Eines der schon recht alten Massenmedien – und auch heute noch eines der gewichtigsten, jedenfalls in Österreich: 62 Prozent der Menschen ab 14 sagten 2018, sie greifen täglich zu einer Kauf- oder Gratiszeitung. An die Zeitungen gehen in Österreich lange Jahre die höchsten Brutto-Werbevolumina – auch und vor allem jene öffentlicher Stellen. Der Branche ging es aber schon deutlich besser. Jüngstes Opfer: Die Styria stellt Anfang September 2016 das Wirtschaftsblatt nach 17 Millionen Verlust in 10 Jahren ein.

  • Werbegröße. Printmedien sind auch in den Daten für 2018 in Österreich noch die größten Werbeträger laut Focus Marketing Research mit fast 46 Prozent vom Bruttowerbemarkt – in vielen anderen Ländern liegt längst das Fernsehen vorne, und auch Onlinewerbung überholt. Die Tageszeitungen sind hier traditionell die gewichtigste Gruppe mit 2018 rund 27 Prozent Werbemarktanteil, Kopf an Kopf mit dem Fernsehen.
  • Verkaufserlöse vor Werbung. In Österreich sind keine Nettowerbeumsätze von Zeitungen verfügbar. Das Nettowerbevolumen deutscher Tageszeitungen knickte von 2001 rund 5,6 Milliarden Euro auf 2018 rund 2,2 Milliarden Euro ein, etwas mehr als ein Drittel des Wertes vor knapp zwei Jahrzehnten. Seit 2016 haben Vertriebserlöse bei Österreichs Kauftageszeitungen mehr wirtschaftliches Gewicht als die Anzeigenerlöse.
  • Die höchsten Werbebudgets öffentlicher Stellen (veröffentlicht nach dem Medientransparenz-Gesetz, insgesamt rund 170 bis 180 Millionen Euro im Jahr) gehen an die Boulevardtitel Kronen Zeitung, Heute und Österreich/Oe24. Presseförderung (insgesamt 8,9 Millionen) gehen an alle Tages- und Wochenzeitungen, die höchsten Beträge erhalten Die Presse, Der Standard, Volksblatt und Neue Vorarlberger.
  • Österreichs weitaus größte Tageszeitung ist die Kronen Zeitung mit rund 27 Prozent Reichweite national und rund 45 Prozent der verkauften Zeitungsauflage. Danach kommt lange nichts – und dann die Gratiszeitung Heute mit rund 12 Prozent Reichweite, die regionale Kleine Zeitung mit rund 10 und Österreich/Oe24 mit rund 8 Prozent. Die Kronen Zeitung gehört zu 50 Prozent der Gründerfamilie Dichand und zu 50 Prozent der deutschen Funke-Gruppe und der Signa Holding des Tiroler Milliardärs René Benko.
  • Zeitungsmarktbeherrscher Mediaprint. Mit dem Kurier im Eigentum von Raiffeisen und Funke/Benko legte die Krone 1988 – ungehindert von Medienpolitik und ohnehin real nicht existierendem Kartellreccht – ihren Verlag zusammen, gemeinsam bilden sie Österreichs größten und marktbeherrschenden Zeitungsverlagskonzern Mediaprint.
  • Der Wiener Boulevard. In Wien liegt die Gratiszeitung Heute seit 2010 deutlich vor der Kronen Zeitung. An Heute ist Eva Dichand (beziehungsweise ihre Pluto Privatstiftung) wesentlich beteiligt, die Frau von Krone-Miteigentümer und ‑Herausgeber Christoph Dichand. Mit der Gratiszeitung Heute gaben SPÖ-nahe Personen und Eva Dichand der Krone durchaus erfolgreich Flankenschutz gegen Österreich/Oe24 der Familie Fellner. Seit 2016 ist der Schweizer Verlagskonzern Tamedia maßgeblich an Heute.at und Heute beteiligt.
  • Die Länderwertung. Niederösterreich und Burgenland sind – wie lange auch Wien – Stammbundesländer der Krone. In der Steiermark und in Kärnten ist die Kleine Zeitung der Styria das marktbeherrschende Landeshauptblatt. In Oberösterreich liegen die Oberösterreichischen Nachrichten der Wimmer Holding nach jahrzehntelangem Rückstand zur Krone wieder knapp und nummerisch vorne. In Salzburg die Salzburger Nachrichten der Familie Dasch/Kaindl-Hönig. Das Land Tirol dominiert die Moser Holding insbesondere mit der Tiroler Tageszeitung, Vorarlberg wiederum Russmedia auch mit den Vorarlberger Nachrichten und dem Beiboot Neue Vorarlberger Tageszeitung.
  • Im Qualitätszeitungsmarkt matchen sich Der Standard im (Stiftungs-)Besitz der Gründerfamilie Bronner, Die Presse der Styria, die Salzburger Nachrichten, die Wiener Zeitung als publizistischer Sonderfall in Republiksbesitz und, je nach Definition, der Kurier.
  • Pressure Group. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zählt traditionell zu den gewichtigsten Interessenvertretungen in der Medienbranche. Der VÖZ war wesentlich mitverantwortlich für die sehr späte Zulassung von Privatradio und Privatfernsehen.
  • Deutlich mehr gibt es unter dem Lexikonstichwort Zeitungen, eine historische Timeline über die Zeitungsstarts und ‑einstellungen seit 1945 finden sie unter Zeitungen – Starten und Sterben

Das Letzte: Updates zum Ausklappen


Deutschland beschließt 40 Millionen Euro Vertriebsförderung für Zeitungen
Die Abgeordneten der Koalitionsparteien CDU und SPD im Bundestag beschließen Ende November 2019, den Abo-Vertrieb von Zeitungen und Anzeigenblättern mit 40 Millionen Euro pro Jahr zu fördern. Bis diese Presseförderung fließen kann, braucht es aber noch ein detaillertes Reglement dafür. Zeitschriften sind ausgenommen. Das Fördervorhaben ist vorerst auf fünf Jahre befristet. 2018 hat Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn für Zeitungszusteller.

Media-Analyse 2018/19: Falter legt als einziger Titel bundesweit zu
Die Media-Analyse veröffentlicht die Reichweiten für Juli 2018 bis Juni 2019. Nur ein Titel kann bundesweit signifikant - also um mehr als die statistische Schwankungsbreite - zulegen: Der Falter steigert sich national von 2 auf 3,1 Prozent, in Wien von 5,3 auf 7 Prozent. Auf DIEMEDIEN.at verwende ich die jährlichen Media-Analyse-Werte (jeweils von Jänner bis Dezember). Die Daten für 2018/19 finden Sie unter diesem Link.

Ein Viertel weniger Newsroom-Jobs binnen zehn Jahren in den USA
Das Pew Research Center hat die Beschäftigtenzahlen in US-Reaktionen über zehn Jahre laut offiziellen Statistiken analysiert und kommt zum Schluss: Von 2008 bis 2018 sank die Zahl insgesamt um ein Viertel, in Zeitungsredaktionen gleich um 47 Prozent. Die (wie ich finde) recht eindrucksvolle Pew-Grafik:

Morawa stellt Zeitungsvertrieb ein
Am 11. Juni 2018 informiert der große Buch- und Zeitungsvertrieb Morawa die Belieferung von Trafiken und anderen Einzelverkaufsstellen mit Zeitungen und Magazinen mangels Aussicht auf wirtschaftliche Führung mit Jahresende 2018 einstellt. Eine Fusion mit der Zustellung des Salzburger Pressegroßvertriebs PGV ging wettbewerbsrechtlich nicht durch. Nun ist der PGV vorerst allein im (schwierigen) Markt. Laut Zeitungsverband werden weniger als 7 Prozent der Auflagen über den Einzelhandel abgesetzt, der allergrößte Teil über Abonnements.

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