheint Österreich als Gratiszeitung unter dem Titel Oe24.

Die kumulierten Reichweiten für dieses Duopol zeichnen ein noch schärferes, aber ebenso drastisches Bild des Markts: Bereinigt um Überschneidungen also, Doppelleser werden hier nur einmal gezählt, kommen Krone und Heute zum Beispiel in der Media-Analyse 2016 auf österreichweit 49,1 Prozent Reichweite. In Wien auf 47,4 Prozent, in Niederösterreich auf 45 Prozent und im Burgenland auf mehr als 49,4 Prozent, jeweils in der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren. Tendenz: sinkend.

Aber woher kommt das alles?

Warum ist die „Krone“ so groß?

Mit den Erfolgsrezepten der Kronen Zeitung lassen sich Bücher füllen. Hier die wichtigsten Zutaten seit ihrem Neustart 1959, sehr knapp umrissen:

  • Kleinformat In den 1960ern in Ostösterreich eine handliche Ausnahmeerscheinung. Den einzig relevanten Konkurrenten, eine ÖVP-Zeitung, überreden die Krone-Macher, gemeinsam auf Großformat umzustellen und den Preis zu erhöhen – und machen dann doch nicht mit. Damit war die Krone allein klein.
  • Sonntags-Selbstbedienung Österreichs Trafiken (Tabak- und Zeitungsgeschäfte) blieben ab 1962 sonntags geschlossen. Hans Dichands Krone-Kompagnon Kurt Falk erfand Selbstbedienungs-Geräte (erst Tische, dann Taschen). Wieder eine Alleinstellung.
  • Gewinnspiele und Serien starten am reichweitenstarken Sonntag und motivieren Leserinnen und Leser, auch unter der Woche zur Krone zu greifen. Ab Ende der 1960er erscheint die Krone statt sechsmal die Woche jeden Tag, laut Falk auch ein wesentlicher Erfolgsbeitrag.
  • Abobeigaben Falk setzt mit Erfolg auf Abokombinationen: Bügeleisen, Küchenuhr, Schaukelpferd zum Krone-Abo. Die Beigaben werden immer aufwändiger, ebenso die Gewinnspiele.
  • Regionalausgaben Ab 1968 beginnt die Krone in Oberösterreich, mit Regionalausgaben und ‑redaktionen und den übrigen Erfolgsrezepten Land um Land, Landeszeitung um Landeszeitung aufzurollen: 1972 Steiermark, 1974 Salzburg, 1983 Kärnten, 1992 Tirol. Mit wechselnd großem Erfolg, aber immer wesentlichen Beiträgen zur nationalen Gesamtgröße.
  • Hauszustellung Um mit Regionalblättern bei Abonnenten mitzuhalten, begann die Krone rasch, eigene Frühzustellungen aufzubauen.
  • Kampagnen und der kleine Mann Krone-Boss Hans Dichand (und Kurt Falk) bewiesen über Jahrzehnte ein Gespür für die Gemütslage des angeblich einfachen Volkes. Mit Kampagnen etwa, und Brachial-Kolumnisten wie Richard Nimmerrichter („Staberl“) oder Michael Jeannée („Post von“) versuchen, dem Volk aus seiner oft gar nicht schönen Seele zu sprechen – vom einfachen Politikerbashing bis Xenophobie, Rassismus, Antisemitismus und Anspielungen auf NS-Terminologie. Falk überlegte gar, eine Art Krone-Oppositionspartei zu gründen. Längst erfüllt die Aufgabe die FPÖ perfekt.
  • Good News: Tiere, Kinder, Körper, Sport Zugleich verstand und versteht die Krone, ihre Leserinnen und Leser nicht durchwegs mit Mord, Totschlag, Katastrophen und der Unfähigkeit der „Mächtigen“ zu deprimieren. Kinder, Tiere und Nackte zum Beispiel erfreuen das Publikum, oder zumindest einen Teil davon. Und: Der Sport bekommt in der Krone von jeher eine große Spielfläche für Heldengeschichten und Vereinsmeierei, für Nationalstolz und Siegesgefühle.
  • Polit-Support Um die Krone-Universalopposition milde zu stimmen,  stellen sich Regierungspolitikern mit Geschenken ein: ansehnliche Inseratenbudgets öffentlicher Stellen, rechtliche Zugeständnisse, eine Druckerei oder eine Zeitung aus Parteibesitz – oder auch einfach kartellrechtliche Untätigkeit wie bei der Mediaprint.
  • Konkurrenten übernehmen, einstellen, durch Umarmung kontrollieren, oder vorbeugend selbst gründen: Den Express reichte die SPÖ etwa um 1970 an den Hauptkonkurrenten Krone weiter, der sie wenige Jahre danach einstellte. Als wichtigster, erbitterter überregionaler Mitbewerber und Nummer zwei im nationalen Zeitungsmarkt blieb über Jahrzehnte der Kurier. Bis die deutsche Funke-Gruppe 1987 und 1988 bei den beiden größten Blättern einstieg und ihre Verlage im marktbeherrschenden Zeitungsriesen Mediaprint vereinte. Und bevor andere, internationale Konzerne der Krone mit Gratiszeitungen Konkurrenz machten, gründete sie selbst eine: den U‑Express, Vorläufer von Heute, der noch in der Mediaprint erschien.

Mehr über die Kronen Zeitung: Hier entsteht auf diemedien.at ein Buch über Österreichs größtes Kleinformat

Eher kein Erfolgsrezept, aber eine Grundkonstante der Krone seit ihrer Neugründung 1959 ist: Die Krone-Gesellschafter streiten – über Renditen meist und Anteile am Gewinn, über Einfluss auf Personal, auf die Redaktion und/oder die Geschäftsführung. Aus solchem Streit entstand die eigenwillige Konstruktion von Heute.

Hans Dichand und Funke-Gruppe stritten 2004 wieder einmal besonders erbittert – und Funke verbündete sich mit Kurier-Gesellschafter Raiffeisen im gemeinsamen Verlag Mediaprint, um Dichands Lieblingsspielzeug mit Ende März 2004 einzustellen: die damals von der Mediaprint herausgegebene Gratiszeitung U‑Express. Dichand bat die deutschen Mitgesellschafter danach noch um ihr Okay zu einer eigenen Gratiszeitung Dichands – ohne Erfolg. Also gründeten Hans Dichand nahe stehende Menschen eben für Dichand eine neue Gratiszeitung.

Woher kommt „Heute“?

Warum gibt es Heute, und das in dieser eigenartigen Konstruktion? Der Pressesprecher von Hans Dichands Lieblingspolitiker (und Wahlneffen) Werner Faymann, der ist damals Wiener Wohnbaustadtrat und wird noch Bundeskanzler, verlässt Faymanns Kabinett und gründet mit einem Kredit der traditionell roten Bank Austria einen Verlag (in einer schon bestehenden GmbH) im Eigentum von Stiftungen und, wie sich später herausstellt, Treuhandkonstruktionen.

Dieser Expressesprecher Wolfgang Jansky startet, fünf Monate nach Ende des U‑Express, mit dessen Mannschaft eine Gratiszeitung namens Heute. Nicht lange danach, 2005, wird Eva Dichand, die Frau des Krone-Thronfolgers Christoph Dichand, Geschäftsführerin, bald auch Herausgeberin von HeuteErst 2012 – als das Medientransparenzgesetz dazu zwingt – legt sie offen, dass ihre Pluto Privatstiftung über eine Treuhandkonstruktion schon seit 2005 74 Prozent der Anteile hält. Begünstigte der Stiftung: Eva Dichand und ihre drei Kinder in der Ehe mit Christoph.

Nach einem Zwischenschritt Ende 2014 – 51 Prozent Dichand-Stiftung, 49 Prozent Periodika – steigt 2016 der größte Schweizer Verlagskonzern Tamedia (20 Minuten, Tagesanzeiger) bei Heute ein: Die Schweizer 25,5 Prozent an der Zeitung und 51 Prozent an heute.at halten. Die Dichand-Stiftung Pluto besitzt dann nur noch 24,4 Prozent an der Zeitung, die SPÖ-nahe Periodika erhöht mit dem Einstieg der Schweizer auf 50,1 Prozent.

Würde Eva Dichands Stiftung ihre Heute-Anteile komplett verkaufen, würde das größere Wellen schlagen: Die Krone könnte damit auf Sicht ihr quasi befreundetes Gratis-Beiboot verlieren. Das könnte entweder darauf hindeuten, dass Eva Dichand darauf keine Rücksicht nimmt. Oder dass sich die Familie langsam auch von der Krone verabschiedet – was wohl durchaus im Sinne einzelner Familienmitglieder wäre.

Aber hier sind wir – vorerst – weit im Feld der Spekulation. Noch lebt das Dichand-Duopol mit seinen mehr als 50 Prozent gemeinsamer Nettoreichweite in Wien, dem Wiener Gratisriesen Heute und dem österreichweiten Zeitungskoloss Krone

Mediaprint: die Streitpartner

Diese Krone ist, Stand 2017, in der Mediaprint im steten Streit mit dem Kurier vereint, einem ewigen Grenzgänger zwischen Masse und Qualität, von der Mediaprint zusammengestutzt auf Ostösterreich, und schon in den Gründungsverträgen verpflichtet zum größeren Berliner Zeitungsformat. Die Vorgabe blockiert etwa im Frühjahr 2015 das Projekt einer kleinformatigen Kompaktversion des Kurier für Wien für öffentliche Verkehrsmittel – sie kommt in Wien im September 2015 im dafür eher unpraktischen Kurier-Format. Die Krone stellt ihre Abendausgabe schon seit Herbst 2014 in Entnahmetaschen an Stationen von U‑Bahn, Straßenbahn und Bussen in Wien.

Mehr zur Mediaprint finden Sie hier im Lexikonstichwort

Der kleine Bruder „Kurier“

Beim Kurier stieg 1988 die Funke-Gruppe ein. Der bisher wichtigste nationale Konkurrent der Krone wurde mit dem großen, vielfach profitableren Kleinformat in der Mediaprint vereint. Und die Krone-Gesellschafter bestimmen in dieser Konstruktion auch über Budgets beim Kurier mit. Die Entwicklung und die Profite der Krone sind der über Syndikatsverträge lange verbundenen Mehrheit – Dichand und Funke – wichtiger als der Kurier. Dessen knapper Mehrheitseigner Raiffeisen Niederösterreich-Wien findet sich da meist in Verteidigungsposition.

Der Kurier schrumpfte über die Jahre und Jahrzehnte in der Mediaprint zu einer Zeitung für Ostösterreich – bei aller journalistischen Kraft genetisch im alten Dilemma zwischen Masse und Qualität. Das Engagement von Helmut Brandstätter (früher ORF, n‑tv, Puls 4 und PR-Agenturchef) zum Kurier-Chef brachte inhaltlich und optisch merklich Dynamik in die Zeitung. Wirtschaftlich drängt die Krone in den 2010er Jahren auf drastische Sparmaßnahmen in hoher einstelliger, je nach Perspektive auch zweistelliger Millionenhöhe im Sinne des Mediaprint-Ergebnisses.

Magazin-Muskel

Der Kurier konnte 2001 seine Magazingruppe um Profil und Trend, damals klare Nummer zwei im Zeitschriftenmarkt, in die schon damals marktbeherrschenden Verlagsgruppe Newseinbringen (die sogenannte Formil-Fusion). Der im marktbeherrschenden Zeitungsverlag Mediaprint verankerte Kurier hielt bis 2018 noch 25,3 Prozent, eine Sperrminorität, an der den Magazinmarkt beherrschenden Zeitschriftengruppe.

Die in der Media-Analyse (2016) ausgewiesenen News-Titel kommen auf eine kumulierte Reichweite (ohne Doppelleser) von national 31,6 Prozent, in Wien von 39,7 Prozent. Zusammen mit den beiden Mediaprint-Blättern Krone und Kurier liegt die kumulierte Mediamil-Reichweite (2016) bei 53,7 Prozent national und in Wien bei 57,8 Prozent. Ohne die der Familie Dichand nicht gerade fern stehende Gratiszeitung Heute.

Mehr zur Verlagsgruppe News im Lexikonstichwort über den marktbeherrschenden Magazinkonzern.

Herausforderung „Österreich“

Das Dichand-Duopol von Krone und Heute und dessen Mediaprint-Vorläufer U‑Express entstanden als Abwehrmaßnahme gegen neue Konkurrenz für Kaufzeitungen: Gratistageszeitungen, wie sie in den späten 1990er Jahren unter den Marken Metro und 20 Minuten Europas Großstädte mit einigem Erfolg überfluteten. Auch Wien stand auf den Expansionsplänen der beiden skandinavischen Gratiszeitungsketten. Und: Die Magazinbrüder Fellner, vor allem Wolfgang Fellner, wälzten damals schon Pläne für eine Tageszeitung mit dem wesentlichem Standbein: Gratisvertrieb. Von den Plänen wussten etwa auch Kurier-Eigentümer Raiffeisen und Dichand, denen die Fellners ihr Projekt auf der Suche nach Partnern präsentierten.

Vor allem Familie Dichand wusste dem Start von Österreich vorzubeugen – Heute besetzte den Markt der Gratiszeitungen ab 2004, vor allem in Wien. Österreich startete schließlich Ende August 2006 – mit einigen Schwierigkeiten, in Druck, Vertrieb, Kosten und Einnahmen und rasch sehr krawalliger Positionierung. Aber – wie Heute und Krone –  mit hohen Inseratenbudgets der öffentlichen Hand. Auf sie greifen Fellner-Medien von jeher mit Erfolg zurück, womöglich, weil besonders Politiker und öffentliche Firmen für Buchungen auch freundliche oder zumindest nicht negative Berichterstattung im Gegenzug erhoffen.

Österreich startete nach eigenen Angaben mit 50 plus 30 Millionen Kredit eines breiten Bankenkonsortiums, federführend Bank Austria, aber auch Raiffeisen Niederösterreich-Wien an Bord. Regelmäßig kursierten Informationen über Sondierungsgespräche über mögliche Investoren über stille Beteiligungen. Die Mediengruppe Österreich nennt keine solcher stillen Beteiligten, manche Inseratenbuchung könnte auf eine solche hindeuten.

Österreich wird – seit Mitte 2018 unter dem Zeitungstitel Oe24 analog zum Webportal – kostenlos vor allem in Ballungsräumen vertrieben, am Sonntag über Selbstbedienungstaschen. Der Anteil der Verkaufsauflage ist seit dem Start deutlich gesunken, der Gratisanteil überwiegt weit. Damit die geringere Auflage am Samstag nicht den Österreich-Schnitt senkt, wird sie als Frauenmagazin Madonna mit der Beilage Österreich verkauft.

Mit je einer Magazinbeilage pro Wochentag konnte Österreich die Abozahlen streckenweise steigern – darunter etwa Gesund & Fit, ein Reisemagazin und TV & Rätsel. Seit Ende April 2017 gibt die Mediengruppe das von Red Bull aufgegebene Seitenblicke Magazin, eine ORF-Lizenzmarke, heraus. Die Magazine verkauft die Mediengruppe auch ohne Zeitung am Kiosk.

Gut verkaufte Inseratenspecials mit Präsentationsflächen für (inserierende) Konzernchefs vor allem am Wochenende sind wesentliche Standbeine, zudem das Reiseportal joe24.at und Auto- und andere Verkäufe in besonderen Inseratendeals.

Die wirtschaftliche Lage der Mediengruppe ist von außen kaum nachvollziehbar: Dutzende Einzelfirmen mit unterschiedlichen Bilanz-Stichtagen hinter Österreich und oe24.at, mit unterschiedlichen Eigentumsstrukturen, sind kaum zu durchschauen. Und Informationen über Finanzierungsrunden und Umstrukturierungen von Krediten werden gemeinhin weder von der Mediengruppe Österreich noch den Banken kommentiert.

Die hart und offenbar teuer erkämpfte Marktposition: Platz fünf hinter Krone und Heute und der Kleinen Zeitung mit bundesweit 6,9 Prozent Reichweite (Media-Analyse 2017/18) und nummerisch auch hinter dem Kurier. In Wien kam Österreich der Krone zeitweise recht nahe – es liegt aber weit hinter Heute und inzwischen (Media-Analyse 2017/18) auch wieder weit hinter der Krone.

Abseits des Boulevards

Was erscheint da noch, abseits der Wiener Massenblätter, im nationalen Zeitungsmarkt? Zwei klassische Qualitätszeitungen, eine überregionale Ausgabe einer Bundesländer-Qualitätszeitung  und ein staatliches Organ im Besitz der Republik Österreich. Ja, auch so etwas gibt es in Österreich. Eine Wirtschaftstageszeitung gab es bis September 2016 – da stellt die Styria das Wirtschaftsblatt ein.

Die Qualität versprechen: „Die Presse“, „Der Standard“ und Co.

Zwei Wiener Titel positionieren sich überregional als klassische Qualitätszeitungen: Der Standard im Besitz von Gründer und Herausgeber Oscar Bronner und einer Familien-Stiftung mit dem etwas breiter aufgestellten Portal derStandard.at, einer wesentlichen Größe im österreichischen Online-Medienmarkt. Und Die Presse aus dem katholisch geprägten Grazer Medienkonzern Styria, mit deutlich bürgerlicherer Tradition, aber optisch und inhaltlich durchaus progressiv unterwegs. Die Presse setzt stark auf ihre 2009 gegründete Presse am Sonntag. Der Standard flankiert seine große Ausgabe im Berliner Format an Werktagen mit halb so großen, zeitweise auch verteilten Kompakt-Ausgaben.

Der auf lachsfarbenem Papier gedruckte Standard liegt seit Jahren in der Media-Analyse vorne – 2016 etwa mit 5,3 Prozent nationaler Reichweite gegenüber 4,0 Prozent der Presse. Die Presse wiederum liegt traditionell nach Verkäufen laut Auflagenkontrolle ÖAK vorne – im ersten Halbjahr 2016 etwa mit 67.261 Exemplaren gegenüber 62.470 beim Standard.

Adieu, Wirtschaftsblatt

Die Presse hatte ab Frühjahr 2014 einen kleinen Bruder ganz dicht an ihrer Seite. Der Mutterkonzern Styria hat in diesem Jahr die Verlage und Redaktionen von Presse und Wirtschaftsblatt zusammengelegt. Das Wirtschaftsblatt tat sich in dem relativ kleinen Markt nicht leicht, zeitweise verschwand es aus der Media-Analyse, 2014 kam es auf 0,9 Prozent. Die beiden Zeitungen vermarkteten Werbung mit kombinierten Reichweiten – 2015 etwa waren es 5,0 Prozent national. Doch es reicht nicht: Mit Anfang September 2016 stellt Mutterkonzern Styria das Wirtschaftsblatt ein. 17 Millionen Verlust trug ihr die Zeitung nach Konzernangaben über zehn Jahre ein. 66 Jobs gehen mit dem Blatt verloren.

Reichweiten im Qualitätssegment

Die nationalen Reichweiten im Qualitätssegment in Österreich seit 1965 laut Media-Analyse im Überblick:

Den Qualitätszeitungen werden gemeinhin auch die Salzburger Nachrichten der Gründerfamilie Dasch/Kaindl-Hönig zugerechnet mit ihrer überregionalen Österreich-Ausgabe. Nationale Reichweite 2016: 3,4 Prozent.

Auch der Kurier reklamiert sich in diesen Qualitätsmarkt – mit unbestrittenen inhaltlichen Qualitäten, gepaart mit größtmöglicher Breite. Nationale Reichweite 2016: 7,6 Prozent.

Auflagen im Qualitätssegment

Die verkauften Auflagen im Qualitätssegment aus der ÖAK 2017/1. Halbjahr und die verbreiteten Auflagen einmal mit, einmal ohne Kurier.

Das Staatsorgan „Wiener Zeitung“

Und noch eine Zeitung positioniert sich als Qualitätstitel:

Die Wiener Zeitung steht im Besitz der Republik Österreich. Beteiligt sich nicht an der Media-Analyse, veröffentlicht ihre Auflagen nicht in der ÖAK, vermarktet sich aber durchaus kommerziell mit Gewinnspielen, Abobeigaben und ähnlichen Maßnahmen.

Ihre Wochend-Beilage Wiener Journal meldet der ÖAK gut 23.000 Exemplare für die Wiener Zeitung – die der Staatsverlag am Wochenende wie Standard und Presse auch über Selbstbedienungstaschen vertreibt.

Neue Kanzlern und Regierungen wechseln häufig, meist farblich abgestimmt, Chefredakteure und Geschäftsführer der Wiener Zeitung.

Wie die Verlagsriesen zusammenhängen

Von 2001 bis 2018 waren die Mediaprintzeitung Kurier und die Verlagsgruppe News verflochten – diese Verbindung löste der neue VGN-Mehrheitseigentümer Horst Pirker zusammen mit den Gründern, Familie Fellner, über eine alte Option. Der Stand danach (Mit Klick auf die Grafik vergrößern):

Update November 2018: Immobilien- und Handelstycoon René Benko übernimmt (vorerst) 49 Prozent an der Funke-Beteiligungsgesellschaft, die 50 Prozent an der Krone und fast 50 Prozent am Kurier hält.

Der Zeitungsmarkt – regional und täglich

Neun Bundesländer, neun hoch konzentrierte Märkte, fast alle mit einem Landeshauptblatt im Abwehrkampf gegen die Regionalausgaben der Krone – und viele dieser Abwehrkämpfer sind erstaunlich erfolgreich.

Die meisten der großen Regionalzeitungen wurden 1945 bald nach dem Sieg über das NS-Regime von den alliierten Streitkräften gegründet und meist relativ bald privaten Druckereibesitzern oder Journalisten übergeben. In Wien gründeten übrigens die US-Streitkräfte den Kurier 1945, erst 1954 ging er an Mühlenbesitzer und Filmproduzent Ludwig Polsterer und die ÖVP-Arbeitnehmerorganisation ÖAAB. Aber hier geht es um die Bundesländer und ihre Blätter und nicht um die Hauptstadt:

  • Die Vorarlberger Nachrichten gründeten die französischen Truppen, sie gingen Mitte November 1945 an die Buchdruckerei Eugen Ruß. Der Familie gehören sie noch heute, der Konzern nennt sich Russmedia.
  • Die Tiroler Tageszeitung gründeten die französischen Streitkräfte, sie gingen über eine Zwischenstation an Verlagsverwalter Joseph Stephan Moser, dessen Familie sie heute noch (vertreten durch einen gemeinsamen Verwalter) mehrheitlich gehört.
  • Die Salzburger Nachrichten startete die 12. US-Heeresgruppe, sie gingen am 20. Oktober 1945 an Chefredakteur Gustav Canaval und Druckereileiter Max Dasch, dessen Familie sie noch heute gehören.
  • Die Oberösterreichischen Nachrichten gaben die US-Streitkräfte heraus, sie übergaben die Zeitung zunächst einem Verwalter und Parteienvertretern. Ende 1954 kam die heutige Eigentümerfamilie Cuturi an Bord.
  • Die Kleine Zeitung erschien auch in der NS-Zeit, übernommen von der nationalsozialistischen Südostdeutschen Zeitungs GmbH. Die Sowjettruppen untersagten die Kleine 1945, die britischen Truppen erlaubten im Süden zunächst nur Parteizeitungen. Die Kleine erschien erst wieder 1948 im Styria-Verlag des Pressvereins der Diözese Graz-Seckau.

Die Verlage dieser Landeshauptblätter sind inzwischen die jeweils einzigen regionalen Tageszeitungsmacher in ihrem Bundesland – mit Ausnahme Oberösterreichs, wo neben den großen Nachrichten noch die kleine ÖVP-Parteizeitung Neues Volksblatt durchhält.

Zwei kleine Regionalzeitungen, zugleich zwei ehemalige Parteizeitungen, gaben 2014 auf: die Kärntner Tageszeitung, kurz KTZ, und die Salzburger Volkszeitung (SVZ). Das ehemalige SPÖ-Parteiblatt KTZ scheiterte an einem mehr als windigen, von deutschen Behörden strafverfolgten und untergetauchten Unternehmer als letztem Verleger; dem ehemaligen ÖVP-Parteiorgan SVZ strich das Kanzleramt mit Regierungsmehrheit praktisch nachträglich die Presseförderung – die Bedingungen wurden für einen Zeitraum verschärft, für den der Antrag schon vor der Gesetzesänderung zu stellen war. Mit dem großen digitalen Medienwandel hatte beider Schicksal wenig zu tun.

Die großen Regionalzeitungen sind politisch durchwegs dem bürgerlichen Lager zuzurechnen,  manche besonders katholisch-kirchennah, andere weltlicher und/oder liberaler. Diese Zeitungen und ihre Interessen prägen auch wesentlich den Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ).

Konkurrenz (abseits der Krone und, in höchstens geringer Dosis, anderen überregionalen Titeln) machen sie sich allenfalls selbst, und sie schützen sich mit dieser eigenen Konkurrenz vor dem potenziellen Mitbewerb anderer Verlage: Die Vorarlberger Nachrichten mit der Neuen Vorarlberger aus dem gleichen Verlagskonzern. Die Tiroler Tageszeitung mit der kostenlosen TT kompakt. 

Die Konkurrenz zur Krone ist inzwischen in einigen Bundesländern vor allem eine publizistisch-verlegerische, weniger eine logistische: Die Salzburger Nachrichten betreiben mit der Mediaprint eine gemeinsame Druckerei und eine gemeinsame Hauszustellung. Auch die Tiroler Moser Holding stellt die Tiroler Tageszeitung in einer Gemeinschaftsfirma mit der Mediaprint zu. Nur Österreich möchten die wenigsten Verlagsgruppen in ihren Zustellorganisationen mitnehmen.

Wir arbeiten uns nun vor vom äußersten Westen, dem etwa Paris rein geografisch näher liegt als Wien und Zürich sowieso. Dort, in Vorarlberg, ist die regionale Konzentration am höchsten.

Vorarlberg, das Russ-Land

Die wenigsten Bundesländer haben noch zwei Regionaltageszeitungen abseits der jeweiligen Regional-Krone. So gesehen, ist Vorarlberg ein ausnehmend vielfältiger Zeitungsmarkt mit Vorarlberger Nachrichten und der kleinformatigen Neuen Vorarlberger Tageszeitung. Und ein wehrhafter: Die Krone kommt hier 2016 auf nur 5,1 Prozent Reichweite, 2017 wird ihr Wert für Vorarlberg in der Media-Analyse nicht mehr ausgewiesen. VN und die mit Presseförderung wesentlich finanzierte Neue halten in Vorarlberg 2016 bei (um Doppelleser bereinigten) 52,4 Prozent.

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Der Stand im Land:

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Ende der 1990er, fast ein Jahrzehnt nach dem Zukauf der Neuen, erreichten die beiden Zeitungen gemeinsam ganze 81,5 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger. Dafür hat Russmedia inzwischen noch viele andere Kanäle.

Weniger vielfältig die Besitzverhältnisse in den privaten Vorarlberger Medien: Beide Tageszeitungen gehören der marktbeherrschenden Russmedia, der dominierende Internetprovider samt konzerneigenem Telefontarif, das Russmedia Online-Regionalportal vol.at liegt als einziges in seinem Bundesland vor ORF.at, Wochenzeitungen aller Art, Regionalradio, Magazine, Außenwerbefirmen, jedenfalls als Beteiligung.

Russmedia in Familien/Stiftungsbesitz der Familie Russ ist im Onlinegeschäft hoch aktiv – vom Mietportal Erento über deutsche Kleinanzeigenportale bis zum Online-Skiverleih. Und mit Regionalzeitungen und ‑portalen in Ungarn eine wesentliche Größe in der Branche, in Rumänien in einzelnen Regionen.

Tiroler Gegenwehr

Landeshauptblatt des traditionell wehrhaft-eigensinnigen Tirol ist die Tiroler Tageszeitung, ein durchaus bestimmender Teil des ÖVP-geprägten politischen Systems dort. Die Zeitung und das Land sind das letzte große regionale Angriffs- und Expansionsziel der Kronen Zeitung. Ab 1992  versucht sie mit einigem Aufwand und Erfolg, Tirol zu erobern – mit vergleichsweise gedumpten Abopreisen, eigener Hauszustellung, Redaktion sowieso. 26,1 Prozent der Tiroler ab 14 Jahren erreichte sie 2016.

Die Abwehrkämpferin TT, einst jenseits der 60 Prozent Reichweite im Land, hält 2016 noch bei 42,1 Prozent. Und sie hat sich selbst Verstärkung gebracht und Konkurrenz gemacht: Die TT kompakt gibt es – nach einigen Marken- und Positionierungsübungen – gratis als Pendlerzeitung. Gemeinsam erreichen TT und TT kompakt 44,1 Prozent der Tiroler. Die TT am Sonntag schafft 44,5 Prozent im Land, die Krone am Sonntag 33,8. Inzwischen stellt die TT ihre Zeitungen in einer gemeinsamen Vertriebsfirma mit der Mediaprint, also der Krone, zu.

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Der Stand im Land:

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Der TT-Mutterkonzern Moser Holding in Familien- und Bankenbesitz expandiert munter, manchmal ökonomisch ein bisschen zu forsch, über die Landesgrenzen hinaus, oft mit der Styria: Beiden gehört 50:50 der Gratiswochenzeitungsring RMA (Regionalmedien Austria), gemeinsam reichweitenstärkstes Printmedium im Land. Und 74,9:25,1 die Regional-Frauenmagazingruppe „Bundesländerinnen“.

Salzburg: Regionale Qualität

Die Rollen und Gebiete sind relativ klar abgesteckt in dem mittelgroßen Bundesland: Die Krone für das (oft gar nicht flache) Land, die ziemlich kaufkräftige Stadt Salzburg und ihr Speckgürtel den Salzburger Nachrichten.

Das Traditionsblatt wurde wie viele Landeshauptblätter von den alliierten Streitkräften nach dem Ende des NS-Regimes gegründet. Es gehört den Nachkommen eines der beiden ersten privaten Eigentümer: Herausgeber Max Dasch und seiner Schwester Gertrude Kaind-Hönig. DieSalzburger Nachrichten sind als Qualitätszeitung positioniert, seit 1989 haben sie mit eine Österreich-Ausgabe.

Im Regionalmarkt liegen sie – mal knapper, mal weiter – vor, hinter oder Kopf an Kopf mit derKrone.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel
° gratis

Auch dieSalzburger Nachrichten sind inzwischen einzige regionale Tageszeitung. Der letzte weitere Blatt mit dem Bundesland im Titel wurde 2014 eingestellt, als SPÖ und ÖVP die Presseförderung überfallsartig neue Bedingungen für Presseförderung beschlossen: die Salzburger Volkszeitung, über Jahrzehnte ÖVP-Parteiblatt und ab 2005 im Besitz eines oberösterreichischen Unternehmers.

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Kärnten, Steiermark: Regionaler Riese, Kreuz des Südens

Ein ziemlich innovatives, streckenweise ziemlich anspruchsvolles und ziemlich tief, Bezirk für Bezirk, regionalisiertes Massenblatt dominiert Südösterreich: die Kleine Zeitung für die Steiermark und für Kärnten aus dem katholisch geprägten Medienkonzern Styria, wie die Kleine Zeitung unter den Tageszeitungen nationale Nummer drei in Österreich.

Die Steiermark und ihre Kleine waren 1972 zweites großes Regional-Expansionsziel der Krone über Ostösterreich hinaus, in Kärnten gelang 1983 ein Überraschungsangriff. Die Kleine wehrte sich mit einigem Erfolg – und mit aufwändiger Regionalisierung, zeitweise Gratisausgaben und vielen anderen Instrumenten aus dem Arsenal des Zeitungs- und Magazinmarketings, mit Gott und Geschick, wenn man so will, und auch mit der Politik in Stadt und Land.

Der Stand im Land: In Kärnten wie in der Steiermark hat die Kleine die Krone laut Media-Analyse klar abgehängt. Die Daten im Überblick:

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel

Und hier die Reichweiten in Kärnten und der Steiermark im historischen Überblick seit 1965 – vor allem zum Match Kleine gegen Krone:

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel

Oberösterreich: Das erste Ziel

Nicht allein die Krone nahm sich rasch Oberöstereich vor. Aber der erste Regionalangriff der Kronen Zeitung war durchschlagend: Im Mai 1968 startete sie die Oberösterreich-Krone, schon in der Media-Analyse von 1969 hat sie nummerisch eine höhere Reichweite im Land als die großformatigen Oberöstereichischen Nachrichten. Und bereits in der MA 1971 ist die Krone davongezogen.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel. Das Volksblatt beteiligte sich etwas wechselhaft an der Media-Analyse (bevor es das ganz aufgab), daher das verwirrend punktuelle Auftreten in dieser Timeline.
° gratis

Die Nachrichten im Familienbesitz der Cuturis positionieren und vermarkten sich qualitätvoller als die Krone. Ihre wirtschaftsnahe Ausrichtung – und lange beackerte in der Vergangenheit auch der Kurier den Markt – ließen etwa den Standard in Oberösterreich trotz einiger Bemühungen weniger erfolgreich Fuß fassen als in anderen Bundesländern. Österreich am anderen Ende der Skala gab seine zum Start sehr intensiven Bemühungen um den Regionalmarkt wieder auf. Heute bemüht sich auch um diesen Markt ein Stück erfolgreicher.

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Niederösterreich: Das größte Kron-Land

Die Kronländer

Österreichs größtes Bundesland, und wie eines der kleinsten ganz ohne eigene Landestageszeitung. Denn: Das Landeshauptblatt ist die, wiewohl in Wien angesiedelte, Krone. Auch wenn das der eine oder andere Journalist nicht einsehen mochte und eine Tageszeitung wie Guten Tag, Niederösterreich in den Markt setzte, die sich rasch mit Gute Nacht verabschieden musste.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Wien, nach dem Markteintritt des ebenfalls Dichandschen Heute aber vor allem Niederösterreich und Burgenland, die Ostregion Österreichs also, sind Krone-Länder. Schon 1969 lasen 30,7 Prozent der Niederösterreicher das Wiener Kleinformat, und es wurden zwischendurch noch gut 50 Prozent.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel
° gratis

Ein großes regionales Verlagshaus freilich hat auch Niederösterreich: das Niederösterreichische Pressehaus mit der Kaufwochenzeitung Niederösterreichische Nachrichten (NÖN). Freilich inzwischen in diesem Markt heftig bedrängt von der RMA, dem großen Gratiswochenzeitungsring von Moser Holding und Styria, mit den Bezirksblättern.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel
° gratis * Wochentitel

Burgenland: Die Kron-Kolonie

Das Burgenland ist ein bisschen wie Niederösterreich – der Zeitungsmarkt ebenso von der Krone dominiert, die hier am allerstärksten ist, und von wenigen Wochenzeitungen. Nur hier gibt es erst gar kein regionales Medienhaus: Die kostenlosen Bezirksblätter mit ihren Riesen-Reichweiten gehören der RMA. Und die Wochenzeitung BVZ längst dem Niederösterreichischen Pressehaus.

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel, g = gratis, w = wöchentlich, 14t = 14täglich

Quelle: Media-Analyse, ausgewählte Titel
° gratis
* wöchentlich

Wer kam, wer ging: Tageszeitungsleben seit 1945

Handling-Hinweis: Auch diese Timeline kann man nach links und rechts, nach oben und unten verschieben.

Quelle der – hier bei einigen Zeitungen mit wechselndem Titel und später fusionierten Blättern etwas komprimierten – Daten: Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. An den – vorerst etwas zu langen – Erklärungen bastle ich noch.

Handling-Hinweis: Auch diese Timelines lassen sich nach links und rechts, nach oben und unten verschieben. Nur damit Ihnen nichts entgeht in dieser doch etwas üppigen Darstellung.

Wochenzeitungen

Praktisch alle großen Regionalzeitungshäuser haben ihren Tageszeitungen regionale Wochenzeitungen, Kauftitel und vor allem Gratiswochenzeitungen, zur Seite gestellt und so versucht, ihre Märkte breiter abzudecken. Mit, weil gratis zugestellt, teilweise beeindruckenden Reichweiten. Natürlich geben nicht nur Tageszeitungsverlage reichweitenstarke Wochenzeitungen heraus.

Welche reichweitenstarken Erscheinungen gibt es im Wochenzeitungsmarkt? Hier ein paar wesentliche Beispiele, aber beileibe keine vollständige Aufzählung:

  • Der Echo Verlag mit SPÖ-Wien-Hintergrund verlegt die Wiener Bezirksblätter, mit 2014 35,9 Prozent Reichweite in der Hauptstadt nummerisch größtes Printmedium in Wien. Auch sie haben allerdings einen Tageszeitungsverlag an Bord: 24,9 Prozent hält seit 2011 die Mediaprint von Krone und Kurier.
  • Die Vorarlberger Nachrichten/Russmedia haben etwa mit dem kostenlosen, Mittwoch und Sontag erscheinenden Wann & Wo und der Beteiligung an der RZ Regionalzeitungs GmbH mit ihren fünf, teils amtsblättlichen Bezirkstiteln Blättle, Dornbirner Anzeiger, Feldkircher Anzeiger, Walgaublatt, Bludenzer Anzeiger.
  • Die Salzburger Nachrichten mit dem Salzburger Fenster und der Salzburger Woche.
  • Die Oberösterreichischen Nachrichten/Wimmer Holding mit den kostenlosen, auf Bezirksebene regionalisieren und munter nach Niederösterreich expandierenden Tips.
  • In Niederösterreich ist das Landeshauptblatt eine Kaufwochenenzeitung – die NÖN abgekürzten Niederösterreichischen Nachrichten für jeden Bezirk aus dem Niederösterreichischen Pressehaus der Erzdiözese St. Pölten; flankiert von Gratistiteln wie kurz & bündig für einzelne Bezirke und die LHZ Landeshauptstadtzeitung für St. Pölten.
  • Im Burgenland fährt das Niederösterreichische Pressehaus eine ähnliche Strategie mit sieben Ausgaben der früheren ÖVP-Wochenzeitung BVZ.
  • Die Kleine Zeitung/Styria hat ihre Woche-Bezirkszeitungen und den Grazer an den  Reichweitenjumbo RMA weitergereicht.
  • Die Tiroler Moser Holding mit Wochenzeitungen in ihrem Bundesland, ab 2007 mit der Bezirksrundschau in Oberösterreich – und insbesondere mit dem bundesweiten Reichweiten-Riesen RMA.

Der nationale Regionalzeitungsriese RMA

  • Österreichs größtes Printmedium – wenn man die Reichweite der fast 130 überwiegend wöchentlichen Gratiszeitungen und ihre Kooperationspartner zusammennimmt. Sie erreichen laut Media-Analyse wöchentlich fast 48 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab 14 Jahren (2018).
  • Der Gratiswochenzeitungsring gehört zu je 50 Prozent den beiden großen Regionalverlagen Styria Media Group (Kleine Zeitung, Die Presse, Willhaben.at) und Moser Holding (Tiroler Tageszeitung).

Wie kommt die RMA auf rund 50 Prozent Wochenreichweite? Beiträge zu diesem eindrucksvollen Wert liefern – Stand 2017 – laut RMA insgesamt 127 Titel, der Großteil davon gehört der RMA, einen kleineren Teil vermarktet (und zählt) sie mit. Die RMA-Medien im Überblick:

    • BZ alias Wiener Bezirksblatt erscheint wöchentlich in 23 Ausgaben, gehört der RMA.
    • Bezirksblätter für Burgenland (6), Niederösterreich (29), Salzburg(7), Tirol (12, alle wöchentlich und im Besitz der RMA.
    • Meine Woche für Steiermark (19) und Kärnten (9), auch im RMA-Besitz,
    • Der Grazer kommt in der steirischen Hauptstadt sonntags, gehört ebenfalls der RMA.
    • Draustädter, Feldkirchner, Gailtaler, Klagenfurter, Lavanttaler, Spittaler, St. Veiter und Völkermarkter alle 14 Tage sowie Mein Sonntag monatlich sind regionale Zeitschriften der Kärntner Regional Medien GmbH, die inzwischen auch zu 100 Prozent der RMA gehört.
    • Bezirksrundschau Oberösterreich war ein teures (Gratis-)Wochenzeitungsexperiment der Tiroler Moser Holding in den 2000er Jahren, gehört weiter der Moser Holding und ist Kooperationspartner der RMA mit 17 Ausgaben.
    • Bregenzer Blättle, Dornbirner Anzeiger, Feldkircher Anzeiger, Walgaublatt, Bludenzer Anzeiger sind Kooperationspartner der RMA in Vorarlberg und gehören zu 58,3 Prozent dem Bregenzer Drucker und Verleger Reiner Kolb und zu 41,7 Prozent wie praktisch alle Medien im westlichsten Bundesland dem Russmedia Verlag (Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger).

Digitale Aktivitäten der RMA: meinbezirk.at zu den Gratiswochenzeitungen, kregionalmedien.at, gesund.at, dazu das Printmagazin Hausarzt.

Wochenzeitungen – kleine, feine und andere

Wochenzeitungen in Österreich, von denen man gehört haben sollte:

Falter

Wiener Wochenzeitung mit europäischem Anspruch, sozialliberal positioniert, vor allem durch Enthüllungen über Missstände in Polizei und Justiz bekannt. Entstand als alternative, als Verein organisierte Stadt- und Veranstaltungszeitung. Die Mehrheit am Falter Verlag gehört Stiftungen von Gründer und Chefredakteur Armin Thurnher und Geschäftsführer Siegmar Schlager.

Furche

Anspruchsvolle, durchaus katholisch geprägte Wochenzeitung der Styria Media Group.

Die Zeit, Österreich-Ausgabe

Ableger der in der über die vergangenen Jahre erfolgreich neu positionierten Hamburger Qualitätswochenzeitung Die Zeit. Joachim Riedl, früher Süddeutsche Zeitung und Format, konzipierte und leitet den Österreich-Ableger, vor allem ein publizistischer und Vertriebserfolg. Das der Österreich-Ausgabe beigemessene Gewicht fußt wohl auch auf der falschen Vermutung, die Österreich-Seiten würden auch in Deutschland erscheinen.